Bayern 2 - Notizbuch


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Kreuzfahrtschiffe "Leinen los!" auf Kosten der Umwelt

Kreuzfahrten sind heute keine elitäre Veranstaltung mehr für die oberen Zehntausend. 2016 hat allein die Zahl der deutschen Passagiere die Zweimillionen-Marke überschritten. Doch die Umweltbelastung ist gigantisch. In Norwegen könnte die Kreuzfahrtbranche bald empfindlich an Boden verlieren. Die norwegische Regierung erwägt, fünf bekannte Fjorde für Schiffe zu sperren, die Abwässer ins Meer leiten und ihre Emissionen nicht reduzieren.

Von: Claudia Decker, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 27.07.2017

14 Tage Innenkabine samt Flug und Transfer und "all inclusive" - das ist heute schon für gute 2.000 Euro zu haben. Zum Schnäppchenpreis gibt es Verwöhn-Pakete, die es in sich haben. Auf den Kreuzfahrtschiffen gibt es Restaurants, Bars und sogar pädagogische Kinderbetreuung. Daneben bieten Shops Bücher, Schmuck, Kleidung und Kunst an. Und wer will, für den gibt es Fitness, Wellness, Disco, Casino, Theater für aufwendige Shows mit renommierten Künstlern und Bühne draußen auf dem Pooldeck.

All inclusive - Lebensmittelverschwendung hausgemacht

Unter den Passagieren finden sich nur wenige, die nicht begeistert wären von der Sorglos-Schwelgerei, von Party und Remmidemmi und vor allem vom Essen. Feinkost,  Schonkost, Kinderbüffet, alles da, und der Appetit im Schlaraffenland eines Kreuzfahrtschiffs ist unglaublich. Doch weil die Augen meist größer sind als der Magen, bleibt am Ende unglaublich viel auf den Tellern zurück und wird weggeworfen. Fährt das Schiff nach US-amerikanischen Hygienestandards, den sogenannten United States Public Health Standards, heißt das: Auch was nach vier Stunden noch auf dem Büffet ist, muss weggeworfen werden und landet in dem Tank für Essensabfälle.

Müll ahoi! Die Mengen an Müll sind erheblich

Jeder Kreuzfahrt-Passagier verursacht pro Tag bis zu 2,5 Kilogramm Speisereste, 1,8 Kilogramm Verpackungsabfall (Plastik, Pappe oder Holz) und etwa ein Kilogramm Glas- und Dosenmüll. (daserste.de)

Bakterien im Essensabfallbehälter sorgen für einen neutralen pH-Wert des Gemischs, damit diese Brühe ins Meer abgelassen werden kann. Dies geschieht, sobald das Schiff mindestens zwölf Seemeilen vom Land entfernt ist und mit einer Geschwindigkeit von zwölf Knoten fährt. Auch das Abwasser aus den Duschen und Toiletten landet - wenn auch gereinigt und gefiltert - im Meer. Der Müll wird getrennt. Ein Teil wird in der bordeigenen Müllverbrennungsanlage verbrannt. Glas, Papier, Pappe und Holz sowie die getrockneten und komprimierten Extrakte aus den Toiletten werden dagegen an Land entsorgt.

"Entladen Sie den Abfall in Neapel oder auf einer Karibikinsel, haben [wir] festgestellt, dass die Reeder gar nicht genau wissen, was tatsächlich mit dem Müll passiert. Müllentsorgung in diesen Ländern bedeutet in der Regel Deponierung, etwas, was wir in Deutschland schon lange verboten haben. Oder es bedeutet Verbrennung auf offener Fläche und eben nicht in einer Müllverbrennungsanlage mit hochwirksamem Abgassystem."

Dietmar Oeliger, Naturschutzbund NABU

"Teufelszeug" Schweröl - Dreckschleuder Kreuzfahrtschiff

Kreuzfahrtschiff | Bild: colourbox.com zum Video mit Informationen Die Story Die Kreuzfahrt boomt, die Umwelt leidet

Der Aufwand für den Luxus auf hoher See ist enorm, der Schadstoffausstoß der Riesenkreuzer gigantisch. Über ein Megageschäft und seine Folgen ... [mehr]

Schweröl ist ein Abfallprodukt aus den Ölraffinerien. Es ist keine Flüssigkeit, sondern eine zähe glitschige schwarze Masse. Man muss Schweröl erhitzen und filtern, damit es an Bord gepumpt und später der Schiffsmotor damit befüllt werden kann. An jedem Tag, den die Kreuzfahrtschiffe über die Meere schippern, verbrennen sie tonnenweise diesen Kraftstoff. Dabei werden Schwermetalle, Schwefeldioxid, Stickoxide und Rußpartikel in einer Menge freigesetzt, wie sie an Land verboten ist. Allein in seinem Schwefelgehalt ist Schweröl 2.500 Mal schmutziger als KFZ-Diesel.

Doch wie so oft geht es ums Geld: Schweröl ist rund ein Drittel billiger als der weniger umweltschädliche Marinediesel. Manche Reedereien haben auch technisch nachgerüstet und eine Abgasreinigungsanlage installiert, die große Teile des Schwefels entfernt. Um Schweröl aber wirklich sauber zu kriegen, reicht das nicht, denn Stickoxide und die gefährlichen Rußpartikel bleiben über. Außerdem wird das Waschwasser in der Regel ins Meer eingeleitet, was zu einer Verschmutzung der Meere, zu einer Versauerung führt. Die Reedereien verlagern dadurch das Problem von der Luft ins Meer.


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