Getränkeflaschen Mehrweg, Einweg, Kunststoff oder Glas?
Immer mehr Verbraucher greifen zu leichten PET-Getränkeflaschen. Ob diese Einweg- oder Mehrwegflaschen sind, ist dabei den meisten egal. Stirbt die Glasflasche aus? Lesen Sie, was Sie im Getränkemarkt-Dschungel wissen sollten.
Die gute, alte Getränkeflasche aus Glas ist bei vielen Getränkesorten auf dem Rückzug. Zwar setzen kleinere bis mittlere Getränkehersteller nach wie vor Mehrweg-Glasflaschen ein, doch das Gros der Mineralwässer, Limonaden und Softgetränke wird heutzutage in PET-Flaschen abgefüllt. Ihr Bier dagegen trinken die Deutschen aber nach wie vor am liebsten aus der Flasche - statt aus Plastik oder Dose: Zu 83,2 Prozent wird Bier in der Flasche gekauft.
Mehrweg ist immer besser für die Umwelt
Wer beim Einkauf auch an die Umwelt denkt, sollte sich für Mehrweg-Flaschen entscheiden. Mehrweg-Glasflaschen haben eine durchschnittliche Lebensdauer von sechs Jahren und lassen sich in dieser Zeit bis zu 50-Mal neu befüllen, die leichteren PET-Mehrweg-Flaschen dagegen nur bis zu 25 Mal. Glas kann theoretisch zu 100 Prozent recycelt werden - PET nicht. Wer dagegen unbedingt Wasser aus ausländischen Quellen trinken möchte, kann zu den leichten Einweg-Kunststoffflaschen greifen, denn der Transport von Flaschen mit weniger Gewicht ist über weite Strecken ökologischer.
Verpackungsbarometer
Die Verpackungsverordnung formuliert ein ganz klares Ziel: 80 Prozent aller Getränke soll in Mehrweg- oder ökologisch vorteilhaften Einwegverpackungen abgefüllt werden. Aber diese 80 Prozent wurden nie erreicht. Schlimmer noch, es geht sogar bergab mit der Zahl der vorteilhaften Verpackungen: laut einer Studie des Umweltbundesamtes lag die 2009 gerade einmal bei 51,8 Prozent. Darauf macht jetzt die Verbraucher Initiative in Berlin mit einer Kampagne aufmerksam. Auf www.verpackungsbarometer.de schreibt die Initiative im Internet, welche Getränkeverpackungen ökologisch vorteilhaft sind.
Weniger Schlepperei und günstige Preise
PET-Einwegflaschen sind nicht nur leichter als Glasflaschen und PET-Mehrwegflaschen, sondern einfach auch billiger. Die Lebensmittel-Discounter sorgen mit Dumpingpreisen dafür, dass viele Verbraucher den Weg zum Getränkemarkt nicht mehr einschlagen. Sie kaufen ihr Mineralwasser in Sechserpacks im Discounter und sparen sich die Schlepperei schwerer Getränkekästen. Im vergangenen Jahr lag die Mehrwegquote bei Mineralwasser nur noch bei 31 Prozent. In den 1990-er Jahren waren es noch 72 Prozent.
Gesundheitsgefahr aus der Plastikflasche?
Darüber, ob PET-Flaschen der Gesundheit schaden können, streiten sich die Gelehrten seit Einführung der Plastikflaschen auf dem deutschen Markt im Jahr 1987. Sicher scheint, dass sich in Kunststoffgetränkeflaschen der Stoff Acetaldehyd bildet. Diesen kann man schon wahrnehmen, wenn er in geringen Dosen auftritt: Er riecht und schmeckt süßlich. In Mineralwasser ist er auch deutlich zu schmecken, in Limonaden oder anderen Softgetränken geht er dagegen unter. Zur Gesundheitsgefahr schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):
"Entsprechend den in der EU geltenden Vorschriften dürfen aus Kunststoffen höchstens 6 mg Acetaldehyd auf 1 kg Lebensmittel übergehen. Bis zu diesem Grenzwert werden gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgeschlossen. Der Mensch kann den Stoff aber schon in weniger als einem Hundertstel dieser Menge deutlich riechen oder schmecken. Daher besteht - auch wenn Acetaldehyd sensorisch bemerkt wird - kein gesundheitliches Risiko, da meistens die Menge deutlich unter dem Grenzwert liegt."
Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin
Östrogen aus der Getränkeflasche?
2009 hatte außerdem eine Studie der Universität Frankfurt die Verbraucher über hormonartige wirkende Stoffe in Mineralwasser aus PET-Flaschen verunsichert. In 12 von 20 Mineralwässern wurden östrogenartig wirkende Substanzen gefunden, die sich - wie die Forscher vermuteten - aus den PET-Flaschen gelöst haben mussten. Einer der Tests, mit denen die Forscher damals arbeiten war ein Tierversuch: Schnecken wurden in Glas- und in PET-Flaschen gehalten. Die Schnecken in den Plastikflaschen vermehrten sich eindeutig häufiger. Beleg für die Forscher, dass das Plastik-Schneckenheim den Hormonhaushalt der Tiere beeinflusse. Das BfR bewertete diese Studie: Aus den Daten des Schneckentests könne nicht auf eine gesundheitsschädligende Wirkung für den Menschen geschlossen werden.
Für Plastikflaschen wird Erdöl verbraucht
Die PET-Einwegflaschen werden nicht mehr erneut befüllt, sie landen in Müllverbrennungsanlagen, ein Teil wird zu Granulat vermahlen. Deswegen ist ihre Umweltbilanz - trotz ihres leichten Gewichts - schlechter als die von PET-Mehrwegflaschen. Und für die Produktion neuer Plastikflaschen wird wieder Erdöl verbraucht.

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