Bayern 2 - radioFeature


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Sterben nach Plan Notizen einer letzten Reise

Sie sind alt, aber nicht todkrank. Sie wollen gemeinsam sterben und kennen den genauen Ablauf der Sterbebegleitung. Jetzt fehlt nur noch jemand, der nach dem Tod ihre Leichen identifiziert. Weil Tochter und Pfarrer zögern, Freunde und Nachbarn nichts davon wissen sollen, fragen sie die Autorin.

Stand: 23.10.2017

Älteres Ehepaar auf einer Bank | Bild: picture-alliance/dpa

"Going to Switzerland" hat sich in Großbritannien als Euphemismus für begleiteten Suizid eingebürgert, auch viele Deutsche reisen zum Sterben in die Schweiz. Wie aber organisiert man den eigenen Tod? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um überhaupt selbstbestimmt sterben zu dürfen? Warum darf man das nicht in einem Wohngebiet tun und warum ermittelt die Polizei? Was bedeutet der Suizid für die Familie? Das Feature erzählt von einem alten Paar, das zwar den Zeitpunkt des eigenen Tods selbst bestimmen will, sich aber letztlich doch in fremde Hände begibt. Teilweise kommt es zu grotesken Momenten.

Die rechtliche Situation in Deutschland

Aktive und passive Sterbehilfe

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten und steht nicht zur Diskussion. Bei der aktiven Sterbehilfe gibt eine außenstehende Person dem Patienten ein tödliches Medikament. Passive Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt und soll es auch bleiben. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet passive Sterbehilfe: Man lässt der Natur ihren Lauf und den Patienten ohne weitere Behandlung sterben. Lebensverlängerende Maschinen werden abgestellt, Medikamente nicht weiter verabreicht.

Indirekte Sterbehilfe

Indirekte Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt und wird auch praktiziert. Gemeint ist damit, dass lebensverkürzende Medikamente zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, dass also ein Arzt eine höhere Dosis Morphium spritzt, auch wenn dadurch das Leben eines Schwerkranken um ein paar Stunden oder Tage verkürzt wird. Der Patient stirbt also letztlich an den Nebenwirkungen der starken Medikamente.

Beihilfe zum Suizid oder assistierter Suizid

Beihilfe zur Selbsttötung ist in Deutschland bisher nicht verboten, da auch Suizid nicht verboten ist und somit die Beihilfe zum Suizid nicht verboten werden kann. Ein Arzt in Deutschland kann jedoch seine Zulassung verlieren, wenn er Beihilfe zum Suizid leistet, weil ihm dies standesrechtlich verboten ist. Beim assistierten Suizid wird das tödliche Medikament dem Patienten nicht durch die Hand eines Dritten injiziert oder eingeflößt, sondern lediglich zur Verfügung gestellt. Der Sterbewillige nimmt die Dosis selbst ein.

Kommerzielle Sterbehilfe

Die Diskussion in Deutschland dreht sich auch um die Frage, wie verhindert werden kann, dass Dritte aus dem Sterbewunsch unheilbar Kranker Profit schlagen. Die meisten Experten sind sich einig, dass kommerzielle Sterbehilfe verboten werden sollte. Viele Politiker, Geistliche und Ärzte wollen auch jegliche andere Form der organisierten Sterbehilfe untersagen. So wollen sie verhindern, dass kommerzielle Organisationen als Vereine getarnt weiterarbeiten.

Hospize - eine Alternative zur Sterbehilfe?

Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen, die der Versorgung und Begleitung bedürfen, erhalten bei der Hospiz- und Palliativarbeit Unterstützung durch Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorger, Sozialarbeiter und Ehrenamtliche. Schmerzen und Symptome schwerster lebensbeendender Erkrankungen werden durch palliativärztliche und palliativpflegerische Versorgung gelindert und Betroffene und Angehörige psychologisch begleitet. Die Hospizbewegung betrachtet das menschliche Leben von seinem Beginn bis zu seinem Tod als ein Ganzes. Diese lebensbejahende Grundidee schließt Tötung auf Verlangen und Beihilfe zur Selbsttötung aus.

Sterben nach Plan. Protokoll einer letzten Reise

Von Stefanie Müller-Frank

Regie: Matthias Kapohl
Redaktion: Karin Beindorff
Ton und Technik: Ernst Hartmann und Jens Müller
Produktion: DLF/WDR 2017

Hier können Sie das Manuskript zur Sendung herunterladen:

Sterben nach Plan Format: PDF Größe: 192,12 KB


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