Wegbeschreibungen Wie aus Träumen Ziele werden
Was verbindet einen Marathonläufer mit einem Schriftsteller? Beide müssen ihre Projekte lange im Voraus planen, wenn sie Erfolg haben wollen. Ihre Methoden, zum Ziel zu kommen, ähneln sich auf verblüffende Weise.
Wir alle haben unsere Strategien, um Ziele zu erreichen. Manche haben wir aus unseren Erfahrungen heraus entwickelt, aus dem Erleben von Erfolg oder Scheitern. Andere haben uns Trainer oder Coaches beigebracht. Die Mühsal des Weges aber bleibt keinem erspart. Oft ist Durchhaltevermögen gefragt, Psychologen sprechen dann von Selbstmotivation oder gar Selbstmobilisierung. Ein Projekt kann glücken, wenn man es wirklich will. Dann kommt der Stolz, etwas geschafft zu haben - sei es nun das Buch oder der Marathon. Es kann aber auch einfach die aufgeräumte Wohnung sein oder das Gesünder-leben-wollen.
Doch Erfolg ist kein Dauerbrenner. Wie beim armen Sisyphos gilt: Der Stein muss ständig wieder nach oben gerollt werden. So ist das Leben. Zum Glück, denn das Schlaraffenland hat noch keinen selig gemacht. Jeder hat innige Wünsche, Visionen für die Zukunft. Besonders in Krisenzeiten oder zur Jahreswende machen Menschen einen Plan – der dann womöglich bei der ersten Schwierigkeit wieder verworfen wird.
Mit Strategie zum Ziel - ein paar Tipps:
Erfolg
Man nehme ...
Erfolg hat, wer ein für ihn persönlich erstrebenswertes Ziel erreicht, sagt der Kommunikationswissenschaftler Gerhard Huhn. Laut ihm hängt das Gelingen vor allem von drei Dingen ab: dem richtigen Umgang mit Energie und Informationen und dem effektiven Umgang mit der Zeit.
Warum?
Warum wollen Sie das eigentlich?
"Es ist ganz wichtig zu wissen, ist das, was ich mir wünsche oder was ich als Ziel habe, mein Ziel oder ist es das Ziel der Eltern oder Menschen, um mich herum. Die Eltern haben einen magischen Einfluss auf unser Leben und auf unsere Zielformulierung, einen noch größeren auf unsere Visionen. Der erste Schritt ist, reinzuschauen in meine eigenen Anlagen, in meine Begabungen und in meine Fähigkeiten." Visions-Coach Hans Kreis
Benennen
Konkretisieren Sie Ihre Ziele!
Um Ziele erfolgreich anzugehen, muss man sie genau benennen. Aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass viele Vorhaben durch zu vage Zielformulierungen und -strategien zum Scheitern verurteilt sind.
Fixieren
Machen Sie ihre Ziele fix!
Zielsetzungen haben dann Aussicht auf Erfolg, wenn man sie fixiert. Hilfreich ist es zum Beispiel, sich einen Zeitplan zu machen für die Vorbereitung und den Start des Projektes. Sind Fragen nach dem Wann, Wie und Warum geklärt, werden im Gehirn Verbindungen geknüpft, die helfen, 'am Ball zu bleiben'. Denn Orts- und Zeitangaben funktionieren als sogenannte Trigger, die dafür sorgen, dass der Plan im Alltag nicht untergeht. Wichtig dabei: Man muss lernen, die Zeit, die man für bestimmte Ziele benötigt, realistisch einzuschätzen. Oft unterschätzt man den Aufwand dafür, sagt der Autor, Trainer und Coach Reinhard Schall.
Priorisieren
Setzen Sie Prioritäten!
Hunderte E-Mails im Postfach, der Anrufbeantworter ist voller Anfragen und der Terminkalender platzt aus allen Nähten. Damit man trotz alledem wichtige Ziele nicht aus den Augen verliert, raten Gerhard Huhn und Hendrik Backer in ihrem Buch "Selbstmotivation" dazu, Prioritäten zu setzen. Dazu sollte man jeden Tag eine Liste mit den anstehenden Aufgaben schreiben und zwar angefangen mit dem Dringendsten. Diesem Punkt widmet man sich dann zuerst – solange bis die Aufgabe erledigt ist. Dann kommt die zweite Aufgabe dran und so weiter. Keine Sorge, wenn am Abend nicht alle Punkte abgehakt sind: Sie landen auf der Liste für den nächsten Tag.
Perfektionismus
Seien Sie nicht zu perfektionistisch!
Viele Menschen neigen dazu, alles perfekt angehen zu wollen. Wer aber die Messlatte zu hoch ansetzt, blockiert das Erreichen seiner Ziele, sagt der Visions-Coach Hans Kreis. Man müsse lernen, diesen Perfektionismus loszulassen: "Der Perfektionszwang ist ein Minderwertigkeitsgefühl, das bedeutet nichts anderes, ich muss beweisen, dass ich perfekt bin, sonst bin ich nichts wert. Bin ich nicht im Innersten gerade auch deswegen wertvoll, weil ich nicht perfekt bin? Ich bin ein Gärtnerssohn. Ein Gärtnerssohn lernt von früh an, dass er den Garten nicht perfekt halten kann. Er hat ihn vielleicht perfekt, und dann kommt ein Sturm und er ist wieder so wie vorher. Deswegen ist er trotzdem ein guter Gärtner."
Durchhalten
Geben Sie nicht auf!
Zum Pläneschmieden gehört auch das Scheitern in allen Phasen des Weges zum Ziel. "That's life...and try it again", das ist eine Botschaft, die Woody Allen immer wieder in seinen Filmen durchschimmern lässt. Wir dürfen also auch, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft, unsere Träume und Ziele nicht aufgeben. Wie Sisyphos sollten wir sie immer wieder von Neuem angehen.
Für den Erfolg eines Zieles spielt die Motivation eine bedeutende Rolle. Eine intrinsische Motivation, also die Motivation aus sich selbst heraus, ist erfolgversprechender als eine extrinsische. Wer also der Sache wegen und aus eigenem Antrieb heraus etwas tut, kommt eher ans Ziel als jemand, der nur durch das Lob anderer und Geld motiviert ist. Dem japanischen Schriftsteller und Buchautoren Haruki Murakami hat es noch nie etwas bedeutet, im Wettkampf mit anderen zu gewinnen. Umso wichtiger ist es für ihn, seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen:
Buchtipp
Haruki Murakami in seinem Buch 'Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede':
"Der Langstreckenlauf ist die ideale Sportart für mich. Das Gleiche kann ich über meine Arbeit sagen. Im Beruf des Schriftstellers gibt es - zumindest, was mich betrifft - weder Sieg noch Niederlage. Verkaufszahlen, Literaturpreise oder Kritikerlob sind vielleicht äußere Zeichen des schriftstellerischen Erfolges, aber nichts davon zählt. Entscheidend ist nur, ob das Geschriebene das Ziel erreicht, das man sich als Autor gesetzt hat."

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