Bayern 2 - Notizbuch

Landwirte im Ruhestand Die Rente allein ist zu wenig

Rund ums Jahr von früh bis spät müssen sich Landwirte um ihr Vieh kümmern. Keine leichte Arbeit. Einmal im Ruhestand könnten sie das Leben mehr genießen. Denn endlich haben sie Zeit dafür. Allerdings mit wenig Geld.

Stand: 02.02.2012
Landwirt | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Landwirt im Ruhestand bekommt seine Rente nicht aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Er erhält ein sogenanntes Altersgeld von der landwirtschaftlichen Alterskasse, die speziell für Bauern im Jahr 1957 gegründet wurde. Durchschnittlich beträgt die Rente pro Monat für den Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebes 495 Euro. Für die Ehepartnerin, die seit 1995 auch versichert ist, sind es 231 Euro.

Hoferben müssen für ihre Eltern aufkommen

Allerdings wird das Altersgeld nur als Teilsicherung fürs Alter gesehen. Denn bis heute wird von Bauernfamilien erwartet, dass sich die jungen Hoferben um ihre Eltern kümmern. Kost und Logis sowie ein "Taschengeld" sollen bis ans Lebensende aus dem Ertrag des Hofes finanziert werden.

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Der stellvertretende Direktor der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung Franken und Oberbayern, Ludwig Ziegler, erklärt, dass die Beiträge niedriger seien als bei den gesetzlichen Versicherungen: "Der monatliche Einzahlungsbetrag im Jahr 2012 liegt bei 224 Euro." Die landwirtschaftliche Alterskasse sei somit um zehn Prozent günstiger als die gesetzliche, so Ziegler. Dazu müsse man berücksichtigen, dass der Arbeitgeber bei der gesetzlichen Versicherung den gleichen Betrag nochmal drauf lege. Das ist bei der bäuerlichen nicht der Fall.

Der demografische Wandel schlägt zu

Keine leichte Arbeit: Rund ums Jahr müssen sich Landwirte um ihr Vieh kümmern.

Ein großes Problem der landwirtschaftlichen Alterskasse: Die Zahl der aktiven Landwirte und Höfe schrumpft rasant und so trifft der demografische Wandel die bäuerliche Alterskasse früher und auch härter. Schon jetzt kommen auf einen Beitragszahler 2,3 Altersgeld-Empfänger. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Bauern vorzeitig aus der Landwirtschaft aussteigen und in andere Branchen und damit auch in andere Sozialversicherungen wechseln.

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1995 reagierte die Bundesregierung auf diese Entwicklung und übernahm per Gesetz die sogenannte Defizithaftung. Seitdem legt sie das Geld drauf, das der bäuerlichen Sozialversicherung mangels Beitragszahlern fehlt. Bundeslandwirtschaftsministerin, Ilse Aigner, verwaltet den Etat: Von den insgesamt 5,8 Milliarden Euro im Jahresetat 2010 musste sie allein 3,8 Milliarden zur landwirtschaftlichen Sozialversicherung beisteuern. Das sind fast zwei Drittel ihres Haushaltes. Wer als Landwirt nicht genug verdient, wird unterstützt.