"Der italienische Schwabe" Italo Svevo zum 150. Geburtstag
Zwei Namen, zwei Berufe, zwei Leben: Italo Svevo, Bankier und Autor mit deutschen und italienischen Wurzeln, hieß eigentlich Hector Schmitz. Zu Svevos 150. Geburtstag hat sich Antonio Pellegrino in Triest auf Spurensuche begeben.
Italo Svevo wurde am 19. Dezember 1861, im Jahr der italienischen Einigung, in Triest geboren, einer Stadt in der Grenzlandschaft zwischen Italien, Österreich und Istrien. Triest geriet im Lauf seiner wechselvollen Geschichte unter venezianische und napoleonische Herrschaft, war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs der Hafen des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs und fiel später an Italien. Auch Svevo selbst hatte Vorfahren aus verschiedenen Kulturen: Sein jüdischer Großvater kam aus Siebenbürgen, mütterlicherseits stammte er aus einer wohlhabenden Triester Familie.
Bürgerliche Existenz und literarische Ambitionen
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"Mein Vater war ein deutscher Staatsbeamter in Treviso, meine Großmutter und meine Mutter waren Italienerinnen. Mit zwölf Jahren wurde ich nach Deutschland auf eine Kaufmannsschule geschickt, wo ich noch weniger lernte, als geboten wurde. Immerhin begeisterte ich mich damals für die deutsche Literatur." So lakonisch fasste Italo Svevo selbst später seine eigene Herkunft und Jugend zusammen. Mit seinen jüdischen Wurzeln tat sich der Autor im Italien unter wachsendem Einfluss von Mussolinis Faschisten bisweilen schwer - er betonte stattdessen seine "italianità" und wies darauf hin, dass er und sein Vater zu den "tatkräftigsten liberalen italienischen Patrioten" gehörten. Dennoch hatte er sich einen Künstlernamen als Pseudonym gewählt, der eine hybride Identität geradezu wörtlich nimmt: "Italo Svevo" heißt übersetzt "italienischer Schwabe", wobei "Schwabe" in Südosteuropa ganz allgemein für "Deutscher" stehen konnte.
Mit dieser Selbstbezeichnung als Autor wollte Svevo emphatisch das Erwachen seines literarischen Bewusstseins betonen: Er verbrachte als Jugendlicher einige Zeit in Deutschland - und dort begann er, sich für Literatur und Philosophie zu interessieren, für Schiller und Schopenhauer zum Beispiel. Nach Triest zurückgekehrt, besuchte er die Handsschule, schrieb nebenbei zunächst Artikel und Theaterkritiken unter dem Autorennamen Ettore Samigli und arbeitete später im Brotberuf als Angestellter der Wiener Unionsbank. Dort lernte er die bürokratische Hierarchie und die Selbstdarstellung der Geschäftsleute kennen - als Autor brachte er diese Erfahrungen in die Menschenzeichnung seiner Werke ein. Sein erster Roman "Una Vita" erschien 1892, sechs Jahre später folgte "Senilità": Darin wird die Geschichte einer Liebe erzählt, die der Held durch sein Zaudern aufs Spiel setzt.
Literarische Psychogramme
Svevos literarische Arbeiten stießen gelegentlich auf freundliches Echo, die eigentliche Anerkennung für den Schriftsteller aber blieb aus. Svevo, der durch eine vorteilhafte Heirat im Wohlstand lebte, war schon so weit, seine Ambitionen aufzugeben - die Begegnung mit James Joyce jedoch, der in Triest unter anderem als Sprachlehrer lebte, ermutigte ihn, doch weiter zu schreiben.
1923 erschien sein großer Roman "Zenos Gewissen", den Joyce durch die Empfehlung an einige französische Kritiker bekannt machte. Das Buch beginnt mit dem Vorwort eines Psychoanalytikers, der davon berichtet, die Autobiografie eines Patienten veröffentlichen zu wollen, in der Folge wird auch von der Selbstbefreiung des Protagonisten von seinem Analytiker erzählt. Und nicht nur für diesen Roman gilt Svevo, der Freuds "Traumdeutung" ins Italienische übersetzt hat, als Vertreter des psychologischen Realismus. Seine genau gearbeiteten Charakterstudien, seine erzählerische und zugleich insistierende Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Rolle des Menschen, seiner Erinnerung und seinem
Altern haben ihm zu einem Platz unter den Klassikern der Moderne verholfen. Svevo starb 1928 in der Nähe von Treviso.
Im radioThema erinnert Antonio Pellegrino an Italo Svevo. In seiner Sendung kommen unter anderen Susanna Tamaro, Erfolgsautorin und Großnichte des Schriftstellers, die Übersetzerin Ragni Maria Gschwend und der Autor Claudio Magris zu Wort, den - wie Italo Svevo selbst - viel mit Triest verbindet. Donnerstag, 15. Dezember 2011, 20.03 Uhr auf Bayern 2.

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