Bayern 2 - Notizbuch


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Bauer ohne Nachfolge Wenn fremde Familien den Hof übernehmen

Was sich wohl viele Bauern für ihr Alter wünschen, ist, dass sie auf dem Hof weiterleben können und die Jungen übernehmen die Verantwortung und die Arbeit. Doch zwei Drittel aller Landwirtsfamilien in Deutschland wissen nicht, wer ihren Hof einmal übernehmen wird. Auf der anderen Seite gibt es viele junge Leute, die gerne einen Hof bewirtschaften würden, aber aus keiner Bauernfamilie kommen.

Von: Susanne Oberloher, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 11.10.2017

Meist ist nicht das Problem, dass keine Kinder da wären, um einen Hof zu übernehmen, sondern dass die Kinder den Hof nicht übernehmen möchten. Dann gibt es oft Streit und Enttäuschung auf allen Seiten, wenn die Höfe an Fremde übergeben werden sollen.

Ein Generationenwerk - "... da geht es wirklich um viel"

Die Beraterin Gabriele Wiest hat fünfmal so viele Suchende wie Anbieter in ihrer Kartei

Um Streit und Enttäuschung zu vermeiden, setzt Gabriele Wiest, die Landwirtsfamilien bei der Hofnachfolge berät, darauf, alle Parteien an einen Tisch zu bekommen - die Familie und die potenziellen Übernehmer. Die Beraterin bringt Menschen zusammen, die einen Hof anbieten, und welche, die auf der Suche sind. Nach den ersten Treffen klärt die Beraterin, wie das gemeinsame Bewirtschaften eines Hofes und das Zusammenleben überhaupt aussehen könnten. Das Thema Pacht oder gar Kauf kommt erst nach vielen weiteren Treffen zur Sprache. Und bis es so weit ist für die Übergabe, vergehen oft Jahre. Viele formale Themen gilt es bei einer Hofübergabe zu klären. Zum Beispiel die Abfindung der leiblichen Kinder, die Wohnsituation, die Arbeitsaufteilung oder die Pflege und Versorgung der Alten. Und nicht alles lässt sich in Verträgen festlegen.

Erst einmal zur Probe - Neueinsteiger in der Landwirtschaft

Xaver (links), Johannes (Mitte) und Katharina (rechts): Einen Milchviehhof zu übernehmen und zu führen, hat erst einmal nicht geklappt.

Gemeinsam leben und arbeiten auf dem Bauernhof, und zwar als Hofgemeinschaft, das wollten die vier jungen Leute Katharina Mikschl, Johannes Kreuzpaitner und Xaver Ammler mit seiner Lebensgefährtin Sophia. Erst einmal auf Probe haben Katharina und Johannes ein Jahr lang auf einem Milchviehbetrieb mitgearbeitet - in der Hoffnung, den Hof dann vielleicht übernehmen zu können. Es ist anders gekommen, denn es hat nicht gepasst - weder für die jungen Leute noch für den Bauern, dessen Nachfolge auf dem Betrieb sie angetreten hätten. Die vier jungen Leute hatten, wie sie jetzt wissen, zu wenig Praxiserfahrung für so einen großen Milchviehbetrieb. Jetzt gehen alle erst mal wieder anderen Aufgaben nach.

"Ich hoffe, dass sich da was ergibt. Wie und wo, das müssen wir schauen. Aber ich habe das schon so oft in meinem Leben erlebt. Da versteift man sich auf irgendwas - das ist doch so toll. Und wenn es nix wird, ärgert man sich erst, und dann kommt irgendwas, das viel besser ist als das, was man eigentlich ursprünglich wollte."

Xaver Ammler

Außerfamiliäre Hofübergabe - drum prüfe, wer sich ewig bindet

Josef Lichtenstern und seine Frau Rosina sind erst 51 Jahre alt. Und trotzdem denken sie bereits intensiv über die Fortführung ihres Hofes nach. Mit großer Leidenschaft haben die Lichtensterns 2003 ihren Milchviehbetrieb mit etwa 70 Kühen auf biologische Haltung umgestellt. Falls sich die Tochter gegen den Betrieb entscheidet, kann sich der Biomilchbauer auch eine Übergabe an Fremde vorstellen. Aber unter einer Bedingung: erst einmal zur Pacht.

"..., weil man muss sich kennenlernen. Man muss mit jemandem arbeiten, damit man ihn kennenlernt. Das geht nicht von heute auf morgen. Da braucht man schon ein paar Jahre."

Josef Lichtenstern, Biomilchbauer

Zwei wichtige Tipps, damit es mit der Hofübernahme klappen kann

Reinen Tisch machen
Für ein Gefühl von Verbindlichkeit und Sicherheit auf beiden Seiten müssen alle Knackpunkte im Vorfeld geklärt werden. Was kleinkrämerisch klingen mag, vermeidet Missverständnisse und Probleme, und zwar schon bevor die Interessenten auf dem Hof für eine Probezeit mitarbeiten.

Frühzeitig Gedanken machen
Entscheidend ist, diesen Weg frühzeitig zu beginnen. "Nach der Übergabe ist vor der Übergabe", wie Experten sagen. Damit meinen sie: Sobald man einen Hof übernimmt, soll man sich Gedanken machen, wie es in vierzig Jahren weitergeht. Klingt übertrieben, ist aber sinnvoll.


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