Bayern 2 - radioMitschnitt

Calexico Heimspiel

Ihre Mischung aus amerikanischem Rock und Mariachimusik ist einzigartig. Im vergangenen Herbst waren Calexico mal wieder auf Deutschland-Tournee, wo sie besonders treue Fans haben. Speziell zu München haben sie eine besondere Verbindung.

Von: Judith Schnaubelt Stand: 13.12.2012
Calexico | Bild: picture-alliance/dpa

01 Januar

Dienstag, 01. Januar 2013, 15:05 Uhr

radioMitschnitt:

Calexico

Die Trompetenfanfare zum Auftakt von "Across the wire" konnte den sofort einsetzenden Jubel des Publikums in der ausverkauften Muffathalle kaum übertönen. Dann ließ Frontman Joey Burns ein "Yeeha" los, nach dem Motto: "Cowboys, was schert uns die Wüste, sattelt die Pferde! Hoch die Trompeten, Mariachi! Zieh' das Akkordeon auf, Amigo! Packt Kontrabass, Orgel, Trommel,  Vibraphon aus, Muchachos! Gitarren, spielt, was das Zeug hält! Arriba, andale, auf Richtung Zukunft!"

Calexicos Erfolgsgeschichte hat 1996 in München begonnen. Es war Wolfgang Petters vom Landsberger Hausmusik-Label, der Gitarrist Joey Burns und Drummer John Convertino, damals Bandmitglieder von Giant Sand, die Chance gab, ein erstes eigenes Album zu veröffentlichen. Name: "Spoke", Auflage: 1000 Stück. Rare Sammlerobjekte heute, diese Schallplatten. 1997 kam das "Spoke"-Album dann in den USA als CD heraus und die Band nannte sich jetzt: Calexico.

Beim Konzert im November spielten Burns und Convertino im Duett als Zugabe sogar einen alten Song aus ihrem ersten Album namens "Spoke". Schöne Reminiszenz an die Anfänge in München. 

"Ja, es fühlt sich hier wie ein zweites Zuhause an. Ich bin heute schon zum Weihnachtsmarkt am Rathaus spaziert, es begann zu schneien, das war richtig gemütlich. Ich bin immer gerne in Bayern."

Joey Burns im Interview mit Bayern 2

Dann greift Joey zu seiner alten, durchlöcherten Gitarre, stimmt das Weihnachtslied "Green Grows The Holly" an und singt anschließend noch "Fortune Teller", ein Song aus dem neuen Calexico-Album "Algiers".

Die Singer-Songwriterin Pieta Brown aus Iowa City, Tochter des berühmten Folksängers Greg Brown, hat die Lyrics zu "Fortune Teller" geschrieben.

"In diesem Song geht es um einen Freund von Pieta, der mit Sucht und Abhängigkeit kämpfte. Der es schwer hatte, einen Weg aus diesem Teufelkreis zu finden. Ich selbst würde nie so direkte Zeilen schreiben, aber es ist ein wunderbarer Song."

Joey Burns im Interview mit Bayern 2

Die Metaphern in den Lyrics, die Joey Burns selbst verfasst, sind nicht immer leicht zu entschlüsseln. Oft aber beschreiben sie Grenzen, die für Manchen schwer überwindbar sind. Wie die Grenze zwischen Mexiko und den USA, um die es in "Across the wire" geht. Oder die "Mauer mitten im Ozean", die im Song "Sinner in the Sea" auftaucht. Hier verdichtet Burns poetisch einiges vom dem, was sich im Spannungsfeld Kuba /USA so abspielt, von Flüchtlingsdramen auf hoher See bis zum Gefangenenlager von Guantanamo. 

"Ich bin ganz generell von diesen Geschichten, die sich an Grenzen abspielen, fasziniert. Man muss nur durch die Welt reisen, um all diese Mauern, die Hindernisse, die Grenzen wahrzunehmen."

Joey Burns im Interview mit Bayern 2

Und klar haben Calexico eine Vision: Eine Welt ohne Grenzen, wo sich alle vorurteilsfrei begegnen und austauschen können; eine Welt, in der es gerechter zugeht. Diese Vision ist nicht nur in Joey Burns Lyrics erkennbar, Calexico reißen auch musikalisch konsequent Mauern ein. Genres interessieren sie nicht, sie komponieren komplexe Texturen aus Pop-, Rock- und Weltmusik. Und immer bauen sie Brücken, schaffen Verbindungen, bevorzugt nach Latein- und Südamerika.

Aus diesem Grund hat die Band ihr neues Album "Algiers" auch teilweise in New Orleans aufgenommen. "Algiers" heißt übrigens das Viertel, in dem sich das Studio befindet. New Orleans ist für Joey Burns "der wichtigste Hafen in den USA, der die Historie und die Kultur der nord- und südamerikanischen Hemisphäre verbindet."

Calexico setzten diese Traditionslinien wieder mal musikalisch in Szene. Mit großer Leidenschaft, wie im Bayern 2 radioMitschnitt zu hören sein wird.

Setlist
Nr.Titel
1.Across the Wire
2.Splitter
3.Roka (danza de la muerte)
4.Dead Moon
5.Para
6.Sinner in the Sea
7.Fortune Teller
8.Crystal Frontier
9.Spokes
10.The Vanishing Mind
11.Algiers
12.Main Title Theme (Billy)

Besetzung

Joey Burns: Vocals, Guitar
John Convertino: Drums, Percussion
Jairo Zavala: Guitar, Lap Steel Guitar, Vocals
Jacob Valenzuela: Trumpet, Vibes, Keyboard, Vocals
Martin Wenk: Accordion, Guitar, Synthesizers, Trumpet, Vibes, Flugelhorn, Backing Vocals
Ryan Alfred: E-Bass, Double Bass, Backing Vocals
Sergio Mendoza: Keyboard, Guitar

Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks 2012

Ton & Technik: Stefan Briegel, Klaus Mau, Robert Hassler


8