Der lange Atem Vom zähen Ringen um die Menschenrechte
Der Fernsehreporter Hollman Morris wurde 2011 mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Er hatte über Morde, Entführungen und Vertreibungen in Kolumbien berichtet und die Verantwortlichen angeklagt. Wer die Verletzung von Menschenrechten anprangert, setzt das eigene Leben aufs Spiel.
Hollman Morris ist Journalist und Verfolgter zugleich. Die kolumbianische Regierung bezeichnete ihn als Gehilfen des Terrorismus. Er erhielt Todesdrohungen, die seiner Familie galten. Der Fernsehmann wich zuerst nach Spanien aus, derzeit arbeitet er in den USA.
Internationale Menschenrechtsgruppen engagieren sich nach wie vor für den indianischen Aktivisten Leonard Peltier, der seit 34 Jahren in den Vereinigten Staaten in Haft sitzt. Ihm wird der Mord an zwei FBI-Agenten im Sommer 1975 zur Last gelegt. Er wurde zu zweimal lebenslänglich verurteilt, zu Unrecht, aufgrund von gefälschten Beweisen, wie seine Unterstützer meinen, die einen neuen Prozess fordern.
Wer sind die Menschen, die die Decke des Verschweigens durchbrechen und schreien, wenn andere wegschauen? Was sind ihre Beweggründe, sich für die Rechte Verfolgter und Unterdrückter etwa bei "Human Rights Watch" oder der "Gesellschaft für bedrohte Völker" zu engagieren? Was die Menschenrechtler aller Länder vereint: Sie brauchen Hartnäckigkeit und einen langen Atem. Menschenrechte werden auf ganz unterschiedliche Weise verletzt: durch die Verweigerung der kulturellen Identität, die Zerstörung der Lebensgrundlagen, Organdiebstahl, medizinische Versuche ohne Kenntnis der Betroffenen, Folter. Es kann auch durchaus Blut an den schönen Dingen kleben, mit denen wir uns umgeben: zum Beispiel das Edelmetall Gold. Die Sendung gibt Einblick in die zähe Arbeit der Menschenrechtsaktivisten, die trotz aller Rückschläge nie aufgeben dürfen.
Kämpfer für Menschenrechte
Monika Seiller
Monika Seiller engagiert sich bei der Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte. Jeden Montagabend lädt die Gruppe zu einem öffentlichen Arbeitstreffen in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Münchner Norden ein. Viermal im Jahr gibt die Aktionsgruppe die Zeitschrift "Coyote" heraus, die heute im deutschen Sprachraum ohne Konkurrenz dasteht. Einmal im Jahr organisiert sie ein europäisches Indianer-Unterstützertreffen.
Wenzel Michalski
Wenzel Michalski leitet das deutsche Büro von Human Rights Watch. Die Menschenrechtsorganisation hat ihren Hauptsitz in New York und im Gegensatz zu vielen anderen NGOs gibt es bei ihr keine ehrenamtlichen Helfer. Die Mitarbeiter bewegen sich oft auf vermintem Gelände, dort, wo die Menschenrechte nichts mehr gelten. Sie müssen häufig verdeckt arbeiten, um sich und andere nicht zu gefährden. Dafür braucht Human Rights Watch viel Geld, das Jahresbudget beträgt um die 50 Millionen Dollar.
Tilman Zülch
Tilman Zülch ist Generalsekretär und Gründer der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Auf keinem Auge blind" lautet die Leitlinie der unabhängigen Menschenrechtsorganisation, die sich vor allem für Minderheiten einsetzt, etwa für Sinti und Roma. 1981 gelang es der GfbV diese Bezeichnung an Stelle von "Zigeuner" in den Medien und in der Politik durchzusetzen. Diese Korrektur war ein Resultat des ersten europäischen Sinti- und Roma-Kongresses in Göttingen, den die GfbV initiiert und organisiert hatte.
Tjan Zaotschnaja
Auch Tjan Zaotschnaja engagiert sich für die Münchner Regionalgruppe der Gesellschaft für bedrohte Völker in München, die sich für die indigenen Völker Sibiriens und ihre rechtlich unsichere Lage einsetzt. Tjan Zaotschnaja ist in einem kleinen Dorf im Osten Russlands aufgewachsen und weiß den Wohlstand, in dem sie hier in Deutschland lebt, zu schätzen: "Uns geht es gut hier, aber wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen, von denen wir Erdgas, Erdöl und andere Rohstoffe beziehen und zu denen wir unsere Atomabfälle schicken."

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