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Ende der Welt War da was? ICE lässt Wolfsburg wieder mal links liegen

Trost von höchster Stelle tut einfach gut - gerade bei nervigen Verkehrspannen, die lange Wartezeiten oder große Umwege nach sich ziehen: "Seien Sie froh, dass Sie nicht nach Berlin fahren mussten, sondern nur bis Stendal!", sagte die Bundeskanzlerin konziliant zu verspäteten Tagungsteilnehmern in Wolfsburg, damals im Oktober 2011.

Von: Heinz Gorr

Stand: 14.09.2017

Was wäre eigentlich so schlimm gewesen an Berlin, Frau Merkel? Gut, die Hauptstadt hatte schon zum zweiten Mal die Eröffnung des neuen Flughafens "Willy Brandt" absagen müssen, aber wer wollte, kam trotzdem hin. Nicht so in Wolfsburg - in jenem unseligen Herbst  ignorierte die Deutsche Bahn nämlich zum dritten Mal, dass weitsichtige Ortsansässige schon Jahrzehnte zuvor einen Bahnhof errichtet hatten, um von der Teilnahme am öffentlichen Schienenverkehr zu profitieren.

Hatte der Lokführer den Halt bewusst gestrichen, weil er, eingedenk des Markennamens InterCityExpress der Autostadt  den Status als City nicht zuerkennen wollte? Erinnerte er sich womöglich alter Zeiten, in denen Spitzenmanager noch markige Sprüche in die Mikrofone bellten wie Hartmut Mehdorn, der seinen Bediensteten suggerierte: "Die Bahn muss lernen, Nein zu sagen!"?

Oder ist das niedersächsische Oberzentrum schlicht zu unauffällig, um vom Führerstand eines Hochgeschwindigkeitszuges aus wahrgenommen zu werden? Damals machte die DB Konzernzentrale "eine Verkettung unglücklicher Umstände" fürs Durchrauschen verantwortlich oder falsche elektronische Fahrpläne. Nach empörten Zwischenrufen der Wolfsburger bis hinauf zum Oberbürgermeister gelobte die Bahn Besserung.

Bis dato waren - zumindest aus Sicht von Millionen täglicher Passagiere - immer nur stehende Züge ein Problem. Über fahrende hatte sich nie jemand beschwert... Jetzt ist es wieder passiert: Kein Herz für Aussteiger bewies der Führer des ICE 696 aus Kassel, glitt schnurstracks durch den Hauptbahnhof und trat, nachdem er im Unterbewusstsein die vor Entsetzen geweiteten Augen der auf dem Bahnsteig zurückgebliebenen Leute erkannt hatte, in die Eisen.

Was bleibt, ist dagegen das rätselhafte Übersehenwerden...

War der Satz "Hier war das deutsche Volk am meisten zurückgeblieben." vielleicht ein böses Omen? Adolf Hitler hatte das gesagt, im Mai 1938 bei der Grundsteinlegung einer bis heute schlagzeilenträchtigen Autofabrik. Allerdings meinte er mit "hier" nicht die "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben", wie Wolfsburg vor 1945 hieß, sondern "das Problem der Motorisierung".

Das besteht heute glücklicherweise nicht mehr, sieht man von gewissen Unstimmigkeiten bei der Exegese von Abgaswerten ab. Was bleibt, ist dagegen das rätselhafte Übersehenwerden... Ob es - siehe Berliner Zukunfts-Flughafen - an der Adresse des Wolfsburger Hauptbahnhofs liegt: Willy-Brandt-Platz 3? Von einem Umbau zum Kopfbahnhof ist in jedem Fall abzuraten...


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