Der Traum des Wettermachens Frau Holle und Herr Düsentrieb
Regen auf Knopfdruck, gemäßigte Temperaturen dank gigantischer Sonnensegel im Weltraum, Schwefel als Schutzschild. Geo-Engineering, die technische Beeinflussung des Wetters und Erdklimas, ist längst Realität. Das radioThema packt heute den Donnerhammer aus und sattelt die Sturmpferde für eine Reise durch die Geschichte des Wettermachens.
Unter den Göttern des Olymp herrschte einmal Vollbeschäftigung. Als die Urwälder noch grün, Flüsse und Meere noch blau und voller Fische waren. Damals hat Zeus im Zorn noch ab und an Blitze geschleudert, es mächtig Donnern lassen und wer Regen wollte, konnte von ihm jederzeit Sturm und Sintflut ernten.
Selbst runde 3.000 Jahre später lag die Wetterkompetenz noch beim Märchenpersonal, etwa dem der Gebrüder Grimm. So hat Frau Holle im Wetterbusiness lange Zeit ganz vorne mitgemischt. Sie war für den Schnee, die reine-weiße Winterspracht, ganz eindeutig schon immer zuständig.
Frau Holle war gestern
In der Realität des 21. Jahrhunderts, im alltäglichen Hier und Jetzt muss die greise Frau Holle längst um ihren Rentenzusatzverdienst zittern. Denn neben der Dauerüberwachung durch Wetterfrösche hat die Menschheit längst angefangen, Schnee und Regen in großem Stile selbst zu produzieren. Im Januar 2009 kommt es in Peking zu einem Wetterchaos "Made in China". Professor Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik friert es noch heute:
Professor Dirk Messner
"Im Januar hat in Peking 6 Wochen lang Dürre geherrscht. Deswegen wurde das Grundwasser knapp und deswegen wurde die Trinkwasserversorgung knapp. Von daher hat die Regierung beschlossen die Wolkenmassen in weitem Umkreis von Peking zusammenzuschieben und dann durch den Beschuss von Lasern Regen herbeizuführen. In der Nacht als das passierte kam ein Kälteeinbruch dazu und plötzlich war die ganze Stadt zugeschneit und zugefroren. Das kann dabei herauskommen, wenn man solche simplen Techniken von Wettermodifizierung vornimmt."
Das Zeitalter der Klimakriege
"Klimakriege - Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird" heißt ein Buch des Sozialpsychologen Harald Welzer. Er beschreibt darin die Folgen des Klimawandels, der zu Verteilungskämpfen, zu Kriegen um überlebensnotwendige Ressourcen führt. Das Buch ist Gegenwartsanalyse und düstere Zukunftsprognose. Ein Schlag in die Magengrube, der im besten Falle aufrüttelt, im schlechtesten resignieren lässt. Welzer attestiert: mit Stromsparen, Elektroautofahren und Recyceln allein ist nichts mehr zu retten. Für die als Lösung aller Probleme angebotenen Technik-Phantasien der Geo-Engineering-Forscher hat Welzer allerdings kein Verständnis:
Harald Welzer
"Man muss diese technischen Utopien historisch Kontextualisieren. Wenn man die letzten 150 Jahre an Technologieentwicklung durchmustert, dann hat man da die Technologiefantasien Typ Düsentrieb. Ich sage das bewusst so polemisch. Vieles von dem Sonnensegel, Meeredüngung und so was sind kleine Jungs Fantasien. Und kleine Jungs Fantasien haben die unangenehme Eigenschaft die Folgenseite nicht zu bedenken."
Gesellschaftlicher Wandel statt Technik
Im Moment ist der Glaube daran, dass politisch verbindliche Entscheidungen zur Bekämpfung des Klimawandels auf internationaler Ebene wirklich möglich sind, gering.
Im nächsten Jahr schließlich läuft das Kyoto-Protokoll aus. Die darin festgelegten Ziele zur Reduktion des jährlichen Treibhausgas-Ausstoßes wurden zwar allesamt verfehlt, trotzdem ist es aber auch ein Symbol für den politischen Versuch globale Nachhaltigkeit zu installieren. Im Moment gilt es als unsicher, ob sich die Vereinten Nationen zu einem Nachfolgeprotokoll durchringen können. Thilo Wiertz vom Forschungsprojekt "The global goverance of climate engineering" spürt Verzweiflung:
Linktipp
Das Projekt "The Global Governance of Climate Engineering" ist ein Interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Klimabeeinflussung. Hier finden sich Artikel aus den Bereichen Geografie, Physik, Internationales Recht und vielen anderen Komplexen.

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