Wirkung von Musik Historischer Blick und wissenschaftliche Erkenntnis
Die Wirkung von Musik auf den menschlichen Organismus wird seit der Antike kontrovers diskutiert. Kann sie heilen oder gar schädigen? Heute gibt es musikalische Therapien gegen Depression und Burnout.
"Es gibt Leute, die ebensowenig Musik vertragen, als manche Rhabarber einnehmen können oder Knoblauch riechen". Diese Meinung vertrat der Stadtarzt, Schriftsteller und Komponist Friedrich August Weber in Heilbronn Anfang des 19. Jahrhunderts. Er warnte vor einer medizinischen Anwendung von Musik.
Musik als Heilkunst im Mittelalter und der Antike
Die Musik gehörte zu den "septem artes liberales", den sieben freien Künsten, die über den gesamten Zeitraum des Mittelalters Bestandteil der ärztlichen Ausbildung waren. Dennoch war es seit der Antike stark umstritten, ob neben dem handwerklichen Geschick auch musikalische Kenntnis zum Kurieren eines Patienten benötigt wird.
Antike
Erste Quellen für die Wirkweisen von Musik auf den Menschen finden sich in heiligen Texten und Berichten von Reisenden. Aber auch in der Mythologie: Orpheus, der Sohn von Apollo und Gott der Weisheit und der Musik, wurde dargestellt, als der fleischgewordene göttliche Gesang. Mit seiner Musik kann Orpheus Menschen bezaubern, wilde Tiere zähmen, Steine erweichen und Wälder bezwingen. Dieser mythische Ursprung für die Heilkraft der Musik wurde in der Geschichte immer wieder zum Ausgangspunkt von Kritik.
"Wer an die therapeutische Wirksamkeit glaubt, dem machte man häufig zum Vorwurf in magisches Denken zurück zu fallen. Außerdem wurde kritisiert, dass die Berechenbarkeit musikalischer Wirkung viel zu ungenau sei. Was dem Einzelnen gut tut, wäre sehr individuell zu betrachten: Dieselbe Musik, die dem einen nutzen kann, würde beim anderen sogar Schaden hervorrufen."
Thomas Schipperges, Professor für Historische Musikwissenschaft in Mannheim
Musikalische Wirkung und die Pest
Vor allem zu Zeiten großer Krisen griff man auf magisches Gedankengut zurück. So beschäftigte man sich über Jahrhunderte hinweg damit, ob Musik ein Mittel gegen die Pest sei. Homer, der schon den Blutfluss bei Verletzungen mit Musik heilen wollte, war auch der Meinung, dass die Griechen bei der Belagerung Trojas, den Ausbruch der Pest in ihrer Armee durch die Musik vertrieben hätten. Meister Theodor Kirchmaier, war zwar kein Arzt, äußerte sich 1672 aber einschränkend zur Wirkungsfähigkeit von Musik gegen die Seuche.
"Musik wirke zwar wie Weingenuss der Furcht vor der Pest entgegen, es sei jedoch nur möglich, sich durch Musik vor der Pest zu schützen, aber unmöglich, bereits Pestkranke von der Seuche zu heilen."
Meister Theodor Kirchmaier
Historische Naturwissenschaft
Im 16. Jahrhundert erklärte man sich die Einflussnahme von Musik auf Seele und Leib anhand des mechanischen Verständnisses von Rene Descartes: Durch eine mechanische Verbindung des Hörorgans mit dem Gehirn durch Nervenfasern aus Draht, sah man eine direkte Einflussnahme von Musik auf die menschliche Physis für möglich.
Barock und Mozart
Bereits zu Zeiten Johann Sebastian Bachs unterschied man zwischen positiv und negativ wirkender Musik. Der Barockmusik sprach man eine beruhigende Wirkung zu, weil sie auf gleichen rhythmischen Mustern basierte.
Musik als Konzentrationshilfe
Auch die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart wurde immer wieder als leistungssteigernd eingeschätzt. 1993 haben amerikanische Forscher beobachtet, dass Studenten, die eine Klaviersonate von Mozart gehört hatten, besser bei einem Test abschlossen, als Studenten, die das nicht hatten.
Aktuelle Wissenschaft
Musikmedizinerin Vera Brandes, die über die biologische Wirkung von Musik bei Depression, Burnout und Demenz forscht, hat sich am Mozarteum in Salzburg mit dem sogenannten Mozart-Effekt beschäftigt. Eine steigende Leistungsfähigkeit durch die Musik von Mozart konnte zwar nicht generell nachgewiesen werden, aber eine Reihe von Kompositionen von Mozart hat gegenüber anderen Musikstücken durchaus eine größere Wirkung. Denn Mozarts Musik zeichnet eine hohe rhythmische und harmonische Variabilität aus.
Die Vielfalt macht's
"Musik der Barockzeit hat eine sehr klare Struktur. Das wirkt auf den Körper zwischendurch sehr erholsam. Auf Dauer ist eine zu starre Struktur aber auch nicht von Vorteil. Je abwechslungsreicher die Musik ist, desto gesünder ist sie für unseren Organismus."
Vera Brandes, Musikmedizinerin in Salzburg

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