Notizbuch kulinarisch Zuckerstückchen für Zuckerschnütchen
Die Liebe geht manchmal seltsame Wege. Wie bei meiner Großtante Meral. Ohne Sekerpare, die köstlichen türkischen "Zuckerstückchen", könnten sich Meral und Bodo vermutlich heute noch nicht ausstehen.
Mutter, meine Schwester Deniz und ich stehen mit hochgekrempelten Ärmeln um den Küchentisch herum. Schon fast meditativ formen wir walnussgroße Kugeln aus Keksteig, die wir vorsichtig auf ein Backblech setzen. Anlass für diese Nachmittagsbeschäftigung ist die bevorstehende Hochzeit meiner Großtante Meral mit Bodo. Es ist kein Zufall, dass wir uns als Mitbringsel für Sekerpare, zu Deutsch: "Zuckerstückchen", entschieden haben. Denn ohne diese Süßspeise würden sich Meral und Bodo wahrscheinlich heute noch hassen.
Alles hatte vor einem Jahr begonnen. Meine Schwester Deniz und ich besuchten Großtante Meral in Speyer. Ihre Wohnung befand sich in einem Haus unweit der historischen Stadtmauer und des alten Stadtbrunnens. Und das war das Problem. "Es ist nicht auszuhalten", jammerte Großtante Meral, "jede Nacht stellt sich so ein blöder verkleideter Touristenführer unter mein Fenster und hält stundenlange Monologe über dieses wasserlose Loch!"
Träge von den Süßigkeiten, legten sich meine Schwester und ich an diesem Abend schon zeitig ins Bett. Wir wachten vom brummenden Singsang einer tiefen Männerstimme auf. Dann ein Schrei. Es war Großtante Meral, die sich angriffslustig aus dem Wohnzimmerfenster lehnte. "Es gibt hier nichts zu sehen." "Wie, nichts zu sehen?" Der Touristenführer protestierte. "Das ist ein historisches Monument!" "Das ist ein alter, trockener Brunnen!", schrie Großtante Meral. "Dann sind sie eine alte hysterische Ziege!", brüllte der Tourismusführer. Meral blickte sich rasend um, griff nach dem Erstbesten, das sich in ihrer Nähe befand - es war die Schüssel mit dem Gebäck - und attackierte die Gruppe fluchend mit Sekerpare. Meine Schwester und ich sahen zu, wie die Touristen schreiend in alle Richtungen auseinander stoben. Nur der Stadtführer stand noch da - schmatzend. Er hatte seinen langen Mantel aufgehalten und die türkischen Zuckerstückchen wie Sterntaler aufgefangen. "Unglaublich delikat!", rief er begeistert.
Rezept:
Zuckerstückchen für Zuckerschnütchen
Zutaten für ca. 20 Sekerpare
Für die Plätzchen:
- 300 g Mehl
- 125 g Butter
- 100 g Puderzucker
- 1 glückliches Ei
- 1 gehäufter TL Backpulver
- 1 Vanilleschote
- 1 EL Zitronensaft
- 1 Prise Salz
Für den Sirup:
- 750 g Zucker
- 750 ml Wasser
- 1/2 Zitrone
Zusätzlich:
- Butter für das Blech
- Öl für die Hände
- 20 geschälte Mandeln für die Deko
Erst der Sirup:
Wasser und Zucker aufkochen, dann den Zitronensaft zugießen. Den Sirup solange kochen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Topf von der Herdplatte nehmen und Sirup abkühlen lassen.
Dann der Teig:
Das Mehl mit Backpulver zu einem weißen Pulvergemisch vermengen. In die Mitte eine Mulde drücken. Butter in einem kleinen Topf zerlassen, abkühlen lassen und in die Mehlmulde gießen.
Mit einem spitzen Messer die Vanilleschote längs aufschlitzen und das Mark herauskratzen. Das Vanillemark wird jetzt mit dem Ei, dem Puderzucker, Zitronensaft und der Prise Salz verquirlt. Die Masse zum Mehl gegeben und zu einem geschmeidigen Teig verrühren. Ist der Teig weich, ist der Teig gut.
Ofen auf 175 Grad vorheizen.
Und zuletzt: Ein wenig Fingerspitzen-Arbeit
Die Hände mit dem Öl einreiben, damit der Teig nicht an den Fingern festpappt. Walnussgroße Stückchen aus dem Teig lösen und zu Bällchen formen. Die Teigkugeln im Abstand von etwa 5 cm auf ein eingefettetes Backblech setzen. Zu Deko-Zwecken wird pro Bällchen eine Mandel kopfüber in den Teig gesteckt.
Das Keksblech in den Ofen schieben, 40 Minuten warten und wieder rausziehen. Die kleinen Sekerpare heiß, wie sie sind, in den Sirup tauchen. Süß und vollgesogen sind sie bereit zum Genuss.
Achtung: Suchtgefahr!

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