Bayern 2 - Notizbuch


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Agro-Photovoltaik Ackerbau unter Kollektoren, Tomaten in der Wüste

Strom ist der Motor, der heute alles antreibt. Im Bereich der Photovoltaik tut sich eine Menge, und auf vielen Freiflächen Deutschlands stehen große Solarparks. Doch darunter ist: nichts. Dabei ließen sich einige Böden vermutlich landwirtschaftlich nutzen. Warum nicht Kartoffeln oder Winterweizen unter den Photovoltaikanlagen pflanzen? Auch im staubtrockenen Australien nutzt man Agro-Photovoltaik, aber anders. Dort wird mit Sonnenstrom Meerwasser entsalzt für die Bewässerung in Gewächshäusern.

Von: Tobias Chmura, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 24.04.2017

In vielen Gegenden der Welt fehlt es an Wasser. Das schränkt eine landwirtschaftliche Erzeugung von Getreide und Gemüse stark ein. Australien zum Beispiel ist staubtrocken. Doch mit Hilfe von Solartechnik wird dort auf einer Farm im südaustralischen Port Augusta Meerwasser entsalzt und Strom und Wärme für Gewächshäuser hergestellt.

Tomatenanbau in der Wüste

Es funktioniert folgendermaßen: Rund um einen 115 Meter hohen Solarturm sind mehr als zwanzigtausend Spiegel angeordnet. Wasser aus dem nahen Meer wird in den Solarturm gepumpt und erhitzt, dabei fällt das Meersalz aus, und es bildet sich landwirtschaftlich nutzbares Süßwasser. Die Photovoltaik-Anlage produziert zudem Energie für Strom und Wärme für die Gewächshäuser. Ohne kostbares Trinkwasser zu verbrauchen, werden dort sogar Tomaten angebaut.

Oben Solar, unten Ackerbau - Forschungsprojekt am Bodensee

Nicht überall herrscht so viel Platz wie in den Wüstenlandschaften Australiens. Der fortschreitende Zubau an Photovoltaik-Kraftwerken auf Deutschlands Freiflächen rückt die Konkurrenz um die Landnutzung zwischen der Produktion von erneuerbaren Energien und Nahrungsmitteln immer mehr in den Fokus.

Am Bodensee kombiniert eine Pilotanlage des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, ISE, deshalb Strom- und Nahrungsmittelproduktion. Die Module sind so hoch angebracht, dass das Feld mit Traktoren und Erntemaschinen befahren und bewirtschaftet werden kann. Das Versuchsfeld in der Gemeinde Herdwangen-Schönach im südlichen Baden-Württemberg ist einzigartig in Deutschland. Auf rund 3.000 Quadratmetern steht diese Photovoltaik-Anlage; die Module bedecken rund ein Drittel der Fläche. Sie sind gleichmäßig verteilt, damit die Sonne dazwischen bis auf den Boden scheinen kann. Bis zum Herbst 2017 wird nun untersucht, wie gut die Pflanzen unter der Anlage wachsen und wie viel Ertrag sie bringen.

Noch rentiert sich die Stromerzeugung nicht finanziell ...

Die Leistung der Solaranlage liegt bei bis zu 194 Kilowatt. Damit lässt sich der Strombedarf von 65 Vier-Personen-Haushalten decken. Rentabel ist die Stromproduktion zurzeit nicht, denn es gibt für Freiflächenanlagen keine Einspeisevergütung mehr. Trotzdem könnte sich Solar auf dem Acker schon bald lohnen:

"Die Solarbranche sagt: Bis 2020, 2022 ist der Preis von den Modulen so niedrig, dass es sich ohne Einspeisevergütung rechnet. Und in dem Moment, wo ich einfache Module aufstellen kann und das, was ich an der Strombörse dafür kriege, reicht, ja, dann gibt es nichts Lukrativeres als die Äcker mit Modulen voll zu knallen und Strom zu machen!"

Thomas Schmid, Landwirt, auf dessen Acker die PV-Module des ISE-Forschungsprojekts stehen


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