Bayern 2 - radioFeature

Tanz-Stunde Was Paare aufs Parkett treibt

Sich als Paar federleicht übers Parkett bewegen, harmonisch schwebend, anscheinend mühelos - schön wär´s, wenn das gleich funktionieren würde. Wie ist das erst, wenn man neben dem Tanzen auch noch sprechen muss?

Autor: Arthur Dittlmann Stand: 15.02.2012

Das Tanzen ist einer der Lebensbereiche, in denen der Mann noch das Sagen hat – zumindest theoretisch. Tanzlehrer Hubert Niestroy aus Erding sieht in seinem Sport auch das Werben umeinander, sagt er: "Beim Tanzen sollte der Mann der Dame zeigen, wo´s lang geht." Kein Wunder, dass das Tanzen dadurch auch zum Geschlechterkampf auf dem Parkett werden kann. Um zum Gleichklang zu finden, gehen Männer und Frauen, Junge und Ältere zum Tanzkurs. Sie zählen mit, stolpern beim Wiegeschritt, freuen sich über geglückte Damendrehungen – und bekommen nebenbei ein Coaching für ihre Beziehung und fürs Leben mit.

"Tanzen (...) strengt vor allem Herz, Lunge und Haut an und sollte daher nur in reiner Luft und lockerer Kleidung ausgeübt werden, ferner ohne vorher durch alkoholische Getränke den Körper zu erhitzen. Leider geschieht gerade das Gegenteil davon! Daher die so häufigen Erkrankungen nach Bällen."

Aus: Anna Fischer-Dückelmann: Die Frau als Hausärztin. Ein ärztliches Nachschlagebuch Stuttgart, circa 1905

Schadet oder nützt das Tanzen der Beziehung?

Autor Arthur Dittelmann bei den Musik-Aufnahmen für das radioFeature

Tanzen galt früher als schädlich für die Gesundheit - und wie sieht es mit der Beziehung aus? Schließlich müssen die Paare Konflikte durchstehen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Ein Tänzer gibt zu, dass es anfangs schon Probleme gab: "Logisch, ich habe auch mal gesagt: Komm, die Stunde lassen wir ausfallen, fahren wir wieder heim." Und seine Frau ergänzt: "Aber man sieht ja immer nur die eigenen Fehler - nicht umsonst trainieren die Sport-Tänzer acht Stunden am Tag, wir nur anderthalb Stunden in der Woche und wir meinen trotzdem, wir müssten tanzen wie Gott in Frankreich." Und so kann das Tanzen auch zu einer Art Paartherapie auf dem Parkett werden.

Freude, Spaß und Erotik

Der großherzogliche Tänzer Joachim A. Diringer sagte: "Der Tanz ohne Takt gleicht der Rede ohne Sinn."

Die Erzdiözese München und Freising bietet Tanz-Wochenenden für Paare unter dem Motto "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein" an. Miteinander tanzen bedeutet körperliche und seelische Begegnung, Hingabe, Freude und Spaß, Berührung und Erotik, heißt es im Ankündigungstext des Seminars: "Miteinander tanzen bedeutet aber auch: Verunsicherung, Streit, Angst vor zu viel Nähe, Angst vor Nicht-Können". Tanz- und Bewegungspädagoge Karl Schunter hat festgestellt, dass sich Frauen auf dem Parkett meistens besser anstellen: "Buben hören ab dem Kindergarten auf, sich zu Musik zu bewegen, Frauen dagegen machen Balett oder Aerobic", sagt er. Deshalb sind es meistens die Frauen, die die Männer zum gemeinsamen Tanzen überreden. Und dann? Gefällt es meistens beiden, erzählt eine Tänzerin, die seit fünf Jahren regelmäßig mit ihrem Mann zur Tanzstunde geht.

"Als wir den Grundkurs gemacht haben, haben wir bemerkt, dass wir unterschiedlich laufen. Im Leben und im Tanzen. Das war Krieg, das war Ringen. Manches Mal sind wir schweigend nach Hause gefahren. Interessanterweise haben wir beide nicht locker gelassen. Wir haben uns neu entdeckt, Spaß daran entdeckt und viele Gleichgesinnte getroffen. Der Ehemann ergänzt: Es hatte sich jeder mit seinen Aufgaben arrangiert, das war die Familie, Haushalt, Haus, Kinder. Nachdem sich der Punkt Kinder erledigt hatte, weil die erwachsen waren, da musste man sehen, dass man wieder zueinander finden muss."

Das Ehepaar Weber über seine Tanzerfahrungen