Süßstoff Transaktionssteuer? Ja, aber...
Hier gibt es den Süßstoff vom 14. Januar zum Nachlesen!
Süß: So jetzt haben die Welt und die Welt am Sonntag also ihre Fragen an unseren Bundespräsidenten online gestellt. Mann ist das…langweilig. Offenbar hat der nicht mal seine Doktorarbeit gefälscht. Gut. Kunststück. Immerhin hat er nie eine geschrieben. Aber gut - dann ist vielleicht das der Skandal. Oder gab es mal einen illegitimen Upgrade in die Business Class? Oder hat er von Dritten Herzen für sein Bonusheft bekommen? Möglich ist alles. Nur was bedeutet das dann für uns Bürger? Also nicht, dass sie glauben, ich könnte der Durchleuchtung des Bundespräsidenten nichts abgewinnen. Aber es könnte doch sein, dass wir vor lauter Präsidenten Paranoia mal wieder wichtiges verpassen.
(Merkel)... Herzlich willkommen nochmal hier in Deutschland
(Monti)... Sono molto grato alla cancelliera Angela Merkel…
Süß: Genau. Der neue italienische Ministerpräsident war zu Besuch. Wir erinnern uns: Herr Monti hatte kürzlich den schlimmen Herrn Berlusconi ersetzt. Der war aber nicht durch die reinigende Kraft der Demokratie seines Postens verlustig gegangen, sondern durch ein Rating. Die Märkte hatten seinen Rücktritt gefordert und prompt bekommen. Und darauf hatte Herr Monti sein Land sogleich zu striktem Sparen verpflichtet. Die Kanzlerin ist begeistert.
(Merkel)... Sowohl was die Geschwindigkeit als auch die Substanz dieser Maßnahmen anbelangt glaube ich, ist das etwas, was Italien stärken wird und wir haben das mit großem Respekt verfolgt, auch wie schnell diese Maßnahmen umgesetzt wurden
Süß: Ja, ja. Prima, prima. Endlich wird wieder mal an Sozialleistungen gespart, damit man die Märkte beruhigen kann. Wiederum erinnern wir uns kurz: Beruhigen will man genau die Märkte, die im Krisenjahr 2008 die Staaten der Welt Billionen gekostet hatten. Gut. Nun, aber will Merkozy endlich das Heft des Handelns zurück bekommen und die Märkte durch eine Finanztransaktionssteuer sedieren.
(Merkel)... Und ich sage auch, persönlich bin ich auch dafür, dass wir uns in der Eurozone eine solche Steuer vorstellen könnten, wir haben dafür noch keine Einigung innerhalb der Regierung, das muss ich dazu sagen, aber persönlich werde ich dafür werben,
Süß: Toll. Sie kann es sich persönlich vorstellen. So ganz persönlich kann ich mir auch viel vorstellen. Nur das wenigste davon wird wahr. Erinnern wir uns wiederum worum es eigentlich geht. Wir Blödbürger zahlen immer, wenn wir irgendwas bezahlen, Steuern. Zum Beispiel Mehrwertsteuer 19%, Finanztransaktionen aber sind steuerfrei. Jetzt aber gibt es Streit, weil einige vermuten, schon die homöopathisch anmutende Besteuerung von 0,1 auf Aktien bzw. 0,01 Prozent bei Derivaten würde die Wirtschaft lahm legen. Dabei bringt wohl schon diese Bonsaisteuer der EU jedes Jahr über 50 Milliarden. Stellen sie sich mal vor die würden halbwegs normale Steuern bezahlen. Also 1 Prozent bzw. 0.1 Prozent. Das wäre dann eine Runde halbe Billion. Jedes Jahr. Da könnte man Griechenland aber helfen. Was man aber ja noch überhaupt nicht muss.
(Merkel)... Wir glauben, dass es jetzt wichtig sein würde, wenn Solidarität gefordert ist - im Augenblick gibt es ja noch keine Notwendigkeit, aber sollte Solidarität gefordert sein, dass, wir dann auch sofort bereit sind, agieren zu können
Süß: Aha. Wem gegenüber ist Kanzlerin wohl tatsächlich solidarisch? Ihren Miteuropäern? Ihren Bürger? Den Bürgern Europas? Oder den Pharaonen der Konzerne und den Bankchefs gegenüber. Nun, das können sie selbst entscheiden. Außer sie sind allzu beschäftigt über die Verfehlungen des Bundespräsidenten nachzulesen. Zum Beispiel in der Welt. Da wird gefragt: "Was weiß der Bundespräsident über die Herkunft des Geldes? Kann er sich sicher sein, dass es sich um ordentlich versteuertes Geld handelt?" Antwort: "Herr Wulff wusste, dass Frau Edith Geerkens vermögend ist." Hihi, ist schon lustiger als die Finanztransaktionssteuer. Geb ich zu.
Es gilt das gesprochene Wort.

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