Bayern 2 - Notizbuch


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Kindern die Natur nahe bringen Was wächst denn da?

Auch wenn wissenschaftlich belegt ist, dass das Weitergeben von Umweltwissen noch lange kein nachhaltiges Naturbewusstsein erzeugt, belegen etliche Studien trotzdem einen Zusammenhang. Es gibt viele Hinweise, dass das Spielen und der Aufenthalt in der Natur für Kinder eine günstige Wirkung hat - von der seelischen und der kognitiven Entwicklung bis hin zu Gesundheitsfaktoren. Für Kinder ist die Natur ein Ort, wo man Vertrauen in sich und die Welt bekommen kann.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 23.02.2017

Laut Bund Naturschutz München sind rund dreißig Prozent der Münchner Vorschulkinder, die heute an Bund-Naturschutz-Projekttagen teilnehmen, zuvor noch nie im Wald gewesen. Der Bund Naturschutz appelliert deshalb an Eltern, mit ihren Kindern viel mehr in die Natur zu gehen. Denn Natur lernt man aber nicht aus dem Lehr- oder Bilderbuch. Natur erlebt und erfährt man nur, indem man sich in der Natur bewegt.

In der Natur Vertrauen in sich und die Welt erfahren

Ulrich Gebhard, Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg und Psychoanalytiker für Kinder- und Jugendliche, Autor des Buches 'Kind und Natur' | Bild: Prof. Ulrich Gebhard

"Der Baum im Garten überdauert die Zeiträume der Kindheit - es ist die Erfahrung von Kontinuität und Bindung. Zugleich bietet die Natur immer wieder neue Reize im Laufe der Jahreszeiten. Diese Doppelstruktur scheint einen sehr positiven Effekt auf Kinder zu haben."

Ulrich Gebhard, Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg und Psychoanalytiker für Kinder und Jugendliche, Autor des Buches 'Kind und Natur'

Das A und O jeglicher Naturerfahrung ist aber offenbar das Gefühl von Freizügigkeit im Sinn von 'Da kann ich machen, was ich will'. Am meisten schätzen Kinder demnach Naturräume, die von Erwachsenen sozusagen vergessen wurden. Darüber hinaus fühlen sich die meisten Kinder zu Bäumen, Wasser und Tieren hingezogen.

Umwelt begreifen - Beispiel bayerische Schulwälder

Eine Zeit lang in Vergessenheit geraten

Bereits in den 1960er Jahren gab es Schulwälder in Bayern. Mit der "Initiative Schulwald" will der bayerische Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Kindern und Jugendlichen die heute oft fehlenden Naturerlebnisse wieder ermöglichen. Mit im Boot sind unter anderem der Bayerische Waldbesitzerverein und weitere staatliche Institutionen wie die Bayerische Forstverwaltung.

Im "Schulwald" gibt es keine Stühle und Tische, keine Heizung gegen Kälte, kein Dach gegen Regen, kein Waschbecken. Schulwälder sind zumeist kleine Naturflächen in Schulnähe, die Waldbesitzer zur Verfügung stellen, damit Schüler dort unter Anleitung von Lehrern und Forstleuten das ganze Jahr über den Wald betreuen, beobachten und pflegen. Gemeinsam werden zum Beispiel Bäume gepflanzt. Es werden aber auch Schulwaldfeste oder Waldweihnachten gefeiert. Ein Schulwald kann aber zu vielen Themen aufgesucht werden, auch wenn es nicht explizit im Lehrplan steht. 

Weil es in ihrer Natur liegt - Naturführungen für Kinder

Auch Hans Riemann vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern spricht von einem "Grundbedürfnis der Kinder, daußen zu spielen und die Dinge kennenzulernen".

"Ob das Insekten sind, Büsche, Beeren, Bäume oder auch Kräuter - die Kinder sind von Natur aus Sammler und Jäger und von Natur aus naturverbunden."

Hans Riemann, Landesbund für Vogelschutz Bayern

Hans Riemann leitet seit etlichen Jahren eine der zahlreichen Kinder- und Jugendgruppen, die der Landesbund für Vogelschutz in Bayern anbietet. Im Winter machen die Kinder zum Beispiel Futterknödel für die Vögel. Im Herbst werden Wildkräuter gesammelt oder Beeren, aus denen anschließend sogar Marmelade gekocht wird. Wichtig dabei: nach einer halben Stunde Theorie dürfen die Kinder wieder spielen.

Unterwegs mit dem "LernMobil"

Thomas Schreder aus Erding ist Diplombiologe und Jäger und Fischer. In den letzten zehn Jahren, so Schreder, bemerke er ein Stadt-Land-Gefälle, was die Kenntnis von Kindern in Sachen Natur betrifft. Auf dem Land könnten Kinder Tierarten noch besser bestimmen.

"Es ist schön, ein Fell anzufassen; es ist haptisch. Diese Sachen vergessen die Kinder nicht. Wir haben dann hoffentlich den Samen in die Erde gesetzt, dass etwas aufgehen kann! Und dann gehen sie hoffentlich mit offenen Augen durch Felder und Wälder, erkennen mal eine Spur oder sehen auch mal ein Tier mit einem anderen Auge."

Thomas Schreder

Seit rund 15 Jahren ist der Diplombiologe ehrenamtlich mit seinem "LernMobil" an Schulen und Kindergärten im Landkreis Erding im Einsatz. Das "LernMobil" ist ein Auto-Anhänger mit Aufsatz. In dessen Schubladen liegen zum Beispiel Felle, Federn, Tierschädel und -pfoten. Mit ihnen können Kinder Tiere bestimmen lernen. Außerdem gibt es als Anschauungsmaterial Schaukästen mit Vogelschwingen, Tierbeinen und -füßen sowie mit ausgestopften Wildtierexponaten.

Weiterführende Informationen

Kontakte

LernMobil
Wildlandmobil Kreisjagdverband Erding
Thomas Schreder, Dipl.-Biologe
Mail: thomas.schreder@jagd-erding.de

Initiative Schulwald in Bayern
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Landesverband Bayern e.V.
Internet: sdw-bayern.de

Kindergruppen vom Landesbund für Vogelschutz
Projekt zur Entwicklung nachhaltiger Lebensstile
Internet: lbv-muenchen.de

Umweltbildung Bund Naturschutz
Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche
Internet: bund-naturschutz.de

Umweltbildung Bayern
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Internet: umweltbildung.bayern.de

Buchhinweis

"Kind und Natur"
Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung
Autor: Ulrich Gebhard
Vs Verlag Für Sozialwissenschaften

Diese Liste ist exemplarisch und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.


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