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Märchenpaläste in Indien Zu Gast bei Maharadschas

Was tun, wenn man einen Palast mit 300 Zimmern erbt? In Rajasthan verwandeln viele Adelige ihre Familiensitze in Hotels. Wir stellen drei Palasthotels vor, deren Besitzer sie auf unterschiedliche Weise mit Leben füllen.

Von: Christiane Zwick

Stand: 04.10.2017

Fort Pokaran

Wasser in der Wüste, eine bunte Siedlung mit Burgberg. Ein Mann im wehenden Beinkleid zieht den vollen Eimer aus seiner Zisterne. Gegenüber fegt eine Frau mit einem Reisigbesen die Türschwelle. Der Wind bläht ihren roten Schleier und trägt Staub und Sand gleich wieder zurück vor ihr Häuschen. Es steht im Schatten einer mächtigen Festung: Fort Pokaran. Auf Mauern aus rotem Sandstein sitzen Pavillons mit Lotuskuppeln, zierliche Säulen tragen Rundbögen, schon von außen wirkt das Bauwerk verschachtelt und reich verziert.

Wie die meisten indischen Paläste ist auch dieser inzwischen ein Luxushotel. Die Räume sind luftig aber nicht riesig, dafür sind Tische und Sessel edel restauriert, auf den Betten liegen bunte Seidendecken, an der Decke tanzen die Lichtreflexionen des gerade instand gesetzten Swimmingpools. Die Kosten für den Unterhalt des Forts seien hoch, sagt Besitzer Param Vijay, doch es sei ein Erbe, das man nicht ausschlägt. Der Prinz ist 32 Jahre alt und hat in Mumbai Geschichte studiert, bevor er das Hotel übernahm.

Der Palast von Chandelao

Unser nächstes Ziel ist der Palast von Chandelao. Hier residiert die Familie von Pradhuman Singh. Die Steinmetzarbeiten lassen die helle Fassade des Haupthauses wie aufs Feinste geschnitzt aussehen, lauter Blüten, Blätter und gewundene Ornamente. Ein beeindruckendes Beispiel nordindischer Handwerkskunst. Darüber hinaus blieb Pradhuman allerdings nicht viel vom Reichtum und dem Mobiliar des Urgroßvaters.

Nun übernachten Hotelgäste für umgerechnet 35 bis 55 Euro die Nacht in den verblichenen Zeugnissen einer luxuriösen Vergangenheit eingerichteten Zimmern. Gärten und Gebäude werden von einer hohen, Zinnen bewehrten Mauer umschlossen. Palasterbe Pradhuman Singh arbeitete in Assam auf einer Teeplantage, bis er sich entschied sich im Familienpalast ein kleines Hotel zu eröffnen. Er verspricht, dass man hier noch das "echte Indien" erleben und in das traditionelle Dorfleben eintauchen kann.

Dem Dorf, das die Herren von Chandelao über Jahrhunderte ernährt hat, will er etwas zurückgeben. Er hat eine NGO gegründet, die Arbeitsplätze im Kunsthandwerk bietet. In der Nähstube sitzen Frauen an Taschen und Kissenhüllen aus Seide. Pradhuman will dazu beitragen, dass sich auch auf dem Land die Verhältnisse langsam verändern. "Ich musste Wege finden, den Menschen ein Auskommen zu verschaffen", erzählt der Palasterbe. Das Land, das der Familie einst gehört habe sei weg, "trotzdem verlangen die Menschen im Dorf, dass ich ihnen in der Not beistehe und Lösungen für ihre Probleme finde". Tatsächlich bringen die paar Felder, die der Familie geblieben sind, wenig ein. Steuern erhebt heutzutage nur noch der Staat.  Das Einkommen muss aus dem Fremdenverkehr kommen. Der Palast trägt sich gerade so.

Fort Khejarla

Unsere letzte Station ist das Fort von Khejarla. Auch diese 400 Jahre alte Festung ist ein wunderschönes Beispiel für die verspielte Sandsteinarchitektur der Rajputen und heute ein Luxushotel. Im Hof des Forts wurde ein nierenförmiger Pool angelegt, darüber erheben sich die sechs stolzen Türme der Anlage. Palasterbe Dalip Singh legt seine Rolle als Thakur, so lautete der Titel der örtlichen Adeligen und Vasallen des Maharadschas, ganz traditionell aus. "Die Menschen im Dorf sind wie unsere Kinder", erzählt er, "und sie behandeln uns wie ihre Eltern". Er fühle sich geehrt zur königlichen Familie zu gehören.

Wie Param Vijay und Pradhuman ist auch Dalip Singh ein Nachkomme von Kriegerfürsten. Alle drei Palasterben tragen den Beinamen Singh, doch verwandt sind sie nicht. Singh heißt „Löwe“ und zeigt die Zugehörigkeit zum Stamm der Rajputen an. Die Drei haben aber noch mehr gemeinsam: Ihre Vorfahren kämpften alle für den Maharadscha von Jodhpur im Königreich Marwar. Ihm verdankten die Familien das Land, das sie als Lehen erhielten und auf dem sie ihre Paläste errichteten. Sie alle versuchen, dieses bauliche Erbe für künftige Generationen zu bewahren, indem sie es für Gäste öffnen. Egal ob als Luxushotel oder als einfachere Herberge mit Anschluss ans Dorfleben - nur so, scheint es, können die Nachfahren der Fürsten ihre Paläste heute noch mit Leben füllen.

Die Beiträge der Sendung:

  • Märchenpaläste in Indien - Zu Gast bei Maharadschas. Von Christiane Zwick
  • Hotel Acropole im Sudan - Ein Hotel wie aus einer anderen Zeit. Von Klaus Uhrig
  • Das erste Boutique-Hotel im Kosovo - Ein Hotel, das Hoffnung macht. Von Christoph Kersting

Die Songs der Sendung:

  • Paban Das Baul & Sam Mills - Dil Ki Doya
  • Rasha - Azara Al Hay

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Moderation: Bärbel Wossagk


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