Krach Über die Lautheit der Welt
Schallwellen, die krank machen, den Blutdruck in die Höhe treiben und an den Nerven rütteln. Lärm umgibt einen täglich und fast überall. Und die Tendenz ist steigend.
Am Anfang war es still in der Leere des Alls. Im Nichts störten sich weder Sterne oder Planeten in ihren Umlaufbahnen noch menschliche Wesen. Viele Millionen oder Milliarden oder Billionen Jahre herrschte Stille. Bis zum großen Knall.
Immer mehr Krach
Die Geschichte der Menschheit und der fortschreitenden Zivilisation ist begleitet von einer Zunahme der Schallquellen und Schallereignisse. Brigitte Schulte-Fortkamp, Professorin für Akustik an der TU Berlin, ist Lärmforscherin und beschäftigt sich mit Fragen der Psychoakustik.
"Lärm (...) - das sind Geräusche, die stören, die Handlungen unterbrechen und im Wesentlichen unerwünscht sind. Das sagt gar nichts darüber, wie laut ein Geräusch ist, sondern nur, ob ein Geräusch in eine Situation passt oder nicht passt. Wenn es nicht passt, wird es als Lärm bezeichnet."
Brigitte Schulte-Fortkamp
Moderne Errungenschaften und ihre Folgen
Eitting - "ein ländliches Idyll ganz nah am Puls der Welt", so wirbt die Gemeinde im Erdinger Moos für sich. Sie ist sechs Kilometer östlich des Großflughafens Franz-Josef-Strauss - in der Verlängerung zwischen nördlicher und südlicher Startbahn gelegen. Georg Wiester ist Bürgermeister der Gemeinde Eitting. Eher selten sitzt seine Familie im Garten bei Sommerwetter. Denn bei Ostwind starten die Flugzeuge in Richtung Eitting. Von 41 000 Starts im Jahr gehen durchschnittlich 40% über ihr Dorf hinweg. Die 5-jährige Enkelin Anna-Lena spielt trotzdem im Garten.
"Bei uns sind sie (Flugzeuge) sehr tief unten, da kann man sich nicht verstehen. Beim Fussballspielen kann man nix reden. Dann wird es kurz leise. Dann kommt der nächste."
Anna-Lena
Bürgerinitiativen haben gegen eine Dritte Startbahn am Großflughafen München gekämpft. Mit ihrem Bau wäre ein Ortsteil von Eitting unbewohnbar geworden. Der Bürgerentscheid in München hat das Vorhaben vorerst gestoppt. Die Anwohner wünschen sich jetzt ein absolutes Nachtflugverbot.
Lärm macht krank
Dauerhafter Lärm kann zu vermehrten Stress führen. Körperliche Stressreaktionen wie vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen können die Folge sein. "Solche Stressreaktionen laufen nicht nur bewusst ab, dass wir uns über den Lärm ärgern, sondern auch unbewusst. Der Stressmechanismus, der uns von Geburt an evolutionär eingepflanzt ist, der ist ein Warnmechanismus", so der Lärmwirkungsforscher, Wolfgang Babisch. Er arbeitet im Umweltbundesamt in Berlin und beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit. Der Infektionsbiologe Robert Koch ahnte Schlimmes und warnte schon im Jahr 1909 prophetisch vor dieser Gesundheitsgefahr.
"Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest."
Robert Koch
Das Kläffen von Hunden, das ohrenbetäubende Sausen eines Laubsaugers, das Kreischen einer Kreissäge - Krach umgibt die Menschen täglich. Die Autorin, Wiebke Matyschok, durchläuft in ihrer Sendung einen Streifzug durch die Welt des Lärms.

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