Lesung mit Hanns Zischler "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten"
Alle Religionen stehen vor der Schlüsselfrage: Wie lässt sich das Unendliche begreifen? Wie können wir dem Göttlichen näherkommen? Neil MacGregor erläutert anhand von zwei Objekten des British Museum, wie die Menschheit Konventionen entwickelte, das Göttliche darzustellen. Es lesen Hanns Zischler, Detlef Kügow, Rahel Comtesse und Nico Holonics.
Die zentralen Darstellungstraditionen von Buddhismus, Christentum und Hinduismus entstanden bemerkenswerterweise allesamt innerhalb weniger Jahrhunderte. Neil MacGregor, der Direktor des British Museum in London und Autor des Werks "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten" erzählt ganz ohne "stiff upper lip" anhand von zwei Ausstellungsobjekten, wie wir Menschen Formen entwickelten, um das Göttliche zu symbolisieren.
Der Aufstieg der Weltreligionen
100 - 600 n. Chr.
Die Bildersprache des Hinduismus kristallisierte sich - wie im Falle des Buddhismus und des Christentums - irgendwann um das Jahr 400 unserer Zeitrechnung heraus und die Formen der Gottheiten lassen sich bis zu Indiens berühmtem Gupta-Reich vor rund 1600 Jahren zurückverfolgen. Die im Britischen Museum ausgestellte Münze von Kumaragupta I führt uns zurück in die Zeit der Gupta-Könige, die die bildlichen Darstellungen der Hindu-Götter, wie wir sie heute kennen, in Auftrag gaben.
Doch zuerst beschreibt Museumsdirektor Neil MacGregor eine beinahe lebensgroße Buddhafigur: den sitzenden Buddha aus Gandhara. Vor 1800 Jahren muss sie für seine Glaubensanhänger recht irritierend gewesen sein, denn bis dahin war der Buddha eigentlich nur mithilfe verschiedener Symbole verbildlicht worden. Der Ausgangspunkt für die Geschichte, warum sich diese Konvention geändert hat, beginnt vor fast 2000 Jahren im heutigen Pakistan.
Sitzender Buddha aus Gandhara
Steintatue, aus Pakistan
100-300 n. Chr.
Seit den 1850er Jahren entdeckte man in Gandhara zahlreiche buddhistische Schreine und Skulpturen. Aus diesen Funden stammt auch die lebensgroße Buddha-Figur, die sich heute im British Museum befindet. Sie ist aus grauem Schiefer, einer Gesteinsart, die Kristallteilchen enthält, so dass der Stein im Licht Glitzereffekte erzeugt. Vermutlich stammt diese Skulptur aus dem 3. Jahrhundert, als Gandhara von den Kuschan-Königen regiert wurde und durch den internationalen Handel mit Luxusgütern zu den prosperierenden Regionen Asiens gehörte.
Der dargestellte Buddha ist wie ein Mönch gekleidet, doch sein Kopf ist nicht kahlgeschoren. Sein Gewand ist schlicht, er trägt auch keinen Schmuck. Seine Finger stehen für die Speichen des Rades. Er setzt das Rad des Gesetzes für seine Anhänger in Bewegung, die in der Lage sein werden, die materiellen Zustände von Unwissenheit, des Leids und der Individualität zu überwinden und in den immateriellen Zustand des "höchsten Glücks" – das Nirwana – einzutreten.
"Ist es mehr als nur ein außergewöhnlicher Zufall, dass Christentum, Hinduismus und Buddhismus im gleichen Augenblick damit begannen, Christus, Hindugötter und den Buddha in menschlicher Gestalt darzustellen?"
(Neil MacGregor)
Goldmünzen von Kumaragupta I.
aus Indien, geprägt 415-450 n. Chr.
Die Münzen des indischen Königs Kumaragupta zeigen verschiedene Aspekte des religiösen Lebens dieses Monarchen, der von 414 bis 455 n. Chr. regierte. Kumaragupta steht in der großen indischen Tradition, die von Ashoka 600 Jahre zuvor gegründet wurde und sich dadurch auszeichnete, dass der Staat unterschiedliche Religionen und Glaubensgemeinschaften tolerierte.
Diese Münzen zeigen, wie wichtig sie für die Verehrung eines Herrschers waren. Denn sie erzählen jedem, der sie in der Hand hält, dass der König die Gunst des Himmels genoss. Sie stehen auch für den Wunsch und die Sehnsucht nach einer persönlichen Verbindung mit dem Göttlichen, die allen – nicht nur dem König – möglich sein soll.
"Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten"
von Neil MacGregor
Lesung von Hanns Zischler, Rahel Comtesse, Nico Holonics und Detlef Kügow
Komposition: Dagmar Petrus und Christoph BrandnerTechnik: Ruth-Maria Ostermann
Regie: Antonio Pellegrino
Produktion: Bayerischer Rundfunk/Der Hörverlag 2012
Das Buch ist im C.H.Beck Verlag erschienen; die von den radioTexten produzierte Lesung ist auf 20 CDs im Hörverlag erschienen.
Im Anschluss: nemo – das literarische Ratespiel
mit dem berühmt-bewährten Rateduo Elisabeth Tworek und Andreas Trojan
Moderation: Antonio Pellegrino
Welche Methoden werden die literarischen Ermittler anwenden, um auf die richtige Spur zu kommen und die gesuchten Autoren beim Namen zu nennen? Bei ihrer Suchaktion werden sie vom Verleger Horst Lauinger unterstützt. Aber nicht nur das Rate-Trio ist gefordert: Ein neues Hörer-Rätsel wartet auf Sie!
Raten Sie mit am Dienstag, 29. Januar um kurz nach 21.00 Uhr auf Bayern 2!

Wetter





