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Wie man sich in ein Programm verliebt Computerliebe in Film und Serie

Wir lassen uns von Siri wecken, streiten uns mit Chatbots in sozialen Medien und telefonieren in der Ikea-Warteschleife mit einer künstlichen Intelligenz. Dass wir uns verlieben war eine Frage der Zeit. Drei schöne fiktive Beispiele.

Stand: 30.06.2017

Wenn schöne junge Osteuropäerinnen im Internet sehnsüchtige Kontaktanfragen an alleinstehende Deutsche schicken, dann stecken dahinter oft nur Algorithmen. Programme, die so clever kommunizieren, dass wir das Gefühl haben, mit Menschen zu sprechen. Tatsächlich sind die Algorithmen inzwischen so gut, dass die Unterschiede zwischen Menschen und Maschinen in vielen Bereichen verwischen. Diese technischen Möglichkeiten beflügeln nicht nur die Kommunikation und die Arbeitswelt, sie füttern auch die Traumfabrik Hollywood und ihre Nebenbuhler. Drei gelungene Beispiele aus Film und Serie.

Dein persönlicher Begleiter - "Her"

2013 hat Regisseur Spike Jones dieses brisante, für die menschliche Seite der Kommunikation auch sicherlich emotional stark aufgeladene Gefüge, in einer Filmgeschichte erzählt. Theodore Twombly verliebt sich in seine digitale Samantha. Die beiden beginnen eine Beziehung, in der beide profitieren und wachsen.

Düstere Zukunftsvision in "Ex Machina"

Im Thriller "Ex Machina" von 2014 wird aus der Euphorie um die künstliche Intelligenz ein kalter Schauer. So lässt Regisseur Alex Garland in seinem Filmdebüt einen begeisterten Programmierer einer führenden IT-Firma die Roboter auf ihre humanoiden Eigenschaften testen. Am Ende bleibt die große Frage nach der Menschlichkeit.

"Westworld" - Vergnügungspark oder zelebrierte Gewaltfantasie?

Stell dir vor, es gäbe eine Welt, in der du sein kannst, wer und wie du willst. Mit Stetson-Hut oder Kopftuch, mit Colt oder Messer, freundlich oder hasserfüllt, tanzend oder vergewaltigend. Das Motto der Erfinder des Freizeitparks "Westworld": So lange sie hier drin morden, morden sie nicht in der echten Welt. Nicht nur wegen Anthony Hopkins perfekter Vorstellung eine sehr sehenswerte Serie.

Von persönlichen Assistenten wie Siri über die Flirt-App bis zum Therapeuten-Chatbot: Neue technische Möglichkeiten stoßen auf alte menschliche Sehnsüchte. Das Ergebnis: Es herrscht Verwirrung in der virtuellen Welt. Warum springen unsere Gefühle auch auf Programme an? Und ist es wirklich die Schuld der Maschinen, wenn wir so leichtgläubig sind?

Produktion: SWR 2017
Redaktion: Walter Filz
Regie: Nicole Paulsen

Der Autor

Patrick Batarilo, geboren 1974 in Waldshut, studierte Kultur- und Theaterwissenschaft in Berlin, Frankreich und den USA. Nach einem Volontariat beim SWR war er zweieinhalb Jahre lang Redakteur bei SWR2, wo er noch immer als Moderator arbeitet. Als freier Hörfunkautor liefert er Radio-Dokumentationen aus Vietnam, Istanbul, Israel, Mexiko, Buenos Aires, Marokko, Westafrika und Kroatien. Mit dem Feature "Back to Bosporus. Existenzgründung auf deutsch-türkisch" (SWR2) hat Batarilo 2012 den europäischen CIVIS-Medienpreis gewonnen.

Hier können Sie das Manuskript herunterladen:

Wir müssen reden Format: PDF Größe: 420,92 KB


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