Bayern 2 - radioFeature


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Offenes Archiv: Familie Battistini geht zum Film (1954/57) Ein italienisches Sittengemälde aus den 50er Jahren

Vor "Breaking Bad" und "House of Cards", vor Streaming-Diensten und Podcast-Plattformen, gab es den Bayerischen Rundfunk und die Nerds mit ihren Tonbandgeräten zum Mitschneiden. Eine Kultsendung dieser Zeit: Familie Battistini.

Stand: 19.08.2017

Eine Soap-Opera über das italienische Familienleben

Die Battistinis, eine Familie aus dem Italien der 50er Jahre, eine  Kultsendung im Bayerischen Rundfunk: Der legendäre BR-Autor Reinhard Raffalt belebt seine unterhaltsamen und lehrreichen Schilderungen mit für damalige Verhältnisse ungewöhnlich lebendigen Originaltönen, in denen es - wie immer bei Battistinis - hoch hergeht.

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In bester Soap-Opera-Manier schildert der Autor das italienische Familienleben jener Zeit und verbindet seinen präzisen Blick auf die Alltagskultur mit seiner Virtuosität am Reportermikrofon. Dabei bleibt er ein freundlich gesinnter Erzähler, dessen Stimme Hörerinnen und Hörer immer weiter in ihren Bann und in die Mitte des Geschehens zieht. In dieser Episode geht es um typische Osterfeierlichkeiten im Jahr 1954 und um einen Versuch, große Lebensträume Wirklichkeit werden zu lassen. Interessant ist hier natürlich auch, was "unser" Blick auf Italien im Umkehrschluss über die deutsche Gesellschaft der damaligen Zeit aussagt.

"Das Wunderbare an dieser Familie Battestini ist ja überhaupt, dass sie in aller Misere der Gegenwart immer eine herrliche, mit Reichtümern und Glücksgütern verschwenderisch ausgestattene Zukunft vor sich sehen, dass in ihren Herzen immer ein kleines irdisches Battistini-Paradies lebendig ist, dass ihre Vorstellungskraft sie immer wieder dazu verführt, zukünftige Erfolge schon als eine Wirklichkeit anzusehen, die man nicht in Zweifel ziehen darf."

Autor Reinhard Raffalt über die Battestinis

Der Autor

Reinhard Raffalt (1923-1976) studierte in Leipzig Kirchenmusik, nach Kriegsunterbrechung setzte er das Studium mit Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft fort. Nach Rom zog es ihn als Vatikankorrespondent. Im Bayerischen Rundfunk prägte er nachhaltig das Bild von Italien, unterstützt durch seine Bücher im Prestel-  und Piperverlag. Im Auftrag des BR bereiste Raffalt auch Afrika, Asien und Lateinamerika. Er ist Träger des Bayerischen Verdienstordens.


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