Bayern 2 - Notizbuch

Ein Hauch von Alchemie Wie die Banken Geld schöpfen

790 Milliarden Euro Bargeld gibt es im Euroland - aber 4.700 Milliarden Euro liegen auf den Girokonten der Banken. Nur ein Sechstel unseres Geldes ist also tatsächlich physisch vorhanden, der große Rest ist unsichtbar. Wo kommt dieses Geld her?

Autor: Christine Bergmann Stand: 06.02.2012

Der Stein der Weisen liegt bei den ganz normalen Banken. Sie machen aus 100 Euro 5.000 Euro - auf dem ganz legalen Weg der Geldschöpfung. Sie besteht, vereinfacht gesagt, darin, dass die Banken deutlich mehr Geld als Kredit ausgeben dürfen als sie selbst an Kapital und an Einlagen besitzen. Die Banken können also Geld schöpfen indem sie Kredite vergeben.

"Der Vorgang beginnt damit, dass jemand Kredit nimmt, von der Bank für bestimmte Vorhaben Mittel bekommt, damit arbeitet, etwas unternimmt und aus diesem Geschäft neue Einnahmen hat - und diese Einnahmen wieder einlegt, also der Bank wieder zur Verfügung stellt. Und von diesen neuen Einlagen kann die Bank wieder Kredit vergeben."

Hans Schmid, Pressesprecher des bayerischen Sparkassenverbandes

Trotz "Alchemie" - die Geldmenge darf nicht unbegrenzt wachsen

Eine Wirtschaft die wachsen soll, braucht Geld für Investitionen oder auch den Konsum.

Aber das geht nicht unbegrenzt: Unser Wunsch nach Bargeld, die Reserven, die die Notenbank verlangt und die Vorschrift, dass die Bank ihre Kredite zum Teil mit Eigenkapital absichern muss, dämpft die Geldschöpfungskraft der Banken. Trotzdem wächst die Geldmenge von Jahr zu Jahr.

Das muss so sein in einer modernen Wirtschaft, sagen die führenden Ökonomen des Landes. Denn eine Wirtschaft die wachsen soll, braucht Geld für Investitionen oder auch den Konsum. Aber die Geldmenge darf auch nicht zu stark wachsen.

"Die Geldmenge wird dann inflationär, wenn die Masse  des verfügbaren Geldes nicht in der richtigen Relation zu den verfügbaren Gütern steht. Und das ist genau das was die Bank steuern muss, was die Zentralbank steuern muss, dass diese Relation stimmt."

Professor Thomas Heidorn, Frankfurt School of Finance

Die Aufgabe der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank ist die 1998 gegründete gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion.

Was nun die pure Geldmenge betrifft – die zu kontrollieren und in Schach zu halten, dafür ist die Notenbank zuständig, also die Europäische Zentralbank. Sie tut das allerdings nicht direkt, also teilt nicht bestimmte Geldmengen zu oder zieht sie wieder aus dem Verkehr. Sie regelt das über den Zins, erklärt Ulrich Bindseil:

"Je niedriger der Zins desto mehr Konsumausgaben, desto mehr Investitionsausgaben der Unternehmen und diese Nachfrage führt dann letztlich, wenn sie halt über das gesunde Maß hinausgeht zur Inflation und umgekehrt kann die Notenbank durch Hochsetzen der Zinsen Investitionsprojekte und Konsum so teuer machen, dass die Nachfrage zurückgeht und damit auch Inflationsdruck zurückgenommen wird."

Ulrich Bindseil, Europäische Zentralbank

Eingreifen nicht um jeden Preis

Über den Zins steuert die Notenbank dann auch die Geldschöpfungskraft der "normalen" Banken. Denn wenn die Zinsen hoch, Kredite also sehr teuer sind, dann werden sie weniger nachgefragt – die Banken können also nicht mehr so viel verleihen und damit auch kein neues Geld schöpfen. Allerdings wird die Notenbank nur tätig, wenn wirklich Inflation droht und zwar eine Inflation bei den Güterpreisen. Also nur wenn die Preise für Lebensmittel, Autos, Computer oder Benzin steigen wird die EZB aktiv. Steigen die Preise der Vermögen – droht eine Blase am Aktien- oder Immobilienmarkt – dann wird sie das zwar beobachten, aber nicht eingreifen, weil es nicht ihre Hauptaufgabe ist.

Geld als Handelsware

Geld ist zur Ware geworden, mit der wiederum Geld verdient wird.

Dieses ganze System ist also insgesamt sehr komplex. Klar ist dabei auf jeden Fall: Geld ist nicht gleich Geld. Das Bargeld und auch das Buchgeld auf unseren Giro- und Sparkonten – kommt noch in etwa unserer Vorstellung von Geld nach – es ist ein Tauschmittel, dass uns das Leben wirklich sehr viel einfacher macht. Aber mit der Entwicklung der modernen Wirtschaft und den modernen Finanzwesen ist diese Funktion etwas in den Hintergrund gerückt. Geld hat heute eine andere Bedeutung, es ist zur Ware geworden, mit der wiederum Geld verdient wird.

Dieses Kapital ist ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft. Keine Frage – das Wirtschaftswachstum, wenn wir es denn wollen – muss ja finanziert werden, und auch unsere Ersparnisse sollen ihren Wert einigermaßen behalten, damit wir im Alter noch gut davon leben können. Aber eben weil unsere Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen ist, weil wir mehr sparen, weil wir immer älter werden, hat sich eben auch viel Geld angesammelt. Wichtig ist die Kontrolle darüber zu behalten – denn nur wenn sich das Geld nicht zu schnell vermehrt, bleibt es begehrt, bleibt es für uns wertvoll.