Bayern 2 - Notizbuch


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Trotz Supersaat und High-Tech auf dem Acker Sind die Grenzen des Wachstums erreicht?

Bei Weizen, Gerste und Mais, den drei wichtigsten Getreidesorten, stagnieren die Erträge in Mittel- und Nordeuropa seit gut 20 Jahren. Vorbei ist es mit dem "immer Schneller-Höher-Weiter", das in der Landwirtschaft ein "immer Schneller- Schwerer-Mehr" ist. Oder war. Stagnierende Erträge sind nicht der Weltuntergang. Vor allem dann nicht, wenn sie stabil sind. Aber es gibt Hinweise, dass die derzeitige Art der Landbewirtschaftung als Gesamtsystem mancherorts auf wackligen Füßen steht.

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 14.09.2017

Wenn es um die Welternährung und die Landwirtschaft geht, schrillen die Alarmglocken. Die Flächen werden weniger, die Menschen werden mehr. Darüber hinaus droht ein Teufelskreis: Die geringeren Erträge führen zu sinkenden Humusgehalten. Und sinkende Humusgehalte führen zu weiter sinkenden Erträgen.

Unsensibel - der Umgang mit endlichen Ressourcen

Die bereits entstandenen Schäden in der Tiefe durch schweres Gerät sind in absehbarer Zeit kaum zu beheben

Auf den Feldern sind heute schwere Maschinen unterwegs. Diese technische Entwicklung ist auch dem "immer Schneller-Höher-Weiter" geschuldet, das in der Landwirtschaft auch ein "immer Schwerer" und "immer Mehr" ist. Gerade bei ungünstigen Witterungsverhältnissen belasten schwere landwirtschaftliche Maschinen den Boden bis in tiefe Regionen hinein und schädigen ihn auf Jahrzehnte. Die Pflanzen können den verdichteten Boden nicht so gut durchwurzeln wie ein intaktes Gefüge. Und selbst wenn die Wurzeln es schaffen, sich im verdichteten Boden zu verzweigen, liefert der verdichtete Boden zu wenig Nährstoffe.

Vielerorts haben es die Bauern inzwischen auch mit Resistenzen beim Einsatz klassischer Pflanzenschutzmittel zu tun. Unkräuter sprechen nicht mehr auf Herbizide an, Pilzkrankheiten können nicht mehr wie bisher bekämpft werden, Schadinsekten geraten außer Kontrolle.

Stumpfe Schwerter - Resistenzen im Pflanzenschutz

90 Prozent der Weltgetreideernte bestehen aus Weizen, Mais und Reis. In diese Kulturen investieren die Züchtungsfirmen auch am meisten, weil sie mit Weizen- und Maissaatgut einfach mehr Geschäft machen als mit ertragreicherem Hafer- oder gar Hirsesaatgut.

Bei den Kulturen, die oft nacheinander angebaut werden, haben es allerdings auch die Unkräuter besonders leicht. Die Vordenker in der Landbewirtschaftung gehen davon aus, dass der mechanische Pflanzenschutz in Zukunft deshalb wieder wichtiger wird. Zum Beispiel Striegel, die man hinten an den Traktor anbaut.

Hinterfragen - Konzepte im Ackerbau

Rinnenerosion auf einem deutschen Weizenfeld

Müssen die Konzepte, wie Ackerbau derzeit betrieben wird, nicht hinterfragt werden? Zum Beispiel, ob die Fruchtfolgen, also die Kulturen, die auf einem Feld im Laufe der Jahre angebaut werden, zu eng sind. Bei einer "engen" Fruchtfolge wie Weizen, Raps, Mais, Weizen, Raps, Mais zum Beispiel wiederholen sich die Kulturen alle drei Jahre. Bei einer "weiten" Fruchtfolge steht erst jedes siebte oder jedes zwölfte Jahr wieder Weizen auf demselben Acker. Enge Fruchtfolgen sind über alle Betriebsgrößen hinweg weit verbreitet, denn eine weite Fruchtfolge macht mehr Arbeit. Nur Biobauern und Gemischtbetriebe mit mehreren Tierarten wirtschaften grundsätzlich mit weiteren Fruchtfolgen, so wie es früher allgemein üblich war.

Flexitarisch - die globalen Ernährungsgewohnheiten der kommenden Jahrzehnte

Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung wird auf Dauer der Fleischkonsum wohl eingeschränkt werden müssen. Als Eiweißquelle werden statt Fleisch künftig wohl mehr Hülsenfrüchte gegessen. Fachleute gehen davon aus, dass eine flexitarische Ernährungsweise stark an Bedeutung gewinnt. Der Begriff Flexitarier ist aus Vegetariern entstanden, die trotzdem gelegentlich Fleisch essen, dafür aber viel Wert auf die Herkunft und die Qualität des Fleisches legen. Landwirte könnten gut beraten sein, sich darüber jetzt schon Gedanken zu machen, wie sie solchen Ernährungsgewohnheiten gerecht werden können.

Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte haben einen hohen Eiweißgehalt und sind eine wichtige Nahrungsquelle. Um auf die Wertig- und Wichtigkeit von Bohnen, Erbsen und Linsen hinzuweisen, hatten die Vereinten Nationen 2016 zum Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte ausgerufen.


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