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Interview: Reiseautorin Carmen Rohrbach "Alleine reisen hat einen großen Vorteil"

Ihr Fernweh trieb sie zur Flucht aus der DDR. Seitdem hat die Naturforscherin Carmen Rohrbach die Welt bereist: Mongolei, Jemen und Galapagos - oft ganz allein. Wie sie das geschafft hat, erzählt sie in ihrem Buch “Am Anfang steht das Fernweh”.

Stand: 27.09.2017

Bärbel Wossagk: Sie haben fast alle ihre Reisen alleine bestritten. Wieso?

Carmen Rohrbach: Das war nicht unbedingt die Absicht. Ich wünschte mir eigentlich, mit einem Team zu reisen. Später habe ich dann gemerkt: Alleine reisen hat auch einen großen Vorteil. Man kann alles viel besser empfinden, fühlen und sehen. Die Sinne öffnen sich mehr. Wenn man immer mit einem Mensch zusammmen unterwegs ist, dann bleibt man immer Mensch. Und so hatte ich oft das Gefühl, selbst ein Teil der Natur zu werden.

Carmen Rohrbach

Die promovierte Biologin Carmen Rohrbach ist eine der bekanntesten Reiseschriftstellerinnen der Gegenwart. Geboren und aufgewachsen in Bischofswerda, wurde sie nach einem gescheiterten Fluchtversuch und zweijähriger Haft aus der damaligen DDR ausgewiesen und arbeitete im Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie bei München. Inzwischen hat sie im Zuge ihrer Expeditionen teils allein, teils mit tierischer Begleitung fast die ganze Welt bereist. Hauptantrieb ist für sie die Neugier und die Bereitschaft, Probleme und Hindernisse als Herausforderungen anzusehen.

Gibt es Punkte, wo sie sagen: Das hab ich wirklich nur erlebt, weil  ich als Frau alleine unterwegs war?

Im Jemen war es ein großer Vorteil. da waren Frauen meine Gesprächspartner. Egal wo ich hinkam, habe ich von den Frauen auch Schutz und Schwesterlichkeit erhalten. Die hatten auch gar keine Scheu, mich zu umarmen und beispielsweise mir die Haare zu kämmen. Ich habe natürlich auch die Sprache gelernt in einer Sprachschule. Ohne die Sprache wäre das nicht gegangen.

Wie lange sind sie durch den Jemen gereist?

Ich war ein Jahr in Jemen, um die Sprache zu lernen. Dann hab ich den Umgang mit dem Dromedar lernen müssen. Bei den Beduinen gibt es in einem abgelegenen Gebirgsgebiet Stämme, die noch Dromedare haben. Und mit denen bin ich ein bisschen rumgezogen. Und dann kam die Wanderung mit dem Dromedar vom Norden in den Süden. Insgesamt war ich über ein Jahr unterwegs.

Sie, alleine als Frau unterwegs, weite Strecken ohne Kontakt zu anderen Menschen. Wird man da mal ängstlich?

Ängstlich nicht. Aber die Angst, habe ich gemerkt, ist ein guter Begleiter. Wie ein Freund, der einen warnen kann. Ich bin sicher mutig, aber ich denke zum Mut gehört auch die Angst. Und die Angst lasse ich auch zu. Ich hab mir dann angewöhnt, so ein bisschen mit ihr zu reden: "Willst du mir jetzt bloß einen Schreck einjagen oder meinst du es wirklich ernst?" Und dann verschwindet die Angst plötzlich oder sie wird noch größer. Und das kann ich dann wirklich sehr gut benutzen, um mich zu schützen. Mir ist auch noch nie etwas wirklich Schlimmes passiert, weil ich gelernt habe, gut auf meine innere Stimme zu hören.

Hat Ihre innere Stimme Sie auch mal zu spät gewarnt?

Ich muss leider sagen: Die größte Gefahr geht von uns Menschen aus. Tiere können auch  gefährlich sein. In Namibia bin ich einmal sehr nah an eine schwarze Mamba geraten. Die hat zufällig da ihre Eier abgelegt, wo ich gerade Rast gemacht und gegessen habe. Aber vor Tieren, weil ich sie einschätzen kann, habe ich keine Angst. Nur Respekt.

Die Beiträge der Sendung

  • Yellowstone Nationalpark. Unter Wölfen und Wolfsnarren. Von Anja Scheifinger
  • Carmen Rohrbach im Gespräch. Naturforscherin mit großem Fernweh. Von Bärbel Wossagk
  • Ein Tag unterwegs mit Fischern. Neues Angebot für Mallorca-Besuchern. Von Brigitte Kramer

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Moderation: Bärbel Wossagk


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