Bayern 2 - Notizbuch


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Ackerbau im Klimawandel Regenwürmer helfen beim Bodenschutz

Immer häufiger haben Landwirte heute mit Starkregen-Ereignissen und Trockenphasen zu kämpfen. Das heißt auch, dass die Zeiten eines sorglosen Umgangs mit der wertvollen Ressource Boden vorbei sind. Bei Starkregen können die Regentropfen sehr groß sein und dadurch eine so starke kinetische Energie haben, dass sie in nur wenigen Minuten die Krümel in der Erde zerstören können. Schon jetzt gibt es Felder, auf denen dann der ganze Boden weggeschwemmt wird, weil er das Wasser nicht aufnehmen kann.

Von: Ulrich Detsch, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 15.09.2017

Noch häufig befahren Bauern ihre Böden mit schweren Maschinen und erdrücken dadurch geradezu das Leben unter der Ackeroberfläche. Oft sind die Böden völlig platt. Bei Trockenheit wird die Oberfläche hart wie Beton. Es kommt keine Luft mehr rein, Wurzeln und Bodenleben können nicht atmen. Bodenfachleute appellieren deshalb an Bauern, sich vom radikal wendenden Pflug zu verabschieden. Stattdessen sollten sie das flache Lockern mit dem Grubber bevorzugen, damit stets organische Masse als Nahrung für Regenwürmer auf der Ackeroberfläche liegt, der so genannte Mulch.

Regenwürmer und Glyphosat

Kleegras als Zwischenfrucht

Viele Landwirte stehen aber dann vor einem Dilemma, wenn sie den Winter über ihren Ackerboden vor Erosion mit einer Zwischenfrucht schützen und die Reste dieser Zwischenfrucht nicht komplett mittels Pflug unter der Ackeroberfläche verschwinden lassen, sondern nur flach grubbern. Dann konkurrieren die Reste einer Zwischenfrucht mit der neu gesäten Sommerkultur. Der eine oder andere Landwirte spritzt dann vor der Saat die Kleegrasreste mit Glyphosat ab. Der öffentlich umstrittene Wirkstoff tötet auf einem Acker effizient und kostengünstig jegliche Pflanzen, die mit anschließend gesäten Kulturen wie Mais um Wasser und Nährstoffe konkurrieren würden. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft kommt aufgrund ihrer Beobachtungen zur Einschätzung, dass Bodenbedeckung und Mulchverfahren dem Regenwurm mehr nutzen als dass ihm der Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat schadet.

Mechanische Bodenbearbeitung oder Chemiekeule - ein Praxis-Versuch

Stefan Hollfelder (links) und Anton Weig (rechts)

Anton Weig ist Pflanzenbauberater am Amt für Landwirtschaft und Ernährung in Bad Staffelstein. Er und Landwirt Stefan Hollfelder aus Litzendorf experimentieren auf einem Maisacker im Praxisversuch mit verschiedenen Methoden der Bodenbearbeitung. Vor der Maissaat hatte Bauer Hollfelder auf dem Acker den Winter über Kleegras als Zwischenfrucht stehen. Das erntete er im Frühjahr als Futter für seine Milchkühe. Dann spritzte der Landwirt auf einigen Parzellen vor der Saat die Kleegrasreste mit Glyphosat ab, auf anderen Parzellen grubberte er mehrmals flach. Das Ergebnis war erstaunlich: Der Blick in die Maisreihen und auf den Pflanzenbestand zeigte in Bezug die Regenwürmer keine Unterschiede. In beiden Vesuchsäckern waren sie vorhanden.

Bodenverbesserer, Hochwasserschützer, Erosionsverhinderer

Regenwurm zieht ein Blatt in den Boden

Regenwürmer, diese unterirdischen Nutztiere der Bauern, mögen keinen Pflug, weil er ihre Nahrung auf einen Schlag tief in der Erde vergräbt. Regenwürmer ziehen aber ihre Mahlzeiten auch über frostfreie Winterperioden hinweg nach und nach von der Ackeroberfläche tief in ihre Grabröhren und geben die Verdauungsreste wieder zurück nach oben. Wenn nun der Bauer mit den Zinken seines Grubbers die Krume nur flach lockert, machen Regenwürmer und ihre Verbündeten, die Springschwänze, Käfer und Mikroorganismen, den Acker elastisch und tragfähiger für Maschinen.

Folgen des Klimawandels erfordern Umdenken im Ackerbau

zum Video mit Informationen Erosion Wenn der Boden verschwindet

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Mulch schützt den Humus vor Abschwemmung bei Starkregen, also vor Erosion. Mulch ist auch die Nahrung für die Regenwürmer. Regenwürmer sorgen für die feinen Röhren im Boden, durch die Luft und Wasser in den Boden eindringen können. Dieses Wasser-Eindringvermögen ist besonders wichtig. Das Wasser soll schließlich nicht weglaufen. Ein gesunder Boden kann das Wasser speichern und auch wieder hergeben. 

Regenwürmer sind damit auch Hochwasserschützer, sie machen jeden Acker bildlich gesprochen zum Schwamm. Regenwürmer sind auch Erosionsverhinderer, weil das Wasser bei Starkregen dank ihrer Grabröhren tief in den Boden eindringen kann, statt ihn an der Oberfläche abzutragen und in den nächsten Graben, Bach oder Fluss zu spülen.


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