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Leben mit den Elementen Nordlicht überm Fjord

Das Polarlicht ist ein Mysterium am Firmament, ein grandioses kosmisches Feuerwerk. Wer immer es erblickt, hält den Atem an. Es durchblitzt eine Region, deren Welt drei Monate lang nur aus Kälte und Nacht besteht und doch keineswegs düster ist.

Von: Franz Lerchenmüller Stand: 18.01.2013
Polarlicht | Bild: picture-alliance/dpa

In der Finnmark, am Rande des norwegischen Eismeeres, ist das Leben schroff und von den Extremen bestimmt. Drei Monate lang besteht die Welt nur aus Kälte und Nacht – was der Lebensfreude der Menschen keinen Abbruch tut. Franz Lerchenmüller hat einige von ihnen kennengelernt.

Hochsaison der Schlittenhunde

Während es in den Dörfern rund ums Nordkap in den Wintermonaten beschaulich ruhig zugeht, ist in Karasjok, 250 Kilometer südlich ganz schön was los. Für die Hunde von Sven Engholm ist jetzt Hochsaison. In eisiger Kälte und Schneegestöber fühlen sie sich am wohlsten. Zwischen Büschen hindurch und Abhänge hinunter brettert Engholm mit seinem Gespann. Über den gefrorenen Fluss und durch den körnigen Schnee jagen die zwölf Hunde mit ihrem Schlittenführer.

Der Finnmarkslopet, das nördlichste Hundeschlittenrennen der Welt.

Elf Mal hat Sven Engholm den Finnmarkslopet gewonnen, das nördlichste Hundeschlittenrennen der Welt. Es führt 1.000 Kilometer von Alta nach Kirkenes und zurück. Engholm ist mittlerweile Mitte fünfzig und fährt nicht mehr selbst. Doch seine Leidenschaft für die Hunde und das Schlittenrennen ist nicht vergangen. Heute trainiert er die Hunde für andere Musher, wie die Hundeführer heißen.

"Es hat viel mit Teamwork zu tun. Du hast die Hunde aufgezogen, du trai­nierst sie - und du baust eine starke Beziehung  zu ihnen auf. Bei einem Rennen testest du die Qualität dieser Beziehung. Wie weit vertrauen Dir die Tiere? Wie gut bist du als Führer? Die Hunde spüren genau: `Aha, der denkt an uns. Der kümmert sich um uns. Der macht eine Pause, wenn es  Zeit ist. Er gibt uns genügend ordentliches Futter. Wenn es so ist, sind wir glücklich. Und behalten unsere Lust am Laufen.` Wenn diese Art von Beziehung zwi­schen Hunden und Führer erst mal besteht, gibt es nur wenig, was man damit vergleichen könnte - so stark ist sie."

Sven Engholm

Wer sich in der Gegend des Nordkaps niederlässt, der muss die Rauhheit der Natur und die Einsamkeit lieben. Vor allem Menschen, die aus südlicheren Regionen Europas kommen, müssen sich erst an die Dunkelheit der Wintermonate gewöhnen.

Zuhause in zwei Kulturen: die Samen

Die Samen haben damit keine Probleme. Das Nomadenvolk siedelt in ganz Skandinavien und ist seit jeher mit den Lebensbedingungen in eisiger Kälte vertraut. Die früher auch als "Lappen" bezeichneten Menschen lebten in Zelten und legten mit ihren Rentieren große Entfernungen zurück. Doch heute wohnen die meisten Samen während des Winters in Wohnungen mit Zentralheizung, Mikrowelle und Internetanschluss.

"Natürlich wohne ich in einem normalen Haus. Aber wenn wir im Sommer mit den Rentieren herumziehen, leben wir in einem traditionellen Lavu, einem Samenzelt. Es gibt keine Toilette, keine Dusche, kein Internet und kein Fern­sehen. Wenn wir dann so drei oder vier Wochen mit der Herde unterwegs sind, fehlt mir das alles schon sehr - vor allem die Dusche."

Anna Louise aus Karasjok

Lange unterdrücktes Volk

Samin in traditioneller Tracht

Wer an Skandinavien denkt, verbindet es vielfach auch mit dem Volk der Samen. Das Siedlungsgebiet der Samen wird oft vereinfachend mit Lappland gleichgesetzt, geht aber über die Gebiete der gleichnamigen Provinzen Lappland in Schweden und Lapin Lääni in Finnland weit hinaus. Samen gibt es in Norwegen, Schweden, Finnland, Russland und der Ukraine. Doch die Ureinwohner waren von den Regierungen Norwegens, Finnlands und Schwedens lange Zeit nicht gern gesehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden ihre Jagdrechte mehr und mehr eingeschränkt und in ihre Lebensweise wurde eingegriffen. Erst in den 1960er Jahren wurde das Recht der Samen, ihre eigene Kultur aufrechtzuerhalten, von der norwegischen Regierung offiziell anerkannt. An den Schulen wurde die lange verbotene samische Sprache Unterrichtssprache und es wurden Einrichtungen geschaffen, wie das samische Museum in Karasjok.

Es gibt immer wieder Spannungen zwischen Samen und Norwegern, sagt die 21-jährige Anna Louise. Für sie ist die samische Identität nicht nur eine politische Frage. Sie hat Konsequenzen bis in den privaten Bereich. Für Anna Louise ist klar, dass sie nur einen Mann heiraten wird, der ihre Kultur versteht: einen Samen eben, der auch die samische Sprache beherrscht.
Anna Louisa ist eine moderne Frau, die dennoch fest in einer alten Kultur verankert ist - ein Spagat, der für viele Samen nicht einfach auszuhalten ist.

Die Samen glaubten vor der Christianisierung an viele Götter und Naturgeister. Ganz verloren hat sich der heidnische Glaube nicht. Unterstützt wurde und wird der alte Glaube durch die faszinierenden Naturschauspiele, die die dortige Natur zu bieten hat. Wenn plötzlich über der schwarzen Silhouette des Waldes ein neongrüner Streifen auftaucht, dann kann einem schon bange werden. Ein Nordlicht am Winterhimmel, das ließ die Menschen im Norden früher an nichts Gutes denken. Walküren wurden hinter dem geheimnisvollen Licht vermutet, tote Menschen, die mit den Lebenden in Kontakt treten wollten.
Das Nordlicht wurde aber auch Wetterlicht genannt, denn man glaubte, man könne, je nach Form und Farbe des Nordlichts, das Wetter vorhersagen.


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