Bayern 2 - Notizbuch


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Berufstätige Mütter "Karriere-Planung schon in der Schwangerschaft"

Laut einer aktuellen OECD-Studie sind Mütter in Deutschland weniger berufstätig als in anderen Ländern. Was würde ihnen helfen, wieder im Job durchzustarten? Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter rät, die eigene Karriere früh und strategisch zu planen.

Von: Ulrike Ostner

Stand: 21.02.2017

Cornelia Spachtholz, Verband berufstätiger Mütter e. V. | Bild: privat

Viele junge Paare nehmen sich heute vor, Karriere und Familienaufgaben partnerschaftlich aufzuteilen. Wie die OECD-Studie zeigt, klappt das oft nicht.

Cornelia Spachtholz: Deswegen beschäftigen wir als Verband uns mit vielen Themen, angefangen von gleicher Bezahlung für vergleichbare Arbeit bis hin zur Auflösung von Fehlanreizen. Wir fordern beispielsweise die Reform des Ehegattensplittings, weil das durchaus ein Hemmnis ist. Wichtig ist aber auch die persönliche Initiative, dass man also die eigene Karriere gut vorbereitet und plant.

Wie könnte das konkret aussehen?

Verband berufstätiger Mütter

Der Verband berufstätiger Mütter e. V. (VBM) engagiert sich seit 1990 unter anderem für Gehalts- und Rentengerechtigkeit, eine zufriedenstellende Betreuungssituation und gegen starre Rollenbilder. Cornelia Spachtholz ist VBM-Vorsitzende. Sie war früher stellvertretende Geschäftsführerin in einem Familienunternehmen - dann kam ihr Sohn. Mit Mann und Kind zog sie nach Köln, wo sie mit Baby studierte. Ihr Sohn war in mehreren Vorlesungen dabei.

Am besten sollte man sich schon in der Schwangerschaft mit dem Thema Elternzeit und Karriereplanung beschäftigen. Zunächst mit einem Blick zurück, einer Bestandsaufnahme: Welche Qualifikationen, welche Abschlüsse, welche Berufserfahrung bringe ich mit? Wo liegen meine Fähigkeiten, aber auch meine Interessen? Welche Ziele habe ich? Der nächste Schritt wäre, zu schauen, wie bin ich eigentlich aufgestellt? Wieviele Kinder habe ich? Welche Bedürfnisse, welche Persönlichkeitsstruktur haben meine Kinder? Man kann zum Beispiel nicht jedes Kind mit in eine Vorlesung nehmen.

Das heißt also: Wenn man schwanger wird, schaut man nicht nur nach einem Krippenplatz, sondern auch, wie man zurück in den Beruf kommt?

Das wäre die optimale Lösung. Zu einer Bestandsaufnahme gehört natürlich auch: Habe ich einen Partner oder eine Partnerin, die mich unterstützt - bei den Themen Betreuung, Bildungsbegleitung, Haushalt? Oder lagere ich Arbeiten extern aus? Habe ich familiäre Unterstützung, habe ich ein soziales Netzwerk, wie sieht die öffentliche Betreuungsinfrastruktur aus? Nicht umsonst fordern wir als Verband einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz von null bis mindestens 14 Jahren.

Frauen wählen gerne den Weg in die Selbstständigkeit. Welche Fallen lauern da?

Ähnlich wie beim Führerschein für das Autofahren ist es im Bereich Selbstständigkeit sinnvoll, sich vorab mit Regeln, Strukturen und Gefahren zu beschäftigen. Es auf dem Weg in die Selbstständigkeit hilfreich, sich mit einem Existenzgründerprogramm auseinanderzusetzen. Aktuell ist das Rentensystem der Spiegel des Erwebslebens. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2011 zum "Gender Pension Gap" zeigt, dass Frauen durchschnittlich 60 Prozent weniger Rente bei selbst erworbenen Ansprüchen haben als Männer. Es gibt also einen großen Aufholbedarf.

Sie haben 2014 den "Equal Pension Day" - parallel zum "Equal Pay Day" - ins Leben gerufen. Welche Botschaft wollten Sie damit aussenden?

Der "Equal Pension Day" ist ja der Stichtag, der diese 60 Prozent Unterschied markiert. Er fällt auf den 4. August. Dazu haben wir einen kurzen Kino-Spot gemacht mit der Botschaft: Junge Menschen sollten bei ihren Vereinbarkeitsentscheidungen den Blick weit nach vorne richten und sich die Arbeiten partnerschaftlich aufteilen.

Es gibt allerdings viele Frauen, die lange aus dem Berufsleben draußen waren, und dann - durch eine Trennung oder Veränderung in der Familie - plötzlich wieder arbeiten müssen. Was raten Sie diesen Frauen?

Loslegen - mit der persönlichen Standortanalyse zur eigenen Persönlichkeit, zur individuellen Vereinbarkeit. Und dann natürlich: Welches Thema, welchen Anbieter wähle ich für eine mögliche Weiterbildung? Mit welchem Abschluss steigere ich meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Bin ich vielleicht sogar bereit, einen Umzug dafür in Kauf zu nehmen? Also: Die Dinge in die Hand nehmen und die Zukunft planen.


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