Bayern 2 - Notizbuch


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Zusammen lernen - mit und ohne Behinderung

Von: Gabriele Knetsch

Stand: 20.03.2014

Inklusion in der Schule: Behinderte und nichtbehinderte Schüler | Bild: colourbox.com

Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Unter dem Begriff "Inklusion" regelt sie verbindlich: Kein Kind darf wegen seiner Behinderung vom Besuch der allgemeinen Schule ausgeschlossen werden. Die Realität sieht allerdings anders aus.

Soll der Normalfall sein: Rollstuhl im Klassenzimmer.

In einer "normalen" Grundschule kommen alle möglichen Kinder zusammen: Deutschstämmige, Migrantenkinder, Legastheniker, Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), musisch oder sportlich begabte Kinder, Mathecracks und Schüler mit feinmotorischen Schwächen, mehrsprachige Kinder und solche, die keine Sprache richtig beherrschen. Die Unterschiede sind enorm. Und obwohl die Voraussetzungen eklatant auseinander klaffen, ist das Unterrichtstempo für alle Kinder gleich. Die Folge: Die einen sind über-, die anderen unterfordert. Was zählt, sind die Noten in den Kernfächern Mathematik, Deutsch, Heimat- und Sachunterricht, denn die sind entscheidend für den Übertritt.

Keine Zeit für Entwicklung

Kaum inklusive Bildung in Bayern:

Von den bayerischen Grundschülern mit Förderbedarf lernen nur 23 Prozent gemeinsam mit anderen Kindern. Bundesweit sind es immerhin knapp 34 Prozent. (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

Der Druck auf die Kinder ist somit groß, denn am Ende der vierten Klasse wird ausgesiebt: Gymnasium, Realschule, Hauptschule oder Förderschule. Für individuelle Förderung ist an den Grundschulen in der Regel kein Platz. Denn selbst, wenn die Lehrkräfte bemüht sind - der Lehrplan ist straff und für spezielle Förderangebote fehlt es an Zeit, Geld und Personal. Kinder, die für das eine oder andere Fach einfach noch etwas mehr Zeit oder Hilfe bräuchten, haben Pech gehabt. Davon sind Kinder mit Behinderungen natürlich besonders betroffen.

Umsetzung der Konvention

Dass Kinder mit Förderbedarf auf "normale" Regelschulen gehen können, scheitert oft schon an den räumlichen Gegebenheiten. Rollstuhlrampen, Aufzüge, behindertengerechte Toiletten, ergonomische Tische und Stühle, all das ist keine Selbstverständlichkeit. Um die UN-Behindertenrechtskonvention - die auch Deutschland unterzeichnet hat - umzusetzen, wäre das aber eine Grundvoraussetzung. Einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft unter ihren Mitgliedern zufolge, ist Deutschland noch weit davon entfernt, Inklusion im Sinne der Behindertenrechtskonvention umzusetzen.

GEW: Inklusion findet kaum statt

Einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft unter ihren Mitgliedern zufolge ist Deutschland noch weit davon entfernt, Inklusion im Sinne der Behindertenrechtskonvention umzusetzen.

"Unsere Studie zeigt, dass die Pädagogen verunsichert sind und sich mehr Unterstützung ihrer Arbeit wünschen. Zusätzliches Personal, mehr Zeit, kleinere Klassen beziehungsweise Gruppen, eine andere Gebäude-Architektur, stimmige Konzepte und gutes Lernmaterial sowie Fortbildung stehen ganz oben auf der Prioritätenliste für einen gelingenden Umgang mit der Vielfalt der Lernenden."

Marianne Demmer, stellvertretende GEW-Vorsitzende in Bayern und Leiterin des Vorstandsbereichs Schule


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