Bayern 2 - Notizbuch


5

Rente: der Fiskus kassiert mit! Was Rentner bei der Steuer beachten müssen

Die Rekordwerte von 2016 werden nicht wieder erreicht - aber auch zum 1. Juli 2017 steigen die gesetzlichen Renten, im Westen um 1.9 Prozent, im Osten um 3,59 Prozent. Für immer mehr Rentenbezieher aber steigt die Steuerlast.

Von: Christine Bergmann, Klaus Boffo

Stand: 08.05.2017

Ein Rentner ist vertieft in das Ausfüllen der Anlage R (Versteuerung von Renten) für die Einkommensteuererklärung  | Bild: picture-alliance/dpa

Einnahmen sind steuerpflichtig, egal wo sie herkommen. Also auch Rentenbezüge. Und wer mehr bekommt, der muss auch mehr zahlen. Heißt das jetzt, dass die Rentenerhöhung komplett aufgefressen wird? Nein - natürlich nicht. Die Steuer bei Rentnern bemisst sich - wie bei allen Arbeitnehmern - nach dem zu versteuernden Einkommen. Sprich, es werden zum Beispiel Freibeträge abgezogen oder man kann Sonderausgaben geltend machen.

Seit 2005: schrittweise stärker in die Steuerpflicht

Darüber hinaus gibt es eine Besonderheit, die die Rente steuerlich grundlegend von anderen Einkunftsarten unterscheidet: nur ein bestimmter Teil der Rente ist nämlich steuerpflichtig, der Rest von vornherein steuerfrei. Und diese beiden Anteile verändern sich von Jahr zu Jahr - die Renten werden schrittweise immer mehr in die Steuerpflicht einbezogen.  Entscheidend ist, in welchem Kalenderjahr man erstmals eine Rente bezogen hat – also das Jahr des Renteneintritts.

Dieser Prozess begann im Jahr 2005. Wer damals neu in Rente ging, für den wurden 50 % der Bruttorente (vor Abzug des Beitrags zur Kranken- und Pflegeversicherung) als steuerpflichtiges Einkommen angesetzt. Mittlerweile liegt dieser Prozentsatz bei 74 %, wer also 2017 neu in Rente geht, muss nahezu drei Viertel seiner Brutto-Rentenbezüge beim Finanzamt versteuern.

Der Teil der Rente, der nicht der Besteuerung unterliegt, heißt „Rentenfreibetrag“. Für Neurentner des Jahres 2005 waren das 50 %, bei Neurentnern 2017 sind es nur noch 26 % ihrer Brutto-Rente. Dieser Rentenfreibetrag bleibt für den einzelnen in allen Folgejahren unverändert – jedoch nicht in Form eines Prozentsatzes, sondern als fester Euro-Betrag.

Wer beispielsweise 2016  in Rente gegangen ist  und brutto 1000 Euro Rente bezieht, muss davon 72 %, also 720 Euro,  als steuerpflichtiges Einkommen melden, 300  Euro bleiben beim Finanzamt außen vor. Steigt nun am 1. Juli 2017 seine Rente um 1,9 % auf 1019,00 Euro, so gelten weiterhin 300 Euro als Rentenfreibetrag – der größer gewordene Rest aber unterliegt der Steuerpflicht.

Indem der Steuerfreibetrag eingefroren ist, erhöht sich  somit nach und nach der  steuerpflichtige Anteil an der Rente. Für diejenigen, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, liegt der steuerfreie Anteil ohnehin  prozentual von Jahr zu Jahr niedriger.

Ziel: die komplette „nachgelagerte“ Besteuerung

Der Prozess der schrittweise steigenden Besteuerung der Renten erstreckt sich bis ins Jahr 2040 – wer dann neu in Rente geht, muss 100 % seiner Bruttorente versteuern. Umgekehrt werden aber die Beitragszahler – also die Arbeitnehmer, solange sie aktiv im Berufsleben stehen - steuerlich entlastet. Sie können Aufwendungen für ihre Altersvorsorge verstärkt als Sonderausgaben steuerlich absetzen; auch hier geht es seit 2005 schrittweise voran. Ab 2025 sind die Beiträge (bis zu einem Höchstbetrag) in voller Höhe steuerlich absetzbar.

Dieser Übergang zur sogenannten „nachgelagerten“ Besteuerung war durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2002 notwendig geworden. Es ging dabei um die Gleichbehandlung der gesetzlichen Rente mit den Beamtenpensionen.

Die Höhe der Steuer ist individuell unterschiedlich

Die zunehmende Einbeziehung von Renten in die Besteuerung bedeutet nicht in jedem Einzelfall, dass auch tatsächlich Steuern fällig werden. Was am Ende beim Steuerbescheid herauskommt, hängt von der individuellen Situation ab. Die Höhe der eigenen Rente ist dabei nur ein Baustein. Hinzu kommen andere regelmäßige Altersbezüge – etwas aus einer Hinterbliebenenversorgung, aus Betriebsrenten, Lebensversicherungen, aber auch aus Mieterträgen oder Kapitaleinkünften. Und wie alle Steuerpflichtigen können auch Rentnerinnen und Rentner die Freibeträge in Anspruch nehmen, wie sie  für Alleinstehende oder Verheiratete gelten.

"Die Schallgrenze für die Steuerpflicht dürfte sein bei Ehegatten, wenn sie im Monat 2000 Euro verdienen, und bei Ledigen ein Tausender."

Fritz Winkler, Steuerberater

Sonderausgaben und Werbungskosten

Zu den Sonderausgaben gehören unter anderem die Beiträge zur Krankenversicherung, aber auch die für Haftpflicht- und Unfallversicherung. Auch Werbungskosten können Rentner absetzen, da gibt es einen Pauschbetrag von 102 Euro, den kann jeder in die Steuererklärung eintragen, ohne Belege. Nur wenn es mehr ist, dann will das Finanzamt Quittungen sehen. Möglicherweise gibt es auch außergewöhnliche Belastungen: Das sind in der Regel Krankheitskosten, die unzumutbar hoch sind, zum Beispiel bei chronischen Krankheiten, wenn die Kasse nicht alles übernimmt.

"Er wird, wenn er Rentner ist und sonst nichts hat, garantiert nicht im Spitzensteuersatz liegen, sondern im unteren Bereich. Und dann nimmt ihm der Staat von dem steuerpflichtigen Teil seiner Rente vielleicht zwischen zehn und 25 % in Form von Einkommensteuer wieder weg."

 Fritz Winkler, Steuerberater

Auch für Rentner gilt der Grundfreibetrag

Insgesamt kann von der Rente also noch einiges abgezogen werden, und erst dann bekommt man das zu versteuernde Einkommen beziehungsweise, die zu versteuernde Rente. Und auch für Rentner gilt natürlich der Grundfreibetrag. Wer als Alleinstehender weniger als 8.652 Euro im Jahr bekommt, zahlt gar keine Steuern.


5