Bayern 2 - Notizbuch

Groß, luftig, teuer und umstritten Von der Schwierigkeit, einen Stall zu bauen

Einen Stall zu bauen, das ist für einen Landwirt ein großes Vorhaben – nicht nur weil es um viel Geld geht. Es gibt viele Auflagen und Vorschriften, mit denen man sich auseinander setzen muss. Wichtiger noch: Die Stall-Bauherrn müssen sich der Frage stellen, ob und wie es weiter geht mit dem eigenen Hof. Denn nur wer eine Perspektive hat, nimmt die Mühen und Kosten auf sich. Auch die Politik mischt mit beim Thema Stallbau: Die Förderung wird ab diesem Jahr wieder kräftig erhöht, es werden also demnächst wohl wieder mehr Ställe gebaut.

Von: Jutta Schilcher Stand: 22.01.2013
Illustration "Stallbau-Planung", Meterstab und Hausbauskizze, dahinter neugiere Hühner | Bild: colourbox.com, Montage: BR/Renate Windmeißer

Das Bauen eines Stalles ist zusätzlich eine Belastung für jeden Landwirt, weil er das in der Regel neben der Arbeit machen muss.

"War ein hartes Jahr, auch für die Familie (…) Im Betrieb ist die Milchleistung natürlich zurückgegangen (...)"

Anton Guggemos, Landwirt aus Roßhaupten

Warum Landwirte wie Anton Guggemos die Mühe und auch die Kosten auf sich nehmen, einen neuen Stall für ihre Tiere zu bauen, zeigt ein Blick in den alten: Zumeist vergleichsweise niedrige Decken, eng und stickig. Ganz anders dann der neue Stall: Er bietet viele Vorteile für Mensch und Tier. Ein Betrieb muss gut laufen, damit sich der Neubau auch rentiert: Etwa zehntausend Euro pro Kuh-Platz muss man an Kosten für einen neuen Stall rechnen - das ist eine recht zuverlässige Faustformel. Wer auch noch einen Melk- oder einen Fütterungsroboter kauft, muss noch mehr viel mehr Geld hinlegen.

Bis zur Fertigstellung vergeht mindestens ein Jahr

Familie Guggemos hat im November 2011 zusammen mit der Stallbau-Firma einen neuen Stall geplant und die Genehmigungsunterlagen bei der Gemeinde eingereicht. Von dort gingen sie ans Landratsamt und dann wieder zurück an den Bauherren. Der Bauer konnte ohne Verzögerungen loslegen und steht jetzt, ein Jahr später, in seinem fast fertigen Stall. Das ist bei Stallneubauten längst nicht die Regel.

Für den Stallbau gibt es zahlreiche Vorschriften

Gebaut wird am Rand oder außerhalb der Ortschaft

Inzwischen werden neue Ställe fast immer am Rand oder ganz außerhalb der Dörfer gebaut, denn innerorts wollen immer weniger Menschen die Begleiterscheinungen eines Stalls hinnehmen; man könnte die Tiere riechen oder hören.

Der richtige Abstand zu den Nachbarn ist wichtig, je nachdem welche und wie viele Tiere man hält. Die Größe des Stalls muss stimmen, die Belüftung, der Brandschutz und vieles andere mehr. Das größte Problem ist momentan offenbar der Immissionsschutz. Wenn die rechtlichen Hürden genommen sind, beginnt die Arbeit, die auch normale Häuslebauer trifft: Welches Dach? Mit oder ohne Solarmodule? Schiebe- oder Flügeltore? Hubfirst oder Schiebefirst? Auch im Stallbereich gibt es inzwischen eine riesige Auswahl.

"Einzelbetriebliche Investitionsförderung" vom Freistaat Bayern

Während es in den letzten zwei Jahren nur noch 20 Prozent Stallbau-Zuschuss vom Staat gab, liegt er seit Anfang Januar 2013 wieder bei 25 Prozent beziehungsweise 35 Prozent, wenn man beim Stallbau viel Wert auf den Tierschutz legt, also einen besonders artgerechten Stall baut. Der offizielle Begriff für den Zuschuss lautet übrigens "Einzelbetriebliche Investitionsförderung". Die entsprechende Richtlinie des bayerischen Landwirtschaftsministeriums vom 1.1.2013 ist 35 Seiten lang. Die Zuschuss-Obergrenze liegt bei 260.000 Euro, bei Betriebszusammenschlüssen gibt es bis zu 400.000 Euro. Da die aktuelle Förderrichtlinie nur für 2013 gilt, müssen sich Landwirte, die einen Stall bauen möchten, unter Umständen beeilen: Der Antrag muss bis Ende September gestellt werden. Wer weiß, wie hoch der Zuschuss andernfalls im nächsten Jahr sein wird.

Bundesagrarministerium plant Höchstgrößen bei Ställen

Schwein guckt neugierig nach oben. | Bild: BR zum Artikel Nutztierhaltung Wie groß darf ein Stall sein?

Zahlreiche Vorschriften ziehen schon jetzt die Genehmigungsverfahren für Stallbauten in die Länge. Und es soll schwieriger werden. [mehr]

Der Bauernverband befürchtet, dass es in Zukunft immer schwieriger wird, einen neuen Stall zu bauen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat einen Vorstoß in diese Richtung unternommen: Gewerbliche Tierhaltungen sollen im Außenbereich nur noch bis zu einer bestimmten Größe zugelassen werden. Im Gespräch sind Obergrenzen von 1.500 Tieren bei Schweineställen. Größere Ställe soll es nur noch geben, wenn die Gemeinde dafür einen speziellen Bebauungsplan aufstellt. Gewerbliche Tierhalter, die man in Bayern aber eher selten antrifft, bekommen also demnächst zusätzliche Hürden beim Stallbau in den Weg gestellt. Noch läuft das Gesetzgebungsverfahren, die geplante Novelle zum Baurecht ist noch nicht verabschiedet.

Was sind 'gewerbliche' Tierhalter?

Normalerweise müssen Landwirte - rein rechnerisch - mehr als die Hälfte des Futters auf ihren eigenen Flächen erzeugen können. Gewerbliche Tierhalter müssen das nicht, sie haben also womöglich weniger Fläche und tendenziell eher mehr Tiere.

Bayerischer Bauernverband rechnet mit Änderung des Baurechts

"Ich befürchte, das ist nur der erste Schritt, danach kommen Angriffe auf die landwirtschaftliche Privilegierung ..."

Rudolf Fietz, Justitiar beim Bayerischen Bauernverband

Das Gesetz gilt als Reaktion auf Missstände rund um große Schweine- und Geflügelmast-Betriebe in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Diese Probleme hätte man mit den jetzt schon geltenden Vorschriften und dem Planungsrecht durchaus in den Griff bekommen können, sagt der Bayerische Bauernverband. Er hält es für unnötig, in das Baugesetzbuch einzugreifen, das ja grundsätzlich die Bauvorhaben von Land- und Forstwirten im Außenbereich privilegiert, also schützt. Das heißt: Außerhalb von Ortschaften dürfen nur Land- und Forstwirte bauen. Dass die Gemeinden freiwillig Flächen für große Stallbauten ausweisen werden, bezweifelt die bayerische Bauernlobby.

"Bebauungspläne insgesamt sind zeitaufwändige Verfahren … Träger öffentlicher Belange werden angehört, Bürgerbeteiligung, das dauert Zeit, bis so ein Bebauungsplan existiert … die Erfahrung der letzten Zeit zeigt: es bilden sich Bürgerinitiativen bei einem Bebauungsplan mit Tierhaltung, es wird Druck ausgeübt, auch schon bei normalen Bauverfahren in der Landwirtschaft, das ist der Zug der Zeit. Es finden sich sehr schnell besorgte Bürger."

Rudolf Fietz, Justitiar beim Bayerischen Bauernverband


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