Strick-Communities Die neue Woll-Lust
Stricken galt lange Zeit als eher angestaubtes Hobby. Das ist vorbei. Handarbeit ist wieder angesagt. Die neuen Strick-Fans organisieren sich auch übers Internet, zum Beispiel über Ravelry, das als "Facebook für die Strickgemeinschaft" gilt.
Einmal im Monat treffen sich bei Katharina Ritter gut ein Dutzend Frauen und Männer zur langen Strick-Nacht. Sie geben sich gegenseitig Tipps, essen Unmengen Kekse, aber vor allem stricken sie fleißig an Pullis oder Schals. Katharina Ritter betreibt im Hauptberuf das Wollgeschäft Lanaiolo in München. Die Strick-Events organisiert sie nebenbei, weil sie eben gerne mit anderen zusammen strickt. Sie nutzt dafür Ravelry, ein soziales Netzwerk im Internet.
Mit dem Faden durch die ganze Welt
Strickcommunity
Ravelry wird manchmal als "Facebook für die Strickgemeinschaft" bezeichnet, weil es weltweit verbreitet ist und mittlerweile mehr als eine Million Mitglieder hat. Die Nutzer können kostenlos ein Profil anlegen, ihre Strick- Häkel- oder Handarbeitsprojekte vorstellen, Fotos hochladen, sich verabreden oder nach Inspiration suchen.
Die Mitglieder des Netzwerks kommen aus allen Altersklassen und aus allen Teilen der Welt: Afghanistan, Botswana, den USA oder Skandinavien. Gestrickt werden klassische Topflappen, Pullover, Schals, aber auch knallige iPhone-Hüllen oder Comic-Figuren. In Deutschland sind rund 60.000 Mitglieder angemeldet, allein in Bayern gibt es 28 eingetragene Strickgruppen, zum Beispiel die Oberpfälzer Strickliesln, die Landshuter Maschen oder die munich goth knitters für die Freunde des schwarzen Fadens.
"Man kann so richtig in die Tiefen der Strickszene eintauchen: Man sieht in einer Anleitung einen super Pullover und denkt sich; Nee, mit dem Garn mag ich das nicht, kann ich das auch mit einem anderen stricken? Und dann kann man über die Anleitung, über das pattern gucken, wer hat es denn mit etwas anderem gestrickt, als es in der Originalanleitung beschrieben ist."
Katharina Ritter
Strick-Treffs sind sehr beliebt
Neben Ravelry gibt es viele andere Strick-Communities, Blogs und Plattformen im Internet. Das Stricknetz beispielsweise, das Jungshans-Wolle-Form oder das Netzwerk Stitch n Bitch, über das sich vor allem englischsprachige Menschen weltweit verabreden. "Das Internet hat das Stricken verändert", sagt Katharina Ritter. Durch die internationalen Communities haben sich viele englische Begriffe eingebürgert, etwa pattern für Strickmuster oder german potholder für Topflappen. Auch bei Ravelry sind viele Einträge auf englisch.
Und noch etwas hat sich im Laufe der Zeit geändert, erzählt Katharina Ritter. Früher sahen die Leute Stricken als Notwendigkeit an. Heute ist es eher ein Hobby und deshalb würden sich die Leute auch gerne in der Freizeit zum gemeinsamen Stricken treffen. So wie bei ihrer langen Strick-Nacht.
Link-Tipps
Hier finden Sie eine Auswahl an Strick-Communities auf einem Blick:

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