Bayern 2 - radioFeature


27

Benno Ohnesorg Chronik einer Hinrichtung

In Berlin schießt ein Polizist in Zivil 1967 auf den 27-jährigen Studenten Benno Ohnesorg - von hinten und gezielt, das beweisen Film- und Fotoaufnahmen. Ohnesorg stirbt im Krankenhaus. Die Folgen - extrem und bis heute zu spüren.

Stand: 20.05.2017

Studenten demonstratieren, sie tragen Blumenkränze und ein Transparant auf dem steht: "Benno Ohnesorg - politischer Mod", versehen mit einem Kreuz. Schwarz-Weißaufnahme | Bild: dpa / Helmuth Lohmann

Todesumstände: bis heute ungeklärt

Gedenktafel vor dem Haus in der Krumme Straße 66, vor dem der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde

Der 2. Juni 1967, der Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde, war eine Zeitenwende. Die Studentenbewegung radikalisierte sich, bewaffnete Gruppen bildeten sich, eine führte sogar das Datum in ihrem Namen. Die genauen Umstände, die zu Ohnesorgs Tod führten, wurden nie geklärt. Der Schütze: Karl-Heinz Kurras, Polizeiobermeister. Als er 2009 als Stasi-Spion enttarnt wurde, hätte das Verfahren wieder aufgenommen werden können. Da jedoch Kurras nicht im Auftrag der Stasi geschossen hatte, verlor die Berliner Justiz das Interesse. Wie gelang es der Polizei, Kurras vor der Bestrafung zu schützen? Wie wurde die Vertuschung organisiert, wann begann sie und welche Rolle spielte die Justiz?

War es ein gezielter Mordanschlag?

Der ehemalige Stasi-Spitzel Karl-Heinz Kurras (r.) 2009 im Amtsgericht Berlin, angeklagt wegen illegalen Waffenbesitzes

Karl-Heinz Kurras starb 2014. Als "Unschuldiger". Zweimal stand er vor Gericht. 1967 und 1970. Beide Strafverfahren endeten mit Freispruch. 2009, mehr als vierzig Jahre danach, fiel Cornelia Jabs von der Stasi-Unterlagen-Behörde eine Aktennotiz auf: Kurras hatte von April 1955 bis zum zweiten Juni 1967 für die Staatssicherheit der DDR spioniert. Der Verdacht, Kurras könnte den Studenten im Auftrag Ostberlins getötet haben, konnte nie erhärtet werden.

Die Autorin

Margot Overath lebt bei Bremen. Seit 1984 ist sie Autorin von Radiofeatures. Besonderes Interesse hat sie dabei für Themen aus dem Bereich der Justiz. Für ihre Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Axel-Eggebrecht-Preis für das Gesamtwerk. Mit dem Thema Benno Ohnesorg beschäftigt sich die Journalistin seit fünfzehn Jahren. Für ihr Feature sprach sie mit Zeitzeugen und am Einsatz beteiligten Polizeibeamten über die Tat, den Tag und die Folgen bis heute.

Produktion: rbb/BR/NDR 2017
Redaktion: Mareike Maage
Regie: Nikolai von Koslowski

Literatur

  • Soukup, Uwe: Der 2. Juni 1967. Ein Schuss, der die Republik veränderte. Transit 2017, Berlin/Schwarzenbach.
  • Tschernitschek, Marc. Der Todesschütze Benno Ohnesorgs. Tectum Verlag 2013, Marburg.
  • Timm, Uwe: Der Freund und der Fremde. Kiepenheuer und Witsch Köln 2005. (Roman über Benno Ohnesorg)

Hier können Sie das Manukript herunterladen:

Benno Ohnesorg - Chronik einer Hinrichtung Format: PDF Größe: 283,25 KB


27