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Kurzessays mit Verve Enzensbergers Panoptikum (2/2)

Treten Sie ein in "Enzensbergers Panoptikum"! Der 82-jährige Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger behandelt in seinen "Zehn-Minuten-Essays" nicht weniger als "Unlösbare Probleme" oder "Normale Wunder" im fünf-Seiten-Takt. Am 2. und 9. Oktober liest der Autor aus seinen Essays über Kuriositäten aus dem deutschen Alltag.

Stand: 27.09.2012
Hans Magnus Enzensberger | Bild: picture-alliance/dpa

HME – diese Initialen stehen nicht nur für seinen Namen, sondern auch für ein poetisches und politisches Programm. Bereits mit seiner ersten Gedichtsammlung „Verteidigung der Wölfe“  im Jahr 1957 lieferte Hans Magnus Enzensberger  ein „poetisches Vademecum für Zeitgenossen“, wie ein Kritiker schrieb. Seit der Erscheinung dieses lyrischen Manifests hat der am 11. November 1929 in Kaufbeuren geborene Dichter, Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Essayist immer wieder zeitgenössische Alltagsthemen und Mythen des Alltags mit den hohen Traditionen unserer Kultur meisterhaft zu verbinden gewusst. In seinem neuen Band mit dem Titel „Enzensbergers Panoptikum. Zwanzig Zehn-Minuten-Essays“ versucht dieser allseitig versierte Dichter und Denker, große Themen in einem kleinen Text einzufangen.

Die Kunst des Kurzessays

Vorbild für diese kurzweiligen, aber komplexen Mini-Aufsätze war kein Geringerer als die Edelfeder der Essayistik: Michel de Montaigne. Dem französischen Maitre à penser ist es gelungen, „kein Buch zu schreiben, wo eine Seite hinreicht, und kein Kapitel, wo ein Wort eben die Dienste tut“. Nichts bieten als den reinen Essay! Abhandlungen, Fußnoten und Kommentare, kurz: die ganze gelehrte (und oft genug dumme) Gründlichkeit in der Ich-Form überlisten, das ist der Coup.

Er habe die Nase im Wind, sagte Habermas über HME (Foto von 1991). Sein Gespür für gesellschaftlich brisante Themen hat er nie verloren.

Geld, Sex, Religion und die ubiquitären lästigen Experten zwingen den Autor geradezu, sich sarkastisch über das Kuriositätenkabinett, das unsere Existenz bestimmt, zu äußern und daraus sein Panoptikum der lebenden Wachsfiguren – oft ein Pandämonium – entstehen zu lassen.
Die Einladung geht an alle: "Treten Sie ein, Sie werden es nicht bereuen.“

Am 2. und am 9. Oktober liest Hans Magnus Enzensberger seine Auswahl aus den "Zehn-Minuten-Essays", wie immer um 21.00 Uhr.
Das Buch Enzensbergers Panoptikum. Zwanzig Zehn-Minuten-Essays ist im Suhrkamp Verlag erschienen.

Hans Magnus Enzensberger

1929 in Kaufbeuren geboren, wuchs der Sohn eines Oberpostdirektors in Nürnberg auf. Hans Magnus Enzensberger studierte später Germanistik und Philosophie, war zeitweise Rundfunkredakteur und Lektor. Er lebte in Norwegen und Italien, längere Zeit in Berlin, seit 1979 ist er in München zu Hause.

Hans Magnus Enzensberger hält auf dem Kongress "Notstand der Demokratie" 1966 in Frankfurt am Main eine Ansprache.

1957 erschien sein erster Gedichtband "verteidigung der wölfe". 1963, im Alter von 33 Jahren, erhielt er bereits den Georg-Büchner-Preis. 1968 brach er eine Gastdozentur in den USA aus Protest gegen Außenpolitik der Vereinigten Staaten ab und ging nach Kuba.

Seit über 50 Jahren Publizist und Dichter

Enzensbergers Werk, vor allem als Lyriker und Essayist, hat die deutsche Literatur seit den 60er Jahren mitgeprägt. Daneben stand eine umfangreiche Herausgebertätigkeit. Von 1965 bis 1975 gab er die Zeitschrift "Kursbuch" heraus, von 1980 bis 1982 die Zeitschrift "TransAtlantik" und von 1985 bis 2004 die Reihe "Die Andere Bibliothek". Er schreibt unter anderem unter den Pseudonymen Andreas Thalmayr, Giorgio Pellizzi, Benedikt Pfaff, Elisabeth Ambras und Tevisa Buddensiek. Zuletzt erschien von ihm - alles im Suhrkamp Verlag - die Biografie "Hammerstein oder der Eigensinn" (2008), der Gedichtband "Rebus" (2009), der Essay "Sanftes Monster Brüssel oder Die Entmündigung Europas" ( 2011) und "Enzensbergers Panoptikum" (2012).


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