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Holodomor Über den Hunger des Jahres 1933

In den Jahren 1932 und 1933 starben in der Ukraine und anderen sowjetischen Regionen Millionen von Menschen den Hungertod. Der Holodomor, der "Hungersmord", war eines der schändlichsten Kapitel des Stalinismus.

Autor: Franziska Dorau Stand: 01.02.2012
Holodomor | Bild: picture-alliance/dpa

1932 und 1933 – zwei schwarze Jahre in der Geschichte der Ukraine, die Jahre des Holodomor, wörtlich übersetzt "Hungersmord". Die Einschätzungen der Historiker zu den Opferzahlen gehen auseinander, sicher ist: Die große Hungersnot kostete damals mehrere Millionen Menschen das Leben, ein Großteil von ihnen ausgerechnet in der Ukraine, die wegen ihrer fruchtbaren Lößböden den Beinamen "Kornkammer Russlands" trug.

Millionen Hungertote in der "Kornkammer Russlands"

Bis heute werden auf ukrainischem Gebiet Massengräber gefunden, in denen die Verhungerten damals größtenteils bestattet wurden. Wo diese Massengräber liegen, das weiß nach Jahrzehnten kaum noch jemand. Bei Bauarbeiten beispielsweise machen Arbeiter oft grausigen Zufallsfunde.

Grund für die Hungersnot war die von Stalin angeordnete Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft. Die Beschlagnahmung von Ernten und Vieh sollte die Bauern ihrer Lebensgrundlage berauben und sie zum Eintritt in die Kolchosen zwingen. Tonnenweise wurde Getreide in die sowjetischen Großstädte exportiert, während in der Ukraine, in Südrussland, Kasachstan, der Wolga und Westsibirien die Menschen verhungerten.

(Über)lebensmittel - Brot aus Blättern und Rinde

Die Hungergebiete wurden abgesperrt, die darin lebenden Menschen ihrem Schicksal überlassen. Die große Not zwang Menschen zu verzweifelten Überlebensstrategien. Zeitzeugen berichten sogar von Kannibalismus. Typische "Lebensmittel" aus den Hungerjahren offenbaren die ganze Tragödie: Brotlaibe, gebacken aus Blättern, Rindenstücken und gemahlenen Kastanien.

Sechs Jahrzehnte lang war es in der Sowjetunion bei Strafe verboten, über die Hungersnot offen zu sprechen. Erst nach der Unabhängigkeit der Ukraine wurde sie unter Präsident Viktor Juschtschenko zum "Völkermord an den Ukrainern" erklärt und öffentlich thematisiert. Das Europäische Parlament  erkannte den Holodomor 2008 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Russland lehnt die Einordnung der geschichtlichen Ereignisse als Völkermord bis heute ab.