Bayern 2 - Notizbuch


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Vorzeitig in Rente Wenn man's einfach nicht mehr schafft

Ein Unfall beim Freizeitsport, eine chronische Erkrankung, eine körperlich oder seelisch bedingte, dauerhafte Verminderung der Belastbarkeit: wer das erleidet, hat möglicherweise Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Sie kann voll oder teilweise bewilligt werden. Allerdings müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein.

Von: Klaus Boffo

Stand: 14.12.2016

Erwerbsrente | Bild: picture-alliance/dpa

Wieviel Leistungsfähigkeit ist noch vorhanden?

Wer pro Tag nur noch weniger als drei Stunden arbeiten kann, gilt als voll erwerbsgemindert. Reicht die persönliche Leistungsfähigkeit noch für bis zu knapp sechs Stunden berufliche Tätigkeit pro Tag, so spricht man von einer teilweisen Erwerbsminderung. Für Arbeitslose mit gesundheitlichen Einschränkungen gilt hier aber eine günstigere Regelung. Die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung ist in der Regel halb so hoch wie die Rente wegen voller Erwerbsminderung. Wer noch jeden Tag sechs Stunden oder mehr einer Arbeit nachgehen kann, hat keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

"Jeder einzelne wird von uns sozialmedizinisch untersucht. Oft differiert die subjektive Einschätzung zur objektiven Einschätzung. Jeder einzelne sieht sein Leiden als vielleicht sehr schwer an, aber wir haben auch die Verantwortung, sehr gewissenhaft mit den eingezahlten Beitragsgeldern umzugehen."

 Sandra Wissen, Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd

Berufsschutz gibt es nicht mehr

Sandra Wissen, Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd

Anders als früher wird heute nicht mehr gefragt, ob der Betreffende seinen konkreten bisherigen Beruf noch ausüben kann; es geht allein um die allgemeine Fähigkeit, am Erwerbsleben teilzunehmen. Nur Antragstellern, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, hat der Gesetzgeber einen Vertrauensschutz gewährt. Für sie spielt die einstige Definition der Berufsunfähigkeit und die konkrete Lage auf dem Arbeitsmarkt noch eine Rolle.

Frührentner müssen mit wenig Geld auskommen

Eine Erwerbsminderungsrente beläuft sich im Durchschnitt derzeit auf 628 €. Den sogenannten Frührentnern fehlen oft gerade die Berufsjahre im fortgeschrittenen Alter, wo ein Gesunder meist vergleichsweise gut verdient und entsprechend hohe Beiträge einzahlt. Immerhin wird Beziehern einer Erwerbsminderungsrente eine sogenannte Zurechnungszeit angerechnet: wer in jüngeren Jahren schon erwerbsgemindert ist, dessen Rentenanspruch wird so berechnet, als hätte er bis zum 62. Lebensjahr weiterhin soviel verdient wie im Durchschnitt seiner geleisteten Berufsjahre. Bis zum 1. Juli 2014 lag diese Grenze bei 60 Jahren. Auch bei der Berechnung des anzusetzenden Durchschnittsgehalts brachte das Rentenpaket 2014 gewisse Verbesserungen.

Verhängnisvolle Lücken im Versicherungsverlauf

Für den Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente muss man die übliche Wartezeit von mindestens fünf Jahren erfüllt haben. Zusätzlich müssen innerhalb der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsunfähigkeit mindestens drei Jahre mit Pflichtbeiträgen belegt sein. Wer in seinem Leben zuletzt längere Zeit keine versicherungspflichtige Tätigkeit ausgeübt hat, scheitert unter Umständen an dieser Hürde.

Komplizierte Hinzuverdienst-Regelungen

Es klingt zunächst paradox – aber so mancher, der voll oder teilweise erwerbsunfähig ist, übt in gewissem Umfang doch noch eine berufliche Tätigkeit aus – oft gezwungenermaßen, um finanziell über die Runden zu kommen. Bis zur Grenze von 450 Euro im Monat ist das nicht schädlich, jenseits dieser Grenze aber kann es sein, dass ihm seine Erwerbsminderungsrente gekürzt oder ganz gestrichen wird. Bei diesem Thema ist eine persönliche Beratung bei einer der offiziellen Stellen unabdingbar.

Und wenn die befristete Rente ausläuft?

Obwohl eine „Frührente“ nur gewährt wird, wenn die Erwerbsminderung auf nicht absehbare Zeit besteht, werden Erwerbsminderungsrenten grundsätzlich nur für befristete Zeit bewilligt.

"Wir empfehlen dann immer, etwa vier Monate vor Ablauf der Befristung einen neuen Antrag zu stellen, um prüfen zu lassen, ob die Rente weiter gewährt werden kann."

Sandra Wissen, Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd


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