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Ende der Welt Der Vor-Ältestenrat und die Bundestag-Sitzordnung

Das einzige was sicher ist, ist der 24. Oktober. Da kommt der neue Bundestag erstmals zusammen

Von: Wolfram Schrag

Stand: 05.10.2017

Dann dürfen die 709 Abgeordneten Platz nehmen. Nur wo? Auf blauen Sesseln, das steht fest. Nur der Rest, der ist immer noch unklar. Die politische Landschaft ist ja seit der Wahl eine neue. Und entsprechend bunt ist auch der Bundestag mit seinen sechs Fraktionen. Und nun muss also der Vor-Ältestenrat die Aufgabe lösen, dass alle irgendwie unterkommen, ohne in die falsche Ecke gestellt zu werden.

Noch-Präsident Norbert Lammert dürfte froh sein, wenn dieser letzte Job erledigt ist. Das Gremium darf sich nun nämlich am gängigen Links-Rechts-Spektrum abarbeiten, das uns die Französische Revolution beschert hat. Dieses Schema findet nun seine Fortsetzung im Deutschen Bundestag. Dort geht es farbenmäßig von hellrot ganz links über rot und dann irgendwo in der Mitte Jamaika bis zu den neuen blauen ganz rechts.

Aber stopp, das ist ja schon ein Teil des Streits. Erstens wären Jamaika drei Parteien, und in welcher Reihenfolge sie sitzen, ist auch ein Zankapfel. In die Mitte wollen sie alle, denn dort wurden bislang auch immer die Wahlen gewonnen.

Doch schauen wir uns zunächst die Ränder an: Vom Präsidenten aus, und die männliche Form sei hier erlaubt, weil dieses Amt Wolfgang Schäuble innehaben soll, sieht die Sache so aus: Blickt er ganz nach rechts, 90 Grad, ist dort die Regierungsbank. Bei 45 Grad nach rechts wäre nach französischem Schema also eine rechte Partei, die sich aber anders nennt. Beim Blick 45 Grad nach links sitzt eine linke Partei, die der Einfachheit halber ja auch diesen Namen trägt. Das Problem ist aber die leichte Kopfbewegung des Bundestagspräsidenten im Bereich 45 und 90 Grad rechts. So nahe wäre eine Regierung der AfD noch nie gekommen.

Und umgekehrt ebenfalls. Nun ja, das ist halt der Wählerwille. Und wer kommt bei 30 Grad? Zunächst wahrscheinlich die zwei Abgeordneten, die jetzt schon fraktionslos sind. Und dann käme die FDP, die früher ganz rechts im Bundestag saß. Nun will sie aber aus offenbar politisch hygienischen Gründen unbedingt in die Mitte.

Und dazwischen ist wahrscheinlich ein ideologischer Graben

Das hieße neben der AfD kämen die Abgeordneten von CDU und CSU. Und dazwischen ist wahrscheinlich ein ideologischer Graben, den man nur im Bundestag nicht so nennt. Dem Vor-Ältestenrat bleibt also nichts anderes übrig als hier ein Ergebnis zu zimmern.

Nach der französischen Revolution hat es übrigens rund 30 Jahre gedauert, bis sich zwischen extrem-linken Revolutionären und den Monarchisten am äußersten rechten Rand eine Sitzordnung durchgesetzt hat.

Hoffen wir mal, dass der Vor-Ältestenrat schneller ist.


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