Ein Nest für alle Fälle Schutz und Selbstständigkeit für Psychiatriepatienten
Viele psychisch Kranke finden sich im normalen Alltag nur sehr schwer zurecht. Für einen Menschen, der an einer schweren Depression leidet, ist es häufig schon ein großes Problem, morgens überhaupt aufzustehen. Hat er es geschafft, steht er vor der nächsten Herausforderung, nämlich den Tag sinnvoll zu planen und zu strukturieren – für einen Gesunden eine Selbstverständlichkeit, für einen psychisch Kranken oft eine unlösbare Aufgabe. Die Münchner Einrichtung, das "Clubhaus Schwalbennest" hilft Psychiatriepatienten dabei, ihr Leben wieder selbst zu bestimmen.
Das "Schwalbennest" ist eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Problemen. Wichtige Prinzipien des Clubhauses sind die Mitarbeit und Mitverantwortung der Betroffenen: Im Clubhaus ist man nicht Patient oder Klient, sondern Mitglied.
Ein Clubhaus mit ganz besonderem Konzept
Clubhäuser in Deutschland
In Deutschland gibt es insgesamt vier Clubhäuser. Das Münchner Schwalbennest war das erste davon, es besteht bereits seit 25 Jahren. Träger des Clubhauses ist der Paritätische Wohlfahrtsverband, finanziert wird die Einrichtung vom Bezirk Oberbayern.
Im Schwalbennest duzen sich alle – ganz gleich, ob Mitglied oder professionelle Mitarbeiterin. Zum einen liegt das daran, dass die Clubhaus- Idee aus den USA stammt, wo man sich sehr häufig duzt und mit dem Vornamen anspricht. Es ist aber auch im besonderen Konzept des Clubhauses begründet.
"Das Besondere am Schwalbennest ist, dass es zu einem weltweiten Verbund von Clubhäusern gehört. Das erste Clubhaus ist 1948 in New York entstanden und hat dort sehr erfolgreich gearbeitet. Das Konzept hat sich zuerst in den USA verbreitet und kam in den 80er-Jahren dann auch nach Europa. Inzwischen gibt es 400 Clubhäuser weltweit, die nach dem gleichen Konzept arbeiten."
Vera Hahn, Leiterin des 'Clubhaus Schwalbennest'
Mit kleinen Schritten zurück in den normalen Alltag
Mitglied im Clubhaus kann jeder psychisch Kranke werden. Die meisten Besucher haben eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich, mit vielen Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken. Hier, im Schwalbennest, haben sie die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung. Die Kranken können an einem Tagesablauf teilnehmen, der durch Arbeit und andere Aktivitäten strukturiert ist. Es gibt Beschäftigungsmöglichkeiten in der Küche und im Büro, oder es werden Englisch- und Computerkurse angeboten. Hinzu kommen Freizeitaktivitäten wie gemeinsame Ausflüge oder Sportveranstaltungen.
Selbstbestätigung und Wiedereinstig ins Berufsleben
Das Clubhaus vermittelt auch befristete Jobs auf dem normalen Arbeitsmarkt. Diese Tätigkeiten – zum Beispiel in einer Bank oder beim Bezirk Oberbayern – können ein Sprungbrett zum Wiedereinstieg ins Berufsleben sein. Beschäftigungsmöglichkeiten, wie das Schwalbennest sie anbietet, hält Hans Förstl, der die Abteilung für Psychiatrie im Münchner Klinikum rechts der Isar leitet, für sehr hilfreich.
"Es ist sehr sinnvoll und nützlich für viele Betroffene, sich wieder selbst prüfen zu können: Da die Erfahrung zu machen. Das war zu viel, da bin ich gescheitert, aber es ist keine Blamage, denn andere haben auch große Schwierigkeiten. Und ich kann wieder Anlauf nehmen und bei nächster Gelegenheit schaffe ich das, vier Stunden lang, vielleicht sogar sechs Stunden oder einen vollen Arbeitstag. Das ist eine ganz wichtige Selbstbestätigung und objektiv werden die Leistungen auch besser."
Hans Förstl, Leiter der Abteilung für Psychiatrie im Münchner Klinikum rechts der Isar

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