Nagellack, Kondome, Medikamente Das stille Örtchen als Abfalleimer
Rund 40 Liter Wasser spülen wir täglich durch die Toilette - oft mit diversen Zugaben: Medikamente, Hygieneartikel, Essensreste. Das WC wird gerne als Mülleimer zweckentfremdet, getreu dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn.
Der Toiletten-Müll verschwindet natürlich nicht wirklich. Fett, Kondome, Wattestäbchen und sonstige Abfälle tauchen nur ab - und in der Kläranlage wieder auf:
"Wir finden jegliche Art von Damenhygiene, Unterhosen, Socken, Kleiderstücke, ... Essensreste, eigentlich ist im Kanal alles zu finden, was im häuslichen Gebrauch irgendwie Verwendung findet. Tabletten natürlich, ... teilweise noch eingeschweißt. Alles, es wird alles über die Toilette entsorgt, ... bei vielen Leuten ist das einfach so."
Markus Segerer, Rohr- und Kanalinspekteur
Auch Kläranlagen haben Grenzen
Moderne Kläranlagen können zwar die meisten Abfallstoffe aus dem Wasser herausfiltern, selbst Phosphate und Stickstoffverbindungen - aber eben nicht alle. Hormone sind die Achillesferse der Kläranlagen: Sie können mit konventionellen Methoden nicht gefiltert werden. Hormonverbindungen sind in Medikamenten zu finden, vor allem in der Anti-Baby-Pille. Laut einer Schätzung des Bundesumweltamtes werden deutschlandweit jedes Jahr mehrere hundert Tonnen an Arzneimitteln und Arzneimittelrückständen über die Toilette entsorgt: Entweder auf natürlichem Weg über Körperausscheidungen, oder weil Rest-Medikamente im heimischen WC landen.
Folgen für Mensch und Tier
Je mehr Medikamentenrückstände in der Umwelt zu finden sind, desto leichter lernen Keime und Krankheitserreger, Resistenzen gegen diese Medikamente zu entwickeln. Es entstehen sogenannte multiresistente Keime. Diese wiederum schränken die Therapiemöglichkeiten der Ärzte zum Teil drastisch ein. Neue Arzneien müssen entwickelt werden, was Zeit und Geld kostet. Das ist jedoch nicht das einzige Problem: Arzneimittelreststoffe, die in die Umwelt gelangen, können Flora und Fauna nachhaltig verändern: Das Rheumamittel Diclofenac beispielsweise führt bei Fischen zu Nierenschäden, wenn es ins Wasser gelangt.
Die Geister, die ich rief ...
Zum Nachhören
Hinzukommt, dass die Zusammensetzung unserer Lebensmittel und Haushaltsstoffe immer komplexer wird: Ob Zahnpasta, Duschgel, Reinigungsmittel oder Süßwaren: Sie alle enthalten inzwischen oft zahlreiche Duft- und Farbstoffe, die es vor wenigen Jahrzehnten in dieser Form noch gar nicht gab, und die sich schlimmstenfalls in Gewässern anreichern können.
Aktivkohle: die Lösung?
Abhilfe schaffen könnten modernste Aktivkohlefilter. Sie sind in der Lage, bis zu 80 Prozent der Wirkstoffe aus dem Wasser herauszufiltern. Deutschlandweit gibt es bereits einzelne Kläranlagen, bei denen Aktivkohle zur Anwendung kommt. Allerdings ist der Einsatz dieser Filter aufwändig, außerdem muss auch die belastete Aktivkohle entsorgt werden.
Bis dahin jedenfalls ...
... heißt das beste Verfahren nach wie vor: Spurenstoffe erst gar nicht ins Wasser gelangen lassen. Waschmittel, Duschgel und Klopapier wirken auch ohne Duftstoffe, und dass Restmedikamente nicht in die Toilette gehören, sollte sich von selbst verstehen. Auch übertriebener Ordnungssinn kann mitunter fehl am Platz sein: Spülen Sie die leere Hustensaftflasche ausnahmsweise nicht aus, bevor sie in den Restmüll kommt - und nicht ins Altglas. Und auch feste Reststoffe gehören nicht in die Toilette. Die gelangen zwar in aller Regel nicht in die Umwelt, belasten aber das Abwassersystem zusätzlich.
Auch Bratfett und Speiseöl gehören in die Mülltonne
Fett und Öl sollten unter keinen Umständen über die Toilette oder den Abguss entsorgt werden. Denn erkaltetes Fett wird wieder hart und kann das Abwasserrohr verstopfen. Öl bleibt zwar flüssig, strapaziert aber selbst moderne Kläranlagen enorm. Fett und Öl gehören daher in eine Plastiktüte oder in einen Behälter und dann in die Mülltonne. Optimal ist die Entsorgung auf dem Wertstoffhof.

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