Bayern 2 - Notizbuch

Portrait einer Moschee Salafisten im Hinterhof

Freitags kommen verschleierte Frauen, Männer mit Bärten und langen Gewändern in die kleine Stadtteilmoschee in München-Sendling. Sie sprechen Arabisch und besuchen das Freitagsgebet. Ihr Imam: ein Salafist.

Von: Gabriele Knetsch Stand: 19.06.2012

Früher Kino und Möbelgeschäft - jetzt Moschee: Der nüchterne Zweckbau inmitten eines kleinen, traditionellen Wohngebietes hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Seit 2003 hat sich die El-Salam-Moschee den Räumen eingemietet. Träger ist ein Verein mit 20 Mitgliedern, dessen Vorsitzender der Imam Abdelhalim Sayed Farg ist. Sayed Farg ist ein ägyptischer Maschinenbauer, der vor 30 Jahren mit einem Touristenvisum nach Deutschland gekommen ist. Er bezeichnet sich selbst als Salafist, der Gewalt ablehnt und seinen Glauben friedlich in Deutschland praktizieren möchte. Die El-Salam-Moschee wird vom Bayerischen Verfassungsschutz überwacht, weil sie salafistisch ist. Die Gläubigen stammen aus muslimischen Ländern wie Ägypten, Tunesien, Marokko oder Somalia.

"Der Prophet Mohammed hat gesagt: Wenn ein Muslim seinen Bruder auf der Straße trifft, soll er das Wort 'salam' für Frieden sagen. Das ist für einen Moslem ein Grund, ins Paradies einzugehen. Wir rufen nicht zur Gewalt auf und wir sind dagegen."

Imam Abdelhalim Sayed Farg

Die Gläubigen

Die meisten Gläubigen der El-Salam-Moschee bezeichnen sich selbst nicht als Salafisten. Allerdings vertreten einige von ihnen sehr konservative Positionen, die dieser Strömung zugeschrieben werden. So fordert der Salafismus zum Beispiel die Vollverschleierung der Frau. Einige gläubige Frauen tragen den Hijab bis zum Boden oder den Niquab, der nur die Augen frei lässt. Andere Moscheebesucherinnen beschränken sich auf ein Kopftuch.

Die Geschlechtertrennung praktizieren Salafisten besonders streng. So treten einige dafür ein, Frauen nicht nur in der Moschee von Männern getrennt zu halten, sondern auch im sonstigen Leben. Aber nicht alle Besucher der El-Salam-Moschee verhalten sich gleichermaßen streng. Die Gläubigen stehen allerdings auf dem Standpunkt, dass sie das Recht haben, ihren Glauben so zu praktizieren, wie sie es sich vorstellen.

"Ich habe mich durch selbstständige Nachforschungen für diesen Glauben entschieden. Es gibt Religionsfreiheit und es spricht daher nichts dagegen, in den Städten Korane zu verteilen."

Gläubige 18-jährige Muslimin, die anonym bleiben will

Der Verfassungsschutz

Wie so viele Moscheen liegt die El-Salam-Moschee in einem unscheinbaren Hinterhof.

Die El-Salam-Moschee in München ist eine von vier salafistischen Moscheen in Bayern. In Bayern gibt es 450 Salafisten, von denen einzelne als gewaltbereit gelten. Der Salafismus wird vom Verfassungsschutz als "besonders radikale Strömung innerhalb des Islamismus" eingeschätzt. Imam Abdelhalim Sayed Farg gilt aber nicht als Gewaltprediger. Dennoch werden seine Predigten überwacht. Es geht darin eher um allgemeine Formulierungen, die eine Bedrohungssituation für den Islam suggerieren und die Gewaltbereite als Aufforderung zum Handeln verstehen könnten. Auf den Plan rufen den Verfassungsschutz besonders die Islam-Vorträge der dortigen Gastprediger, von denen einige als radikal gelten. Die Verfassungsschützer begeben sich dabei auf eine Gratwanderung: einerseits  sind die orthodoxen Verhaltensweisen strenggläubiger Muslims nicht verfassungsfeindlich, solange sie nicht gegen das Grundgesetz verstoßen. Andererseits befürchten die Verfassungsschützer, dass das extreme Gedankengut salafistischer Prediger den "Nährboden" für gewaltbereite Islamisten bilden könnte.


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