Bayern 2 - Notizbuch


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Wald ist wichtig Jeder nutzt den Wald tagtäglich

Egal ob wir Feuer machen, den Wasserhahn aufdrehen, ob wir Zeitung lesen, Toilettenpapier nutzen oder uns an einen Holztisch setzen - jeder von uns nutzt den Wald tagtäglich. Doch bewusst ist das den meisten Menschen nicht. Untersuchungen haben ergeben, dass jeder sechste Deutsche nicht eine einzige Waldfunktion nennen kann.

Von: Johanna Stadler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 27.02.2017

Der Wald und seine Bedeutung | Bild: BR/Johanna Stadler

Wie uns der Wald nutzt: Trinkwasser

Gerade im Winter liegt eine der zahlreichen Waldfunktionen besonders deutlich auf der Hand: die energetische Nutzung. Neben der Zentralheizung werden in vielen Haushalten zusätzlich Kachelöfen oder Kaminhöfen eingeschürt.

Wasserquelle aus dem Waldboden

Weniger bekannt, aber ganz besonders wichtig ist der Wald mit Blick auf unser Trinkwasser. In Bayern werden zwei Drittel des Trinkwassers aus dem Grundwasser unter dem Wald gewonnen. Mit gutem Grund: Im Wald wird in der Regel - anders als in der Landwirtschaft - weder gedüngt noch werden Pestizide eingesetzt. Zudem hat der Waldboden eine besondere Filterfähigkeit - wenn also von oben oder seitlich doch Schadstoffe ins Wasser gelangen, dann kann der Boden seine Reinigungsfunktion ausspielen.

Wie reinigt der Waldboden das Wasser?

Bodenschichten unter dem Wald

Der Waldboden ist im Prinzip ein Dreiphasensystem. Im Boden gibt es Luft, im Boden gibt es Wasser und im Boden gibt es eine Festphase, die von der Bodenart abhängt. In dieser Festphase gibt es Sorptionsplätze, wo Stoffe hängen bleiben. Im Boden leben außerdem Mikroorganismen, die auch Stoffe abbauen können. Beides miteinander, also die Sorptionsplätze, die Sachen festhalten können, und die Mikroorganismen, die Sachen ab- und umbauen können, ermöglicht die Reinigungsleistung des Bodens.

Wenn Schadstoffe zu viel werden

Dann wird die Filterfunktion des Waldes überstrapaziert. Die Folge: Die Schadstoffe können ins Grundwasser gelangen. Besonders häufig ist das der Fall beim Nitrat, das aus Stickstoff entsteht. Der Stickstoff ist zwar fürs Wachstum wichtig, doch irgendwann ist der Wald gesättigt.

 Wälder gegen den Klimawandel

Prof. Vogl, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: Diese Fichte hat in ihrem jungen Leben bereits unzählige Mengen CO2 "unschädlich" gemacht.

Der Wald garantiert nicht nur sauberes Trinkwasser und warme Stuben. Seine Nutzfunktionen sind noch vielfältiger. Er bietet unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Er ist ein unersetzlicher Helfer im Kampf gegen den Klimawandel, denn beim Wachsen entziehen Bäume der Atmosphäre Kohlendioxid, kurz CO2. Der Kohlenstoff bleibt dann quasi im Baum eingesperrt, bis das Holz verbrannt wird oder verrottet. Wird das Holz verarbeitet, etwa zu einem Dachstuhl, einem Holzhaus oder einem Möbelstück, dann bleibt die positive Bilanz über Jahrzehnte erhalten. Wie viel CO2 ein Baum absorbiert, lässt sich sogar grob messen - mit einem Spezialmaßband.

Und der Wald bietet noch mehr

Gemütlicher Spaziergang im Winterwald

Wälder stellen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten
Wälder bieten Lärm- und Sichtschutz
Wälder sind für viele Menschen der Ort, an dem sie sich besonders gut erholen können - beim Joggen, Radeln, Langlaufen oder einfach nur gemütlich Spazierengehen.

Der Wald hat viele Funktionen. Die meisten denken dabei an Brennholz oder Christbäume. Dabei kann er viel mehr: sauberes Trinkwasser machen zum Beispiel. Johanna Stadler war fürs Notizbuch unterwegs mit dem Forstwissenschaftler Robert Vogl von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.


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