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Afterwork-Lesungen 2017 "Francfort en français" Star-Aufgebot zum Frankfurter Buchmesse-Schwerpunkt

Vier literarische Schwergewichte zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse bei den Afterwork-Lesungen im Literaturhaus München: Joseph Andras' Debüt-Roman über den Fall Iveton, der unter dem damaligen Justizminister Mitterand in Algier 1957 zum Tode verurteilt wurde, Prix-Goncourt-Preisträger Jean Echenoz' hinreißende Agentenkomödie "Unsere Frau in Pjöngjang", "Die Schiffbrüchige", ein Flüchtlingsdrama einer jungen Frau, die aus Westafrika flieht, von Ali Zamir von der Insel Anjouan auf den Komoren und die autobiographische Geschichte von Aya Cissoko, der Politikwissenschaftlerin und Boxerin.

Stand: 01.10.2017

Juliane Köhler, Ulrike Kriener, Valery Tscheplanowa | Bild: <

Von Paris über Algier und Mali bis zu den Komoren, dem Archipel vor der Küste Ostafrikas

Französisch wird von 220 Millionen Menschen in 28 Ländern gesprochen, darunter nicht nur in den bekannten Kolonien Frankreichs wie Marokko,Tunesien oder Algerien, sondern auch in Mali im Norden Afrikas, in Guinea, in der Republik Tschad oder in Kongo südlich der Sahara. Sie alle gehören heuer durch ihre Sprache zu den Gastländern der Frankfurter Buchmesse. Dementsprechend vielfältig sind die Themen.

Afterwork-Lesungen mit Live-Musik bis 10. Oktober im Literaturhaus München

Cornelia Zetzsche stellt vier Neuerscheinungen vor an den kommenden vier Sonntagen in "radioTexte - Das offene Buch" um 11 Uhr auf Bayern 2 und ab 19. September an drei Dienstagen live im Literaturhaus München bei den Afterwork-Lesungen. Beginn jeweils um 18.30 Uhr mit Live-Musik von Enrique Ugarte (Akkordeon), Sebastien Bennett (Gitarre) und Timothee Mille (Piano). Eintritt frei!

Zwischen Tradition und Moderne, ein Migrantenschicksal in Paris

Aya Cissokos Eltern stammen aus Bamako und beginnen in Frankreich ein neues Leben, aber Malis Traditionen gelten auch in Paris. Aya Cissoko fand im Boxsport einen Rückzugsort mit festen Regeln. Sie wurde Box-Weltmeisterin und studierte später Politik. "Ma" heißt die Hommage an ihre Mutter und alle Frauen Malis, die Zitate auf Bambara liest sie selbst. Ein Einblick, wie sich Migranten in Europa durchschlagen, den alltäglichen Vorurteilen und rassistischen Überheblichkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, und wie sie sich gleichzeitig gegen die starren Traditionen der eigenen Herkunft wehren. "Ma" ist die Geschichte einer mutigen Frau, die Liebeserklärung einer Tochter an ihre Mutter, die sie bei allem pubertären Widerstand für Aufrichtigkeit und menschliche Stärke bewundert. Die preisgekrönte Schauspielerin Valery Tscheplanowa, gefeiert am Residenztheater und in der letzten Inszenierung von Frank Castorf an der Volksbühne Berlin liest Auszüge und wird auch Chansons von Edith Piaf singen.

Freiheitskämpfer oder Terrorist? Der Fall Fernand Iveton

Juliane Köhler und Jospeh Andras' Debüt "Die Wunden meiner Brüder". Die wahre Geschichte des jungen Fernand Iveton, der 1956 in Algier eine Bombe legte. Verletzen wollte er niemanden, aber ein Zeichen setzen gegen den blutigen Kolonialkrieg der Franzosen in Algerien. Iveton bezahlte das mit seinem Leben. Er wurde verraten, verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Ein Franzose gegen Frankreich – das wollten Politik und Justiz nicht hinnehmen. Die Frage Freiheitskämpfer oder Terrorist? ist bis heute hochaktuell. Joseph Andras hat aus dem historischen Fall eine atemraubende Erzählung gemacht. Den Prix Goncourt, den er dafür erhalten sollte, schlug er aus.

Prix-Goncourt-Preisträger Jean Echenoz und seine hinreißende Agenten-Komödie "Unsere Frau in Pjöngjang"

"Ich will eine Frau, verkündete der General. Eine Frau brauche ich, so. Tja, da sind Sie nicht der Einzige, lächelte Paul Objat. Ersparen Sie mir solche Bemerkungen, Objat, der General wurde starr, ich mache keine Witze. Etwas Haltung, wenn ich bitten darf. Objats Lächeln löste sich auf: Herr General wollen entschuldigen. Schwamm drüber, sagte der Offizier, denken wir nach." So beginnt Jean Echenoz' neuester Roman. Der General bekommt eine ganz besondere Frau auf ganz besondere Weise: Constance, attraktiv, verheiratet, aber einem Abenteuer nicht abgeneigt, wird überfallen und verschleppt, im Auftrag des französischen Geheimdienstes: Sie soll die Schlüsselrolle in einer riskanten Mission spielen, die Destabilisierung Nordkoreas. Eine hinreißende Agenten-Komödie von Prix-Goncourt-Preisträger Jean Echenoz, gelesen von Ulrike Kriener.

Flüchtlingsdrama auf dem Meer

"Das Land hat mich ausgespuckt, das Meer verschlingt mich, der Himmel wartet, und kaum komme ich wieder zu mir, sehe ich nichts, höre ich nichts, spüre ich nichts, aber das fällt nicht ins Gewicht, denn ich bin nichts wert, warum sollte ich den Kopf hängen lassen, wo alles hier endet, 'ein Toter darf keine Angst haben vorm Verrotten', sagte mein Vater Connaît-Tout immer" ... "Die Schiffbrüchige" von Ali Zamir versucht mit anderen Flüchtlingen auf einem Boot von Afrika nach Frankreich zu kommen, nun sind sie auf dem Meer gestrandet. "Das Land hat mich ausgespuckt“, denkt sie in höchster Not, als ihr Leben an ihr vorüberzieht. Ihr Autor, Ali Zamir, kommt von den Komoren und lebt heute in Montpellier. Xenia Tiling liest diesen berührenden Roman.

Von Paris nach Bamako - Afterwork-Lesungen im Überblick

"Die Wunden unserer Brüder"
Juliane Köhler liest Joseph Andras

Musik: Enrique Ugarte (Akkordeon)
17.9.2017 "radioTexte - Das offene Buch", 11.00-11.30 Uhr auf Bayern 2
19.9.2017 "Afterwork-Lesung" im Literaturhaus München, 18.30-19.15 Uhr

"Unsere Frau in Pjöngjang"
Ulrike Kriener liest Jean Echenoz

Musik: Sebastien Bennett (Gitarre)
24.9.2017 "radioTexte - Das offene Buch", 11.00-11.30 Uhr auf Bayern 2
26.9.2017 "Afterwork-Lesung" im Literaturhaus München, 18.30-19.15 Uhr

"Die Schiffbrüchige"
Xenia Tiling liest Ali Zamir

Musik: Timothee Mille (Piano)
01.10.2017 "radioTexte - Das offene Buch", 11.00-11.30 Uhr auf Bayern 2
03.10.2017 Feiertag - Afterwork-Lesung entfällt

"Ma"
Valery Tscheplanowa liest Aya Cissoko und singt Edith Piaf

Musik: Timothee Mille (Piano)
08.10.2017 "radioTexte - Das offene Buch", 11.00-11.30 Uhr auf Bayern 2
10.10.2017 "Afterwork-Lesung" im Literaturhaus München, 18.30-19.15 Uhr

In Kooperation mit dem Literaturhaus München und dem Institut français.


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