Bayern 2 - Notizbuch


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Islands Wale Touristenattraktion im Wasser und auf dem Teller

Die Isländer gehen seit 2006 wieder auf kommerziellen Walfang. Das meiste Walfleisch wird exportiert, aber auch die heimische Gastronomie wird beliefert. Und nicht nur die Isländer selbst lassen sich's anscheinend schmecken. Auch viele Island-Touristen beobachten und belauschen die Meeressäuger nicht nur, sondern bestellen im Restaurant Wal und halten so den isländischen Walfang am Leben.

Von: Simon Berninger, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 06.09.2017

Walfleisch steht auf der Speisekarte vor einem islandischen Restaurent (Archivbild) | Bild: picture-alliance/dpa/Rolf Wilms

Urlaub auf Island. Die Insel im Nordatlantik ist unter den Deutschen längst kein Geheimtipp mehr. Anfang September endet in Island allmählich die Hochsaison - und auch die Walfangsaison. Neben Japan und Norwegen gehen auch die Isländer seit 2006 wieder auf kommerziellen Walfang, obwohl Island Mitglied in der Internationalen Walfangkommission ist, die den kommerziellen Walfang schon 1986 verboten hat.

Walfang auch der Touristen wegen

Erlegter Finnwal: die mit bis zu 25 Metern Länge zweitgrößten Meeressäuger der Erde stehen auf der Roten Liste

In manch isländischem Restaurant steht Walfleisch auf der Speisekarte, und zwar hauptsächlich der Touristen wegen. Denn sie wollen offenbar nicht nur beim Whale watching den Meeressäugern beim Schwimmen zuschauen, sie wollen sie auch probieren. Dass vor allem Touristen Wal bestellen und so den isländischen Walfang am Leben halten, deckt sich mit den Analysen von Sigursteinn Masson vom International Fund for Animal Welfare. Der Tierschützer betreibt die Kampagne "Meet us, don't eat us" - auf deutsch "Triff' uns, aber iss' uns nicht". Jedes Jahr zur Walsaison holt er deshalb Volontäre aus aller Welt nach Reykjavik, die Touristen auf die Problematik ansprechen.

Wie Wale erlegt werden

Beim Walfang werden meist Explosiv-Harpunen verwendet. Ein Sprengkörper wird in den Wal geschossen und explodiert im Tier. Es kann lange dauern und ist schmerzhaft, bis der Wal dabei stirbt.

"Ich denke, dass unser weltweit einmaliger Finnwal-Fang schlecht für unseren Ruf ist als Nation in engem Kontakt mit der Natur und mit hohen Standards, sie zu schützen."

Sigursteinn Masson, Tierschützer

"Nichts anderes als jeder andere Fisch auch!"

Kristjan Loftsson geht auf Walfang

"Weil wir Walfleisch mögen und es eine Industrie hier ist", sagt dagegen Walfänger Kristjan Loftsson. Zuletzt stachen seine beiden Walfangsschiffe vor zwei Jahren in See. 155 Finnwale hatte seine Crew 2015 gefangen. Dass Loftsson hinter Finnwalen her ist, kritisieren Tierschützer besonders. Die mit bis zu 25 Metern Länge zweitgrößten Meeressäuger der Erde stehen auf der Roten Liste. Doch Loftsson argumentiert, von den 156 Finnwalen, die Islands Regierung zum jährlichen Fang freigibt, sei der Bestand im Nordatlantik doch nicht gefährdet.

Der Notizbuch - Hörtipp!

Wale, Haie, Meeresschildkröten: Gespräch mit dem Meeresbiologen Thilo Maack von Greenpeace über den weltweiten Fischfang.
Zu hören im Notizbuch in Bayern 2 am 6. September


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