Bayern 2 - Notizbuch


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Nachhaltig ernähren Zurück zu Kraut und Rüben?

Der Blick auf das feilgebotene Obst- und Gemüsesortiment verrät die Jahreszeit längst nicht mehr. "Saison" hat immer irgendwo auf der Welt ein Produkt. Auch Regionalität ist nicht zwangsläufig der Heilsbringer, wird doch auch hierzulande im Gewächshaus oder unter Folie angebaut. Wenn Ernährung wirklich nachhaltig sein soll, dann muss beides zusammentreffen: Regionalität UND Saisonalität. Und nicht zuletzt bedeutet nachhaltige Ernährung wohl auch den Abschied vom täglichen Stück Fleisch.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 12.01.2017

Regional + Saisonal = Nachhaltig

Spuren, die wir hinterlassen

Nach Angaben des Umweltbundesamtes setzt jeder Deutsche pro Jahr rund elf Tonnen CO2 und andere klimaschädliche Treibhausgase frei; etwa 1,75 Tonnen davon entfallen auf die Ernährung.

Doch der vom jahreszeitlich heimischen Angebot entkoppelte Speiseplan hat seinen Preis: der ökologische "Fußabdruck" dieses Ernährungsstils ist enorm. Natur- und Umweltschützer wie auch Verbraucherverbände raten deswegen zum Einkauf von Saisonware. Steckrüben, Pastinaken, Lauch, Grünkohl, Rosenkohl, Rote Beete, Wurzelpetersilie, Weiß- und Blaukraut sind zum Beispiel heimische Wintergemüsesorten. Sie haben keine langen Anfahrtswege und sie sind gut halt- und lagerbar.

Abschied vom täglichen Stück Fleisch

Gleichwohl solle bei allem Nachdenken über die Ökobilanzen von Obst und Gemüse aber auch der Spaß am Essen nicht verloren gehen, sagt etwa der Schweizer Ökobilanzier Dr. Niels Jungbluth. Er vertritt die Ansicht, dass für ein umweltbewusstes Verhalten vielmehr der Fleischkonsum überdacht werden muss.

Dr. Niels Jungbluth, Ökobilanzierer | Bild: Privat/Dr. Niels Jungbluth

"Im Winter ist das Angebot sehr eingeschränkt, und man sollte nicht alles verteufeln. Bananen mit dem Schiff oder Südfrüchte aus Spanien oder so, verursachen jetzt vielleicht höhere Umweltbelastungen. Andererseits müssen wir sehen: Fleisch ist das deutlich wichtigere Thema! Man muss Ernährung auch als Ganzes sehen, Und wenn man das anschaut, machen tierische Produkte über 50 Prozent der Belastung aus. Also Früchte und Gemüse sind nur ein Randbereich. Viel wichtiger für ein umweltbewusstes Verhalten ist es, den Fleischkonsum zu reduzieren. Fleisch nur zwei- bis dreimal die Woche."

Niels Jungbluth

Wann hat was Saison bei uns?

Saisonkalender: Heimisches Obst

 Jan.Feb.MärzAprilMaiJuniJuliAug.Sep.Okt.Nov.Dez.
ÄpfelLLLLLFFFLL
AprikosenFF
BirnenLFFLLL
BrombeerenFFF
ErdbeerenGAFFFFGA
HeidelbeerenFF
HimbeerenGAFF
JohannisbeerenFFF
Kirschen, sauerFF
Kirschen, süßGA/FFF
MirabellenFF
PfirsicheFF
PflaumenFF
QuittenFF
StachelbeerenFFF
TafeltraubenFFF

Quelle: https://www.verbraucherzentrale.de/media222992A.pdf

F = Freilandprodukte: sehr geringe Klimabelastung
L = Lagerware: geringe bis mittlere Klimabelastung
GA = "Geschützter Anbau" (Abdeckung mit Folie oder Vlies, ungeheizt): geringe bis mittlere Klimabelastung

Saisonkalender: Heimisches Gemüse

 Jan.Feb.MärzAprilMaiJuniJuliAug.Sep.Okt.Nov.Dez.
BlumenkohlGAFFFFFFF
BohnenFFFFF
BrokkoliFFFFFFF
ChicoréeLLLLLLLLLLLL
ChinakohlLLLLGAFFFFFFL
ErbsenFFFFF
FenchelGAFFFFFF
GrünkohlFFFFFF
Gurken: Salat-,
Minigurken
!!!/KG!/KG!/KG!/KG!/KG!/KG!/KG
Gurken: Einlege-,
Schälgurken
FFFF
KartoffelnLLLLLL/FL/FL/FL/FL/FL/FL
L
KohlrabiGA/FFFFFFKG
KürbisLLLFFFFL
MöhrenLLLLL/GAL/FFFFFFL
Pastinaken; WurzelpetersilieLLLLFFFFL
Porree (Lauch)L/FL/FL/FFFFFFFFFF
RadieschenKG/GAFFFFFFF/KG
RettichLLLLL/FFFFFFFL
RhabarberGAFFFF
RosenkohlF/LF/LLFFFF
Rote BeeteLLLLLFFFFFFL
RotkohlLLLLLL/GAFFFFFL
SchwarzwurzelLLLFFFL
Sellerie: KnollensellerieLLLLLLFFFFFL
Sellerie: StangensellerieGAFFFFFF
SpargelGA/FFF
Speiserüben
(Mai-/Herbstrüben)
GAFFFFFF
SpinatFFFFFFFF
SpitzkohlLLGAFFFFFFL
Steckrüben (Kohlrüben)LLFFFFL
Tomaten: geschützter AnbauGAGAGAGA
Tomaten: Gewächshaus!!!/KG!/KG!/KG!/KG!/KG!/KG!
WeißkohlLLLLL/GAL/GAFFFFFL
WirsingLLLLLGAFFFFFL
ZucchiniGAFFFF
ZuckermaisFFF
ZwiebelnLLLLLL/GAFFFFLL
Zwiebeln: Bund-, Lauch-, FrühlingszwiebelnGA/FFFFFFFF

Quelle: https://www.verbraucherzentrale.de/media222992A.pdf

F = Freilandprodukte: sehr geringe Klimabelastung
L = Lagerware: geringe bis mittlere Klimabelastung
GA = "Geschützter Anbau" (Abdeckung mit Folie oder Vlies, ungeheizt): geringe bis mittlere Klimabelastung
KG = Produkte aus ungeheizten oder schwach geheizten Gewächshäusern: geringe bis mittlere Klimabelastung
! = Produkte aus geheizten Gewächshäusern: hohe Klimabelastung

Saisonkalender: Heimische Salate

 Jan.Feb.MärzAprilMaiJuniJuliAug.Sep.Okt.Nov.Dez.
EissalatGA/FFFFFF
EndiviensalatGA/FFFFFFF
FeldsalatGAGAGAGAFFFFFFF/GAGA
Kopfsalat, bunte SalateKGKG/GAFFFFFFKG
RadiccioFFFFFF
RomanasalateGA/FFFFFFF
Rucola (Rauke)GAGAGAGAFFFFFFF/GAGA

Quelle: https://www.verbraucherzentrale.de/media222992A.pdf

F = Freilandprodukte: sehr geringe Klimabelastung
L = Lagerware: geringe bis mittlere Klimabelastung
GA = "Geschützter Anbau" (Abdeckung mit Folie oder Vlies, ungeheizt): geringe bis mittlere Klimabelastung
KG = Produkte aus ungeheizten oder schwach geheizten Gewächshäusern: geringe bis mittlere Klimabelastung

Link zum Saisonkalender der Verbraucherzentrale


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