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Wer wollen wir gewesen sein? Über gesellschaftliche Verantwortung - Ein Pamphlet

Sind wir zu faul, zu resigniert oder zu zynisch? Warum lebt die Gemeinschaft immer noch so, als ob es keine Verbindung zwischen heute und morgen gäbe? Ein Blick aus der Zukunft auf die Gegenwart.

Stand: 05.09.2017

Wir werden uns an Euch als die erinnern, die immer gesagt haben werden:

  • "Ich will was erleben" und die dann einkaufen gegangen sind.
  • "Ich mache mir solche Sorgen" und sich dabei sehr politisch vorgekommen sind.
  • „Ich will frei sein“ und nicht darum gekämpft haben, es auch zu bleiben.
  • „Um was soll ich mich denn noch alles kümmern?!“ und sich dann nur um sich selbst gekümmert haben.
  • „Ich könnte mich so aufregen“ und dabei über das „Könnte“ nur ganz kurz hinweg gekommen sind.
  • "Eigentlich müsste man sich viel mehr engagieren", aber nie so genau gesagt haben, wofür eigentlich.


Wir werden uns an Euch als die erinnern, die immer gesagt haben werden:

  • „Ich allein rette die Welt doch eh nicht“ und die sie dann doch gerettet haben.
  • „Ich allein rette die Welt doch eh nicht“ und die sie dann doch gerettet und sich dafür mit anderen zusammengeschlossen haben.
  • „Ich allein rette die Welt doch eh nicht“ und die sie dann doch gerettet und sich dafür mit anderen zusammengeschlossen haben und denen das Leben ihrer Enkel und Urenkel dann doch noch mindestens genauso wichtig gewesen ist, wie ihr eigenes.


Die Frage ist: Wer wollen wir gewesen sein?

"Viele Menschen, auch die, die gute Ideen haben, reden in ihren Echokammern miteinander und überzeugen sich von sich selbst. Das heißt, wir haben im Neoliberalismus weltweit Milliarden von Individualisten gezeugt, die sich in kleineren Gemeinschaften tummeln, dort wechselseitig ihres richtigen Kurses versichern und sagen, das stimmt schon alles, was ich so denke.
Ich glaube, das ist eine Folge des Verlustes von Politik. Politik besteht genau darin, unterschiedliche Interessen miteinander zu konfrontieren, Kompromisse zu finden; das hängt mit einer marktradikalen, oder wie ich immer gerne sage, mit einer markt-blöden Wirtschaftsform zusammen, die glaubt, dass jeder seines Glückes Schmied sein könnte. Da ist eine moralische Wende notwendig."

Claus Leggewie

"Was wir uns vielleicht wieder aneignen müssen, ist einen positiven Begriff des Politischen, also des Sich-Einmischens und des In-gesellschaftlichen-Zusammenhängen-Denkens. Und auch des Streitens in der Öffentlichkeit, ja. Wir müssen wieder mehr politisch denken und das politische Denken als ein gesellschaftliches Projekt sehen, an dem wir vielen, wir einfachen Leute, uns beteiligen müssen, und wo wir ganz grundlegende Entscheidungen treffen müssen."

Raul Zelik

Produktion: BR 2017
Redaktion: Katja Huber
Regie: Gesche Piening

Gesellschaft und Zukunft auf der Bühne

Ab September ist Gesche Pienings audiovisuelle Theaterinstallation "Wer wollen wir gewesen sein?" am Staatstheater Darmstadt zu sehen.

Die Autorin

Gesche Piening, Jahrgang 1978, ist Schauspielerin, Regisseurin, Autorin und Dozentin. Für den Bayerischen Rundfunk hat sie bereits mehrere Features realisiert. Ihre interdisziplinären Kunstproduktionen sind bundesweit in diversen Theaterhäusern und auf Festivals zu sehen. 2016 erhielt sie für ihre bisherigen Arbeiten den Ödön-von-Horváth-Preis (Förderpreis).

Hier können Sie das Manuskript herunterladen:

Über gesellschaftliche Verantwortung - Ein Pamphlet Format: PDF Größe: 119,2 KB


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