Bayern 2 - Notizbuch


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Sturmholz ohne Ende Orkanschäden machen Waldbauern zu schaffen

Stattliche Bäume sind im unteren Drittel einfach abgeknickt, bei anderen sind die Wipfel abgerissen. Statt Baumkronen ragt jetzt zersplittertes Holz in den Himmel. Mit über 200 Kilometern pro Stunde fegte der Sturm Mitte August über den Hang an der Steinhofmühle bei Hauzenberg.

Von: Cornelia Benne, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 29.09.2017

Auch gut einen Monat nach dem Orkan hat Landwirt Josef Kimminger den Weg in seinen Wald noch nicht frei räumen können. Dicke Baumstämme und abgerissene Äste liegen kreuz und quer, so wie der gewaltige Sturm sie in seiner brutalen Laune in der Nacht vom 18. August hingeworfen hat. Sturm und Hagel vernichteten mehr als die Hälfte der Maisernte des Milchbauern und gut zwei Drittel seiner zwölf Hektar Wald.

In 20 Minuten war der Wald zerstört

Sturmschaden am Hausdach | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Orkan und Starkregen Sturmschäden richtig versichern

Starkregen mit Überschwemmungen oder heftige Stürme richten auch in Bayern große Schäden an. Dagegen kann man sich versichern, eine Police für alle Eventualitäten aber gibt es nicht. [mehr]

Einige Bäume von Waldbesitzer Kimminger aus Hauzenberg in Niederbayern sind über 200 Jahre alt. Buchen, Fichten, Tannen, Kiefern und Eichen. Die Familie holt hier seit Generationen ihr Bau- und Brennholz und hat immer dafür gesorgt, dass genügend junge Bäume nachwachsen. Der Wald hat früheren Stürmen Stand gehalten, Orkan "Wiebke" zum Beispiel, der in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1990 wütete. Dieser Wald ist also ein richtiger Mischwald - so, wie jeder Förster ihn gerne sehen würde. Doch die Windgeschwindigkeiten waren so extrem, dass Förster wie Michael Bartl von "wirklichen Ausnahmeerscheinungen" sprechen.

Förster Bartl (links) mit Waldbesitzer Josef Kimminer bei der Bestandsaufaufnahme

"Wenn hier ein reiner Fichtenbestand gewesen wäre, hätten wir noch einen viel größeren Schaden gehabt."

Michael Bartl, Revierförster

Vorsicht, Lebensgefahr! Nicht selber Hand anlegen

Um die Organisation der professionellen Aufräumarbeiten kümmern sich die Waldbesitzervereinigungen.

Waldbesitzer Josef Kimminger kann erst in ein paar Wochen damit beginnen, seinen Wald "aufzuräumen". In der Region sind alle Maschinen im Einsatz. Waldbauern sollten jetzt aber auf gar keinen Fall selber zur Motorsäge greifen. Es geht nicht ohne professionelle Hilfe, warnen die Behörden, denn die ineinander verbogenen und geknickten Bäume stehen unter Spannung. Es besteht höchste Lebensgefahr.

"Sturmholzaufarbeitung und sichere Waldarbeit"

Informationen zum Thema Sturmholzaufarbeitung und einer sicheren Waldarbeit erhalten Waldbesitzer auch im Internet unter www.svlfg.de. Geben Sie dort im Suchfenster als Stichwort sturmholz ein.

Was den Borkenkäfer betrifft, haben die Waldbesitzer in der Gegend aber offenbar Glück im Unglück. Dadurch, dass es kühler und regnerisch geworden ist, kann der Borkenkäfer keine neue Population mehr ausbilden. Dem Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigung in Wegscheid zufolge bleibt deshalb Zeit bis nächstes Jahr März, April, vielleicht sogar noch bis zum Mai.

Der Notizbuch - Hörtipp!

Fast eineinhalb Monate sind seit der Sturmkatastrophe inzwischen vergangen. Die momentan wohl wichtigste Maßnahme sind die Aufräumarbeiten.

Interview mit Georg Windisch, Leiter der Forstverwaltung im bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am 28. September im Notizbuch.

Hilfen für sturmgeschädigte Waldbesitzer

Forstminister Helmut Brunner hat bekanntgegeben, dass die vom Gewittersturm "Kolle" geschädigten Waldbesitzer in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau ab sofort Zuschüsse für die Räumung ihrer verwüsteten Wälder beantragen können. Laut Helmut Brunner betragen die Räumungszuschüsse je nach Schädigungsgrad zwischen 3.000 und 6.000 Euro pro Hektar; die Räumungszuschüsse sind Teil des 100-Millionen-Euro-Sofortprogramms, das die Staatsregierung Anfang September zur Unterstützung der sturmgeschädigten Waldbesitzer beschlossen hat.

Die Anträge können bis einschließlich 15. November bei den zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, AELF, Passau-Rotthalmünster und Regen gestellt werden. Die dafür notwendigen Unterlagen gibt es bei den Ämtern, den örtlich zuständigen Förstern oder im Internet unter www.forst.bayern.de.

Darüber hinaus bieten die Ämter Informationsveranstaltungen an, bei denen die Unterlagen ausgegeben und die für die Antragstellung erforderlichen Schritte erklärt werden.
OrtTreffpunktDatum und Uhrzeit
Bad HöhenstadtGasthof Lustinger, Bad Höhenstadt 30, 94081 Fürstenzell29.09.17, 19.30 Uhr
BreitenbergGasthof Breitenberger Hof, Bergsiedlung 2, 94139 Breitenberg04.10.17, 19.30 Uhr
BüchlbergGasthof Escherich, Hauptstr. 1, 94124 Büchlberg28.09.17, 19.30 Uhr
GermannsdorfGasthof Höfler, Hauptstr. 18, 94051 Hauzenberg28.09.17, 19.30 Uhr
JandelsbrunnGasthaus Bauer, Hintereben, 94118 Jandelsbrunn29.09.17, 19.45 Uhr
NeureichenauGasthaus Zum Kani Wirt, Klafferstraß 1, 94089 Neureichenau30.09.17, 19.45 Uhr
OberdiendorfGasthaus Ritzer, Tiemostr. 6, 94051 Hauzenberg29.09.17, 19.30 Uhr
OberneureuthGasthaus Am Flugplatz, Oberneureuth 42A, 94164 Sonnen28.09.17, 19.30 Uhr
SalzwegLandgasthof Spetzinger, Passauer Str. 13, 94121 Salzweg28.09.17, 19.30 Uhr
SchaibingRestaurant Schaibinger Stubn, Schaibinger Str. 21; 94107 Untergriesbach29.09.17, 19.30 Uhr
Schalding l.d.D.Gasthaus Öller, Niederharter Str. 5, 94034 Passau04.10.17, 19.30 Uhr
ThyrnauLandgasthof Grinninger, Hofmarkstr. 32, 94136 Thyrna04.10.17, 19.30 Uhr
WaldkirchenLandgasthaus Eckerl, Böhmzwiesel 1, 94065 Waldkirchen02.10.17, 19.45 Uhr

Angaben ohne Gewähr, Änderungen möglich.


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