Süßstoff Person und Gewissen
Hier gibt es den Süßstoff vom 20. Oktober zum Nachlesen!
Süß: Wer erst seit der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg weiß, dass Politiker Blender sind, ist um seine Naivität nicht zu beneiden. Allerdings, bei Guttenberg damals da war die Copy Paste Sache schon besonders schlimm, weil er den Inbegriff des smarten Heilsbringers mit schlankem, rankem Glamour Appeal so besonders attraktiv dargestellt hat. Da wollten sich viele blenden lassen, und waren dann freilich besonders beleidigt, weil sie es hätten besser wissen müssen. Auf den ersten Blick. Nun aber wird die Bildungsministerin Schavan des Plagiats verdächtigt.
(Schavan)..."Ich habe zu keinem Zeitpunkt meiner Arbeit an der Dissertation zu täuschen versucht. Ich weise diesen Vorwurf entschieden zurück. Ich werde kämpfen. Das bin ich mir schuldig und das bin ich der Wissenschaft schuldig."
Süß: Gut, der Vorwurf lautet, sie wäre der Wissenschaft eben etwas ganz anderes schuldig geblieben. Dennoch würde die umstrittene Doktorarbeit nicht pikanterweise ausgerechnet den Titel "Person und Gewissen" tragen - und wäre Frau Schavan, die, wie eine noch langweiligere Version ihrer Busenfreundin Angela Merkel wirkt, nicht ausgerechnet Bildungsministerin - es wäre uns so was von wurscht. Gut, außer man ist in der SPD, dann ist es was anderes.
(Nahles)... "Sie kann als Wissenschaftsministerin in unserem Land nicht mehr glaubwürdig ihre Arbeit tun, sollten sich diese Vorwürfe wirklich erhärten."
Süß: Das ist zwar richtig, aber hören sie nicht auch eine innere Stimme sagen: Jajajaja…Die Frau Nahles, die übrigens keinen Doktortitel zu verlieren hat, die echauffiert sich doch auch nur deswegen künstlich, weil es halt grad ins Wahlkampfkonzept passt. Oder weil sie überhaupt muss - als Generalsekretärin der größten Oppositionspartei gehört das Absondern eines solchen Satzes zu ihren obersten Pflichten. Da ist der Herr Oppermann schon kreativer.
(Oppermann)..." Als Bildungs- und Forschungsministerin ist sie schon jetzt irreparabel beschädigt und deshalb wäre es wahrscheinlich, klug aus ihrer Sicht, wenn sie der monatelangen Debatte über ihre wissenschaftliche Arbeit ein Ende setzt und von sich aus zurücktritt."
Süß: Das klingt jetzt fast so, als würde er sich um die empfindsame Seele der Ministerin sorgen. Böse der Herr Oppermann. Er empfiehlt den Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Aber da die Affäre ansonsten ja eher eine etwas öde Anmutung hat, regt man sich lieber darüber auf, dass eine Gutachtermeinung vorab in die Presse geraten ist, um dort unmenschliche Vorverurteilungen in die Welt zu gerüchtln.
(Döring)..."Wie in vielen anderen Fällen ist bemerkenswert, dass auch hier die Einzelmeinung eines Gutachters öffentlich wird. Damit müssen wir offenbar in unserem Beruf leben."
Süß: Die verfrühte Indiskretion. Ganz schlimme Sache. Aber tapfer und mit resignierter Melancholie fügt sich Herr Döring in sein Politikerschicksal, um uns ein wenig Schuldgefühle zu suggerieren. Klappt bei mir übrigens ganz schlecht. Vermutlich bin ich schon zu abgestumpft. Ok, und? Hat Frau Schavan jetzt, oder hat sie nicht? Der Plagiatsexperte Theissen - ja auch das gibt es heutzutage - sagt:
(Theissen)..."Es war immer klar, wer andere Autoren zitiert, muss es entweder wörtlich nachweisen oder eben sinngemäß eben entsprechend zitieren."
Süß: Ok. Und jetzt Frau Schavan eben mitunter durchaus richtig zitiert.
(Theissen...)"Das ist mit Sicherheit sogar ein starker Beweis für bewussten Betrug, denn hier zeigt sich ja eben, wer die Regeln kennt muss sie durchgängig anwenden. Wenn er das nicht tut, dann täuscht er ganz bewusst."
Süß: Ups, das ist jetzt aber irgendwie eindeutig. Aber dennoch darf sich Frau Schavan jetzt erst mal rechtfertigen. Irgendwie tut sie mir leid. Immerhin ihre Arbeit ist aus dem Jahr 1980. Da war noch nix mit Copy Paste. Einfach so aus dem Netz runter laden. Da war sogar plagiieren noch ehrliche Handarbeit. Schönes Wochenende.
Es gilt das gesprochene Wort.

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