Bayern 2 - Notizbuch


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Zeugnisse Der richtige Lohn für gute Noten

Zeugnisse zeigen Eltern, ob sich ihre Kinder schulisch auf dem richtigen Weg befinden. Brauchen sie in einem Fach Hilfe? Oder ist das Zeugnis so gut, dass es eine Belohnung geben sollte? Hier spalten sich die Geister: Ist eine Belohnung für gute Noten das falsche Signal?

Stand: 19.07.2017

Schülerin bekommt einen 20 Euro-Geldschein von ihrer Mutter für ihr gutes Zeugnis. | Bild: colourbox.com, Montage: BR

Zwei Beispiele: Sebastian ist im Herbst aufs Gymnasium gekommen. Doch dort war Schluss mit seinen guten Noten aus Grundschulzeiten: eine schlechte Vier in Mathe, eine gute Vier in Englisch. Da er sich sehr leicht entmutigen lässt, verspricht ihm die Mutter für jede Zensur Geld als Belohnung. Sebastian legt sich richtig ins Zeug und es klappt: In Mathe verbessert er sich schrittweise auf eine Zwei, in Englisch sogar auf eine Eins. Mit jeder Note kommt er jetzt freudestrahlend nach Hause und hält die Hand auf.

Kein Geld oder Geschenke

Seine Klassenkameradin Paula hingegen bekommt nie Geld oder Geschenke für ihre Noten. Ihre Mutter lehnt Belohnungen für Schulnoten strikt ab. Sie ist der Meinung, im Gymnasium kann es trotz vielen Übens auch mal eine Vier geben und findet das für das Kind schon frustrierend genug. Da soll es nicht noch zusätzlich demotiviert werden, wenn es für die schlechte Note auch kein Geld gibt. Paula müsse lernen, mit dem Frust selbst klar zu kommen.

"Lohn für Anstrengung, nicht für Genialität"

Doch wie schenkt man der Leistung der Kinder nun die richtige Anerkennung? Diplom-Psychologe Heinz Schlegel, ehemaliger Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle Oberbayern-West, sagt: "Für Schüler ist das Erbringen von Leistungen eine selbstverständliche Aufgabe, ihr Beruf sozusagen. Wenn man da erfolgreich ist, gehört das deutlich gewürdigt." Dabei müsse man sich jedoch klarmachen, was man mit der Belohnung erreichen möchte: "Immerhin belohne ich die Anstrengung, nicht die Genialität - an der kann man nicht viel ändern. Aber die Anstrengung, die möchte ich würdigen und fördern", so Schlegel.

"Soziale Belohnungen"

Ganz entscheidend sei dabei aber die Suche nach der am besten geeigneten Form der Belohnung. Wie Schulpsychologen beobachteten, habe das Prinzip Geldnote für Schulnote für viele Schüler den Charakter des "Abspeisens".

Heinz Schlegel empfiehlt daher eine andere Form der Würdigung: "Gute Belohnung ist das, was beim Kind einen positiven Effekt hat. Und da weiß man, dass soziale Belohnungen bei Kindern einen größeren Effekt haben als Geld oder Geschenke." Das kann bei jüngeren Kindern etwa eine gemeinsame Unternehmung mit der ganzen Familie sein, ein Zoo- oder Restaurantbesuch, bei älteren Kindern eher die Erlaubnis, etwas Außergewöhnliches ohne Eltern unternehmen zu dürfen.

Schlechtere Noten: in der Pubertät normal

Auf schlechte Noten sollten Eltern nicht mit Strafmaßnahmen reagieren. Denn mit Druck erzeugen Eltern nur Gegendruck - durch den ihre Kinder erst recht die Lust am Lernen verlieren. Eltern sollten sich vielmehr fragen: Ist unser Kind überfordert? Geht es auf die richtige Schule? Erwarten wir vielleicht zu viel? Oder ist es nur eine Phase?

Vor allem in der Pubertät verschlechtern sich die Noten vieler Schüler vorübergehend. "Zum Trost für schlechte Noten kann man zusammen etwas Schönes unternehmen - vorlesen, spielen oder eine Radtour machen", empfiehlt der Bayerische Elternverband. Es sei wichtig, Kindern nicht das Gefühl zu geben, als Mutter oder Vater sei man über das Kind selbst enttäuscht.


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