Bayern 2 - radioReisen


20

Wandern nach Anleitung im Tal der Dordogne Schnitzeljagd mit Mama

Eine neue Art von Wanderreise verspricht individuelles Gehen nach Anleitung, aber ohne schweres Gepäck und ohne Reisegruppe. radioReisen-Redakteur Till Ottlitz hat es ausprobiert - und zwar zusammen mit seiner Mutter im Süden Frankreichs.

Von: Till Ottlitz

Stand: 03.08.2017

Wer eine Wanderreise plant, der steht fast immer vor schwierigen Entscheidungen: Gruppenreise oder individuell? Schweren Rucksack schleppen oder doch ein Auto brauchen? Jede Alternative hat ihre Nachteile. Wer in der Gruppe wandert, der muss weniger organisieren - aber was, wenn nach zwei Tagen die Mitwanderer nerven?

Also suche ich im Internet nach Alternativen und stoße auf eine etwas andere Art der Wanderreise: “Selbst-geführte, Hotel-zu-Hotel-Wanderungen mit Gepäcktransport”, so beschreibt der Reiseveranstalter Inntravel aus Großbritannien sein Konzept (ähnliche Anbieter gibt es auch in Deutschland). Mir gefällt die Aussicht eine längere Strecke zu wandern, ohne viel zu tragen und ohne alles selbst zu organisieren. Also buche ich kurzerhand eine Woche Wandern im Tal der Dordogne in Südfrankreich. Mit dabei: meine Mutter. Wir sind gespannt, wie uns das Konzept gefällt.

Die Wegbeschreibung auf Englisch: Muss man mögen

Ein paar Wochen vor der Reise bekommen wir eine dicke Mappe zugeschickt. Darin finden wir Informationen zur Anreise, den vorgebuchten Hotels und den Sehenswürdigkeiten unterwegs - aber vor allem eine Wanderkarte und die Wegbeschreibungen auf Englisch. Gleich bei unserer ersten Wanderung merken wir: Die Anleitung ist so detailliert, dass man sich fast nicht verlaufen kann. Aber man muss sie auch genau lesen und sich an einige merkwürdige Abkürzungen gewöhnen. “SA” steht für straight ahead oder geradeaus, “XJ” für cross junction also Kreuzung. Das ist erstmal gewöhnungsbedürftig und sicher nicht jedermanns Sache, aber mit Schulenglisch durchaus machbar. Schon bald überkommt uns eine kindliche Freude, wenn wir genau den richtigen Weg finden - wie bei einer Schnitzeljagd. In der ganzen Woche verlaufen wir uns nur einmal.

Die Wanderwege: Gut ausgesucht und oft einsam

Was wir auch gleich am ersten Tag merken: Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, die schönste Wanderroute zu finden. Oft führt uns die Beschreibung über kleine Umwege, damit wir nicht auf der Straße laufen müssen. Dafür werden wir mit einsamen Pfaden belohnt, die oft auf alten Feld- und Jagdwegen verlaufen - entlang bröckelnder Steinmauern und unter hoch aufragenden Kalkfelsen. Zugegeben, wir sind in der Nachsaison unterwegs, noch dazu in einem sehr ländlichen Teil Frankreichs. Trotzdem sind wir erstaunt, dass wir tagelang keinen anderen Wanderer auf dem Weg treffen. Dabei ist die Landschaft wunderschön: Alte Burgen thronen auf Felsen überm Fluss, die mittelalterlichen Dörfer sind liebevoll renoviert, unsere Wegbeschreibung führt uns immer wieder zu alten Taubentürmen und Wassermühlen.

Abseits der Wege: Grotten, Dörfer, Wallfahrtsorte

Regentage trüben den Spaß an jeder Wanderreise. Aber gerade im sehr ländlichen Dordogne-Tal gibt es auch wenig Alternativen, wenn es mal regnet. Die Dörfer sind klein, es gibt keine Museen oder auch nur ein Café. Unsere Wanderroute ist arm an wirklichen Sehenswürdigkeiten - dafür lohnen sich die wenigen, die es gibt. An unserem einzigen Regentag gehen wir unter Tage, in die Grotten von La Cave - ein faszinierendes unterirdisches Reich von riesigen Hallen, Wasserläufen und Kalkformationen.

Der Höhepunkt kommt aber ganz am Schluss der Reise: Der hängende Wallfahrtsort von Rocamadour, der mitten in eine Felsschlucht hineingebaut ist. Rocamadour war im Mittelalter einer der wichtigsten Pilgerorte Frankreichs und zieht noch heute Scharen von Besuchern an. Kein Wunder, hier kann man sich fühlen wie in Fantasy-Epen wie Der Herr der Ringe oder Game of Thrones.

Fazit: Leichtes Wandern mit Kultur und Kulinarik

Diese Art der Wanderreise eignet sich vor allem für Menschen, die ein wenig Sport mit Sightseeing und gutem Essen verbinden wollen. Wer gerne Höhenmeter zählt oder auf Gipfelerlebnisse aus ist, der wird hier enttäuscht. Auf der anderen Seite kann man sich wirklich ganz auf das Naturlebnis konzentrieren, denn der Reiseanbieter nimmt einem viel ab - nicht zuletzt das Gepäck. Jeden Morgen stellen wir unsere Koffer an der Rezeption ab und finden sie am Abend im nächsten Hotel wieder. Außerdem sind ein Lunchpaket und das Abendessen im Reisepreis inbegriffen. Die deftige, regionale Küche ist ein weiteres Highlight dieser Reise.

Alle Beiträge der Sendung

  • Charakterköpfe am Kanal - Die Schleusen-Wärter vom Canal du Midi. Von Sandra Weber
  • Wandern nach Anleitung im Tal der Dordogne - Schnitzeljagd mit Mama. Von Till Ottlitz
  • Besuch beim Käsebauern - Der glücklichste Aussteiger der Auvergne. Von Jörg Armbruster

Die Songs der Sendung

  • Claude Nougaro - O, Toulouse
  • Soha - C'est bien meiux comme ca


Die ganze Sendung ist im Download-Center abrufbar.

Moderation: Bärbel Wossagk


20