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Der Übervater Steven Spielberg zum 70. Geburtstag

Steven Spielberg, Jahrgang 1946, erfand den amerikanischen Film neu. 1975 kreierte er mit "Der Weiße Hai" den ersten echten Blockbuster, 10 Jahre später zeigte er als erster weißer Hollywood-Regisseur die Unterdrückung der Schwarzen.

Stand: 15.12.2016

Steven Spielberg hat das amerikanische Kino verändert. Er war der wesentliche Motor des New Hollywood der frühen 70er-Jahre. Er erfand 1975 mit "Der weiße Hai" den Blockbuster. Er leitete 1981 mit "Indiana Jones" das Revival des Abenteuerfilms ein. Er zettelte gemeinsam mit seinem Freund George Lucas tricktechnische Revolutionen an. Er nahm sich 1985 mit "Die Farbe Lila" als erster bedeutender weißer Hollywood-Regisseur der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA an.

Spielberg reanimierte 1993 die ausgestorben geglaubten Dinosaurier im "Jurassic Park". Er inszenierte im selben Jahr mit "Schindlers Liste" einen Film, an dem bis heute keiner vorbeikommt, der sich für die filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust interessiert. Er drehte 1997 für "Der Soldat James Ryan" eine rund halbstündige Kriegsszene, die in ihrer Realistik unübertroffen ist. Zuletzt inszenierte er in Berlin den Kalter-Krieg-Thriller "Bridge Of Spies".

Steven Spielberg

Steven Allen Spielberg wurde am 18. Dezember 1946 in Cincinnati/Ohio als ältestes von vier Kindern in einer gutbürgerlichen jüdischen Familie geboren. Die Highschool besuchte er in Saragota/Kalifornien, sein schulischer Erfolg war mäßig. Doch Spielberg galt schon früh als "Wunderkind" des Films: Mit 13 Jahren gewann er mit einem 40-Minuten-Film "Escape to Nowhere" einen Amateurfilm-Wettbewerb, bereits drei Jahre später realisierte er mit "Firelight" einen Langfilm, der sogar einigen kommerziellen Erfolg hatte.

Nachdem sein ambitionierter Kurzfilm "Amblin" 1969 Preise in Venedig und Atlanta gewonnen hatte, schloss Universal Pictures einen Siebenjahresvertrag als Regisseur ab. Spielbergs Kinodebüt "The Sugarland Express" kam 1974 heraus, mit "E.T." brach er 1978 Kassenrekorde. Es folgten Streifen wie "Indiana Jones", "Gremlins", "Hook" und "Jurassic Park". 1993 drehte Spielberg, der Meister des Unterhaltungskinos, mit "Schindler's List" einen Film über den Unternehmer Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg im von den Deutschen besetzten Krakau mehr als 1.200 Juden das Leben rettete. In der Folge gründete er in Los Angeles die "Shoa Foundation", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden aufzuzeichnen und so für kommende Generationen zu bewahren. Das Werk von Steven Spielberg hat viele Preise bekommen, darunter den Goldenen Löwen, den Golden Globe und den Emmy. Spielberg war oft für den Oscar nominiert - er gewann die begehrte Trophäe 1994 für "Schindler's List" und 1999 für "Saving Private Ryan".

Der autobiografische Hintergrund

Was kaum bekannt ist: Alle Filme von Steven Spielberg sind stark autobiografisch geprägt. Immer geht es im Unterbau seiner Werke um zerrüttete Familienverhältnisse. Spielbergs Eltern ließen sich scheiden, als er ein Jugendlicher war, bis heute ist für ihn die Bedrohung der Familie eine immer vorhandene Problematik seiner Arbeiten. Steven war ein einzelgängerisches Kind, tat sich schwer mit dem Lesen und war nicht gut im Sport. Und er wird immer wieder verprügelt, weil er Jude ist. Doch der Umgang mit der Kamera hat Spielberg schon als Kind zu einer Ausdrucksform verholfen - und ihm eine Möglichkeit gegeben, mit den eigenen Ängsten umzugehen. Als Zehnjähriger begann er, mit einer Achtmillimeter-Kamera Zugunglücke zu filmen, die er mit seiner Modelleisenbahn inszeniert hatte, und kleine Kriegsfilme zu drehen.

"Ich erinnere mich genau an den Tag, als mein Vater mir die Kamera schenkte. Eigentlich fängt mein Leben jetzt erst an. Hinter der Kamera kann ich mich vor allen Dingen verstecken, die mir Angst machen oder mich bedrohen."

Steven Spielberg

Moritz Holfelder begibt sich auf die Reise durch die Welt von Steven Spielberg und porträtiert nicht nur den Blockbuster-Regisseur, ohne den das amerikanische Kino der letzten 40 Jahre nicht denkbar wäre, sondern auch den sensiblen Autorenfilmer mit jüdischen Wurzeln. Spielberg vereint beides.

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"Der Übervater. Wie Steven Spielberg das amerikanische Kino veränderte"
Von Moritz Holfelder

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20:03 Uhr

Radiotipp

2005 drehte Steven Spielberg den Zukunftsthriller "Krieg der Welten". Eine große Lesung aus dem 1898 veröffentlichten Roman von H. G. Wells hören Sie ab 12. Januar 2017 in sieben Folgen den radioTexten am Donnerstag. Es liest Andreas Fröhlich.
Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp


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